„Am Ende bin ich verantwortlich“

Sport / 15.02.2022 • 22:17 Uhr / 7 Minuten Lesezeit

Bulldogs-Coach Kai Suikkanen hat den Vertrag für die neue Saison noch nicht unterschrieben.

Dornbirn Kai Suikkanen, Coach der Dornbirner Bulldogs in der bet-at-home Ice Liga, möchte nichts schönreden und sieht sich als Hauptverantwortlichen für das Verpassen der Play-offs. Ob er Dornbirn weiter als Trainer zur Verfügung steht, ist noch nicht fix. Er hat einen neuen Vertrag noch nicht unterschrieben, wie er den VN im Gespräch bestätigt.

Die Saison der Bulldogs ist Ende Februar zu Ende. Was ist Ihr Ziel mit der Mannschaft in den verbleibenden Spielen?

Suikkanen Wir wollten die Play-off-Teilnahme erreichen, das ist uns nicht gelungen und deshalb wollen wir uns natürlich noch mit möglichst vielen Siegen verabschieden.

Was ist schiefgelaufen bei den Bulldogs in dieser Saison?

Suikkanen Ich war nicht in der Lage, die Mannschaft auf so ein Level zu bringen, dass sie um die Top-10-Plätze mitspielen hätte können. Es wäre zu einfach, wenn ich mich auf irgendwelche Corona-Ausfälle ausreden würde. Es gibt nichts schönzureden und es bringt auch nichts, im Nachhinein einzelne Spieler anzuzählen. Am Ende ist der Trainer dafür verantwortlich, wenn das Saisonziel nicht erreicht wird.

Es ist ehrenwert, dass Sie die Gesamtverantwortung übernehmen. Ist es aber nicht eine sehr einfache Erklärung für das vorzeitige Saison-Aus?

Suikkanen Glauben Sie wirklich, dass meine Situation als Coach in diesem Jahr so einfach war? Ich bin schon lange genug im Geschäft und ich weiß, dass man bei solchen Leistungen nach Sündenböcken sucht. Waren die Torhüter schuld, waren es die Verteidiger oder doch die Stürmer, das wird zu einer endlosen Diskussion, die keinem was bringt. Ich wiederhole mich, die Letztverantwortung trägt der Coach.

Stimmt es, dass Sie Ihren Vertrag verlängert haben?

Suikkanen Nein.

Dann klären Sie uns auf, denn vor kurzem gab es mehrere Meldungen, dass Sie auch in der nächsten Saison die Bulldogs coachen werden.

Suikkanen Es ist richtig, dass ich mit Manager Alexander Kutzer ein gutes Gespräch geführt habe. Er möchte mich als Trainer halten. Ich habe aber noch keinen neuen Vertrag unterschrieben, da gibt es noch einiges zu klären.

Welche Bedingungen haben Sie gestellt?

Suikkanen Schauen Sie, ich bin hier angetreten, um Dornbirn weiterzubringen. Im letzten Jahr ist dies auch gelungen, aber heuer gab es keinen Fortschritt. So gesehen ist mein persönliches Fazit nach zweieinhalb Jahren als DEC-Coach durchwachsen. Sollte ich bleiben, dann muss sich einiges ändern. Darauf möchte ich in der Öffentlichkeit aber nicht weiter eingehen. Ich bin überzeugt davon, dass diese Organisation das Potenzial hat, sich im Mittelfeld der Liga zu etablieren. Ich muss aber auch eingestehen, dass man mehr Zeit dafür braucht.

Das hört sich wiederum nicht so an, als ob Ihre Mission bei den Bulldogs zu Ende wäre?

Suikkanen Die Vorstellungen zwischen dem Verein und mir sind nicht so weit auseinander. Ich denke, in den nächsten Wochen herrscht Klarheit über meine Zukunft.

Sollte es doch nicht mit einer Einigung funktionieren, wäre dies auch gleichzeitig das Ende ihrer Trainerkarriere?

Suikkanen Aktuell ist alles möglich, entweder es geht hier weiter, ich wechsle zu einem anderen Klub oder ich höre auf. Allerdings fühle ich mich noch zu jung, um das Eishockey ganz seinzulassen.

Blicken wir noch einmal zurück auf die letzten Monate, welche Relevanz hat die Goalie-Position bei einem Team wie Dornbirn?

Suikkanen Für mich macht die Torhüterleistung den Unterschied aus, ob man am Ende der Tabelle liegt oder ob man um die Play-offs mitspielt. Gerade für Mannschaften, die nicht ständig im Puck-besitz sind, ist der Goalie enorm wichtig. Das heißt nicht, dass bei den Bulldogs in dieser Saison schlechte Torhüter gespielt haben.

War es richtig, am Saisonbeginn auf ein rein österreichisches Torhüterduo zu setzen?

Suikkanen Wir hatten und haben zu wenig österreichische Spieler im Kader, da war die Lösung mit den zwei heimischen Schlussmännern naheliegend. So hatten wir einen Platz für einen weiteren Legionär. Es war Pech, dass Lukas Herzog nicht mehr weiterspielen konnte und seine Karriere beenden musste.

Dafür gab der 20-jährige Felix Beck bei seinen sieben Erstliga-Einsätzen eine Talentprobe ab. Was trauen Sie ihm zu?

Suikkanen Meiner Meinung nach kann er einer der Topgoalies in dieser Liga werden. Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird, aber er hat einen großen Sprung gemacht. Was ihn auszeichnet, ist seine Konstanz, das ist für dieses Alter nicht üblich.

Neben all den sportlichen Herausforderung war wohl die Corona-Situation eine besondere Belastung. Wie haben Sie dies erlebt?

Suikkanen Ich lebe allein hier und es war schon ziemlich herausfordernd mit all diesen Beschränkungen. Ich kam am Morgen in die Eishalle und verließ sie am Abend wieder. Danach war mir oft sehr langweilig, denn ständig Bücher lesen oder Filme anschauen, ist irgendwann keine Option mehr.

Lassen Sie uns abschließend noch kurz über die Olympischen Spiele sprechen. Sie haben 1988 mit dem finnischen Eishockeyteam die Silbermedaille gewonnen. Welche Bedeutung hat diese Medaille heute noch für Sie?

Suikkanen Ich glaube, es gibt für einen Sportler nichts Größeres, als bei Olympia am Treppchen zu stehen. Speziell war auch der Umstand, dass es die erste Medaille für das finnische Nationalteam war. In meiner eishockeyverrückten Heimat ist dieser historische Moment alle vier Jahre wieder ein Thema. ABR