Mixed Zone mit Egon Theiner: Bing Dwen Dwen

Sport / 15.02.2022 • 15:15 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mixed Zone mit Egon Theiner: Bing Dwen Dwen
Das Maskottchen der Winterspiele ist ein gefragtes Präsent. Theiner

Meine Arbeitskollegin ist sauer. „Am Anfang der Spiele habe ich meine Verwandten und Freunde gefragt, ob sie ein Maskottchen der Spiele, Bing Dwen Dwen, haben möchten. Niemand war interessiert. Und jetzt bekomme ich Anfragen ohne Ende.“


Bing Dwen Dwen hat sich innerhalb einer Woche zum Star der Spiele gemausert. Nicht nur, dass der Panda zusammen mit dem chinesischen Laternenkind Shuey Rhon Rhon (für die Paralympics) großflächig zu sehen ist – es gibt ihn auch als Schlüsselanhänger, Rucksack- oder Gepäckanhänger, als Tischschmuck ohnehin. Bei der sogenannten „Venue Ceremony“, wo die Medaillengewinner an der Wettkampfstätte auf das Podest geholt werden, werden drei Bing Dwen Dwen mit farblich entsprechenden Lorbeerkränzen den Erstplatzierten überreicht.
Das (menschliche) olympische Maskottchen gehört auch zum Unterhaltungsprogramm an der Wettkampfstätte und unterhält in den Pausen die Hundertschaft an erlaubten Zuschauern, so, wie man es eben von Fußballstadien in Europa oder Basketballarenen in Nordamerika auch gewohnt ist.
Wörtlich übersetzt steht Bing Dwen Dwen für Eis und, nun ja, sagen wir: Übergewicht. Im übertragenen Sinn steht das Maskottchen für Reinheit, Stärke, Robustheit, Leben. Und in ganz weitem Sinne auch für Kinder. Somit sind alle Schlagworte vereint, um eine Figur zum Symbol der Spiele werden zu lassen.
„Wenn dir ein Panda bei der Pressekonferenz übrig bleibt, bringst du ihn mir dann mit?“, fragte mich dieser Tage mein Neffe aus Südtirol, selbst begeisterter und erfolgreicher Skilangläufer. In Pyeongchang vor vier Jahren hatte ich tatsächlich ein solches Präsent, das damals der weiße Tiger Soohorang hieß, für ihn abgestaubt. Doch hier in Zhangjiakou bleibt, zumindest bislang, nichts liegen. Derweil steigen die Preise. Weil es Bing Dwen Dwen-Lieferengpässe gibt, wird ein mittelgroßer Panda auf chinesischen Verkaufsplattformen bereits um bis zu 2000 Yuan, also knapp 300 Euro, angeboten.
Und auch die Freunde und Verwandten meiner Arbeitskollegin müssen warten –und gehen vielleicht leer aus.

Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Winterspielen für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations. Er ist Verleger (www.egoth.at) und Autor.
Der Südtiroler Egon Theiner (53) arbeitet bei den Winterspielen für das chinesische Organisationskomitee im Bereich Media Operations. Er ist Verleger (www.egoth.at) und Autor.