Super Bowl mit Martin Pfanner: Rams im Football-Olymp angekommen

Sport / 14.02.2022 • 23:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Super Bowl mit Martin Pfanner: Rams im Football-Olymp angekommen
Von Miller und Robert Woods, Spieler der Rams, mit der Lombardi-Trophäe. Reuters

Team aus Los Angeles gewinnt den Super Bowl – Stafford, Whitworth und Donald veredeln ihre Karrieren.

Los Angeles Wenn bis auf ein Sport-Ereignis (fast) alles in einem 330-Millionen-Menschen-Land ruht, dann ist wohl wieder „Super Sunday“. Keine der anderen beiden großen US-Ligen NBA (Basketball) und NHL (Eishockey), die sich aktuell im Spielbetrieb befinden, wagt es, sich mit der NFL und ihrer Strahlkraft zu messen. Beide Entitäten terminisierten am vergangenen Sonntag ihre Spiele so, dass der Sendeplatz um 18.30 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit bzw. 15.30 Uhr Ortszeit in Los Angeles komplett freigeräumt war. Ein Land macht Platz für den Super Bowl 56, das Endspiel der National Football League (NFL).
Dass dem Platzhirsch NFL so viel Raum gelassen wird, hat seit vielen Jahren Tradition. Ebenso dass der Programmplatz nach der Super-Bowl-Übertragung eines Senders einen extrem hohen Stellenwert besitzt. Immerhin gilt es die gut 100 Millionen Zuseherinnen und Zuseher fürs nachfolgende Programm zu halten. Super-Bowl-56-Host NBC tauschte deswegen bereits vor ein paar Jahren mit CBS das Übertragungsrecht für 2022, damit die – hoffentlich quotenträchtige Übertragung von Super Bowl 56 – direkt in die Berichterstattung der Olympischen Spiele übergehen konnte.

Das Spiel

Letztlich dürfte ein Gutteil des Publikums bis zum Ende der Partie dabeigeblieben sein. Denn erst die allerletzte Spielminute im Duell zwischen den Cincinnati Bengals und den Los Angeles Rams brachte die 23:20-Entscheidung zugunsten der Rams. In einer von Physis und teils auch Härteeinlagen geprägten Partie auf mäßigem Niveau war es das nominelle Auswärtsteam LA, das im eigenen Stadion (der Super-Bowl-Austragungsort wird immer als „neutraler Spielort“ gewertet, Anm.) den besseren Anfang und vor allem das bessere Ende für sich hatte. Nach einer frühen Rams-Führung drehten die „jungen Wilden“ aus „Cincy“ rund um Quarterback Joe Burrow Anfang des dritten Viertels die Partie und hätten wohl auch deutlicher als die zwischenzeitliche 20:13-Führung in Front liegen müssen. Dass dem nicht so war, hatte drei Gründe: eine LA-Defense, die Burrow massiv unter Druck setzte und in der Aaron Donald – der gemeinhin beste Verteidiger der aktuellen Generation – seinem Ruf als Quarterbackjäger einmal mehr gerecht wurde. Eine Offensiv-Achse bestehend aus Quarterback Matthew Stafford und Wide Receiver Cooper Kupp, die in der entscheidenden Phase perfekt harmonierte. Und die Kompensation des Ausfalls von Wide Receiver Odell Beckham Jr., der sich in Viertel 2 schwer am Knie verletzt hatte.
Cincinnatis Chance, erstmals in der 53-jährigen Teamgeschichte auch einen Titel zu gewinnen, wurde erstinstanzlich zwar vertan, wird aber wohl bald wiederkehren. Zu gut sind die Voraussetzungen mit Quarterback Burrow und der Ansammlung an talentierten Spielern um ihn herum.

Die Show

Was traditionell bei keinem Super Bowl fehlen darf, ist das Hochamt des US-Entertainments in Form der Halbzeitshow. Diese wusste 2022 bereits im Vorfeld hohe Wellen zu schlagen, weil erstmals überhaupt Rap-Musik im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens stand. Mit Snoop Dogg, Dr. Dre, Mary J. Blige, Eminem und Kendrick Lamar hatte sich auch das Who-is-Who der Szene angekündigt. Fast wie selbstverständlich wurde das Lineup mit 50 Cent noch um einen weiteren Protagonisten erweitert, die pompöse Show blieb für die allermeisten Beobachterinnen aber hinter den (zu hohen) Erwartungen zurück. Einzig die miserable Sound-Qualität vor Ort dürfte eine Konstante der letzten Jahre sein.

Der Ausblick

Mit dem Konfettiregen, der auf das Spielfeld des „SoFi Stadium“ prasselte, war es sportliche Realität, dass eine ganze Reihe an Karrieren ihre vorläufige Veredelung mit einem Titel erfahren. Donald, Stafford und Kupp dürfen sich fortan gleichermaßen Super Bowl Champions nennen wie auch ein gewisser Andrew Whitworth. Nach dem Rücktritt von Tom Brady ist der „Left Tackle“ der Rams mit 40 Jahren der älteste verbliebene Spieler der NFL. 16 Jahre dauerte es bis zu seinem ersten Championat. Der Rücktritt am Höhepunkt gilt als wahrscheinlich. Währenddessen richtet die Football-Welt ihren Blick bereits auf Phoenix in Arizona. Denn in der Wüste wird im Februar 2023 das nächste Endspiel der NFL ausgetragen. Ganz nach dem Motto: nach dem Super Bowl ist vor dem Super Bowl.

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet u. a. für PULS 24 und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.
Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet u. a. für PULS 24 und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.