Silber nach Tausendstel-Krimi

Sport / 10.02.2022 • 20:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Quartett Lorenz Koller, Thomas Steu, Wolfgang Kindl und Madeleine Egle nach dem Blick auf die Rangliste und der Freude über den Gewinn einer Olympiamedaille in der Teamstaffel.GEPA
Das Quartett Lorenz Koller, Thomas Steu, Wolfgang Kindl und Madeleine Egle nach dem Blick auf die Rangliste und der Freude über den Gewinn einer Olympiamedaille in der Teamstaffel.GEPA

0,08 Sekunden hinter Deutschland – Thomas Steu holt in der Teamstaffel zweite Olympiamedaille.

Yanqing Zum Abschluss der Rodelbewerbe bei den olympischen Winterspielen in Peking lieferten sich in der Teamstaffel Österreich und Deutschland wie im Vorfeld erwartet einen Krimi der Extraklasse. Nach hochdramatischen 3:03,406 Minuten Fahrzeit mussten sich Madeleine Egle, Wolfgang Kindl und Thomas Steu/Lorenz Koller um 0,08 Sekunden dem Quartett Natalie Geisenberger, Johannes Ludwig und Tobias Wendl/Tobias Arlt geschlagen geben. Den Deutschen gelang nach den Erfolgen in den Einzelbewerben und der erfolgreichen Titelverteidigung im zum zweiten Mal ausgetragenen Teambewerb der totale Triumpf bei den Winterspielen in Peking. Mit dem Respektabstand von 0,868 Sekunden ging Bronze an Lettland.

Für die rot-weiß-roten Kufensportler war es nach der Silbernen von Kindl im Einsitzer und der Bronzenen von Steu/Koller am Tag zuvor das dritte Edelmetall bei den Spielen in China und die 25. Medaille (6/10/9) in der Geschichte seit 1964.

Bis zur Kurve 13 lief alles perfekt

Die Österreicher gingen als 13. und Vorletzte ins Rennen und legten den favorisierten Deutschen die Latte hoch. Sowohl Egle als auch Kindl markierten die Tagesbestzeit und ließen die Disziplinensieger Geisberger (+0,036) und Ludwig (+0,065) hinter sich. Lediglich Steu/Koller mussten sich den nach ihnen startenden Wendl/Arlt um 0,181 Sekunden geschlagen geben. „Bis auf die 13er-Kurve war es ein toller Lauf, dann ist uns der Fehler passiert und wir sind ganz leicht touchiert“, so Steu. „Es tut mir natürlich leid für die Teammitglieder, aber wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Ich bin trotzdem glücklich und stolz auf die gezeigte Leistung“, betonte der seit Mittwoch 28-jährige Bludenzer und meinte schmunzelnd: „Ich hoffe, sie hassen mich deshalb nicht.“

Seine Teamkollegen quittierten diese Aussage mit lauten Lachern, Vorwürfe gab es keine. „Die Doppelsitzer hatten einen kleinen Fehler, aber es wäre trotzdem knapp geworden. Geil, dass wir eine Medaille gemacht haben“, erklärte Kindl. Egle war nach eigenen Angaben „megahappy“.

Auch bei ÖRV-Präsident Markus Prock überwog die Freude ganz klar. „Leider hatten Thomas und Lorenz in der Schlussphase den kleinen Rutscher, das war wahrscheinlich die entscheidende Szene. Aber wir sind happy, dass wir mit dem Speed der Deutschen mitgekommen sind. In vier Bewerben drei Medaillen zu machen, ist eine stolze Ausbeute“, resümierte der 57-jährige Tiroler, der selbst als Aktiver zwei Silberne und eine Bronzene bei Olympia gewann.

Ähnlich die Beurteilung von ÖRV-Cheftrainer Rene Friedl: „Wir brauchen uns nicht zu ärgern. Dass wir so stark mithalten, hätte ich gar nicht gedacht. Es war knapper als erwartet und ohne den kleinen Patzer im Doppelsitzer wäre Gold drin gewesen. Aber wir sind sehr zufrieden und haben unser Ziel erreicht.“

Grünes Licht für Heimreise

Nach den nervenaufreibenden letzten drei Monaten freuen sich alle auf die baldige Rückkehr zu ihren Familien. „Wir hatten seit November praktisch keinen Kontakt zur Außenwelt. Jetzt sind wir froh, nicht jeden Tag zittern zu müssen, wie der PCR-Test ausfällt“, so Steu.

Neben Glückwünschen gab es auch eine erfreuliche Meldung aus dem Krankenhaus. Wenn nichts mehr passiert, kann der Bludenzer Yannick Müller nach seiner Operation mit dem ÖRV-Tross am Samstag die Heimreise antreten. VN-JD

„Wir haben Silber gewonnen, nicht Gold verloren. Ich bin trotzdem glücklich.“

Zwiespältiger Blick zum Himmel von Thomas Steu nach Überquerung der Ziellinie: War es die Freude über die sichere Silberne oder der vorwurfsvolle Blick nach oben aufgrund des leichten Fehlers bei der Ausfahrt von Kurve 13.
Zwiespältiger Blick zum Himmel von Thomas Steu nach Überquerung der Ziellinie: War es die Freude über die sichere Silberne oder der vorwurfsvolle Blick nach oben aufgrund des leichten Fehlers bei der Ausfahrt von Kurve 13.
Mit Silber in der Teamstaffel und Bronze im Doppelsitzer kehren Thomas Steu (l.) und Lorenz Koller als zweifache Medaillengewinner aus Peking zurück. GEPA
Mit Silber in der Teamstaffel und Bronze im Doppelsitzer kehren Thomas Steu (l.) und Lorenz Koller als zweifache Medaillengewinner aus Peking zurück. GEPA