Mixed Zone mit Egon Theiner: Ungewolltes Übermaß?

Sport / 14.02.2022 • 23:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mixed Zone mit Egon Theiner: Ungewolltes Übermaß?
Schneeschaufeln war am Wochenende in den Austragungsorten angesagt. Theiner

Noch vor einem Tag meinte ein Fotograf im Pressezentrum des Genting Snow Park: „Ich kann mir schon vorstellen, dass man hier die Wolken beschießt, damit es schneit und Winterfeeling hochkommt.“ Ich zucke mit den Achseln. Wenn es so ist, dann ist es von langer Hand geplant, denn Winterwetter ist dieser Tage durchgehend angesagt.


Am 13. Februar ist dann nicht nur mein Geburtstag, an diesem Tag öffnet der Himmel (oder Peking für ihn?) seine Schleusen. Schneefall ab dem Vormittag: Die Qualifikation des Ski Freestyle-Slopestyle der Frauen mit Chinas Gesicht der Spiele, Eileen Gu, wird um einen Tag verschoben. Ich freue mich, mein Tag wird ruhiger. Für diesen Event, der nicht einmal mit einer Medaillenvergabe endet, haben sich über hundert Journalisten und ebenso viele Fotografen angesagt.
Es schneit weiter, ich denke an die Manipulation von Wolken und daran, dass man es auch übertreiben könnte. In der Tat: Auch die Qualifikation der Aerials-Frauen, für den Abend angesetzt, wird neu angesetzt. Wenn das gewollt war, grinse ich nun, na dann Grüß Gott. Fast das gesamte Wettkampfprogramm von Woche zwei in Genting ist über den Haufen geworfen.
Also gehen wir einmal davon aus, dass das weiße Gold doch ungewollt in Übermaß auf die ohnehin winterlichste Wettkampfstätte dieser Olympischen Spiele fiel. Während eine halbe Stunde entfernt Biathleten und Langläufer ihre Wettbewerbe austragen konnten, ging bei den Ski Freestylern nichts mehr. Die Mär von den Spielen auf hundert Prozent Kunstschnee mag stimmen oder auch nicht, die Schneearmut der Region statistisch belegbar sein – und dennoch ist es hier gerade echter Winter, wie auch in Peking, von wo Bilder einer weißen Verbotenen Stadt kommen.
Vielleicht wollte man es in der Kapitale schneien lassen und das Desaster in Genting war lediglich ein Kollateralschaden? Das ist doch eine schöne Verschwörungstheorie! Wie auch immer. Die aktuellen Tage sind fürwahr Olympischer Winterspiele würdig …
Zumal die Sonne und der blaue Himmel der ersten Tage zum Wochenstart zurückgekehrt sind.

<em>Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Olympischen Winterspielen 2022 für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations und kümmert sich im Zhangjiakou Genting Snow Park (Snowboard und Ski Freestyle) um Pressezentrum, Pressetribüne, Mixed Zone und Pressekonferenzen. Ansonsten ist er Verleger (</em><a href="http://www.egoth.at/"><em>www.egoth.at</em></a><em>) und Autor – demnächst erscheint ein Buch über seine Erfahrungen in der Quarantäne von Peking.</em>
Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Olympischen Winterspielen 2022 für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations und kümmert sich im Zhangjiakou Genting Snow Park (Snowboard und Ski Freestyle) um Pressezentrum, Pressetribüne, Mixed Zone und Pressekonferenzen. Ansonsten ist er Verleger (www.egoth.at) und Autor – demnächst erscheint ein Buch über seine Erfahrungen in der Quarantäne von Peking.