Olga Mikutina hat geliefert

Sport / 15.02.2022 • 20:30 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Olga Mikutina hat geliefert
Olga Mikutina qualifizierte sich mit neuer Saisonbestleistung für die Kür am Donnerstag. Reuters

Mit Platz 18 qualifizierte sich die Eiskunstläuferin aus Feldkirch beim Olympia-Bewerb in Peking souverän für die Kür.

Peking Olga Mikutina hat geliefert. Bei ihrem Olympiadebut zeigte die 18-jährige aus Feldkirch ein sauberes Kurzprogramm und hat sich damit als 18. des ersten Wettkampfteils sicher für das Kür-Finale am Donnerstag qualifiziert.

Beim erst vierten großen Championat ihrer jungen Karriere präsentierte sich die gebürtige Ukrainerin bemerkenswert routiniert und ließ, obwohl mit der ungünstig frühen Startnummer drei ausgelost, von Anfang an nicht den geringsten Zweifel daran aufkommen, dass sie sich für das Finalfeld der 24 besten Läuferinnen qualifizieren wird.

„Mit jedem großen Wettkampf wächst logischerweise auch die Routine. Je mehr solche Wettbewerbe man läuft, desto entspannter und ruhiger ist man. Das konnte ich heute schon spüren. Mit jedem Wettkampf werde ich weniger aufgeregt“, freute sich Mikutina. „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Es war toll, hier laufen zu dürfen. Ich habe die Unterstützung gespürt und konnte diesen Moment genießen.“

Schwarzes Kleid, rot und dezent lila abgesetzt mit silber-glitzernden Pailletten, so glänzte Olga Mikutina schon beim Einlaufen im riesigen, aber nur mit etwa 1000 zugelassenen Zuschauern besetzten Capitol Indoor Stadium in Peking, in dem sich bei den Sommerspielen 2008 die brasilianischen und US-amerikanischen Volleyballer sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern packende und unvergessene Finalduelle geliefert hatten.

Frühe Startnummer als Nachteil

Sprungkraft dominiert auch bei den Winterspielen 2022 in der riesigen Halle, diesmal aber zusammen mit Musikalität und Eleganz. Zwei Stärken, mit denen Olga Mikutina besonders glänzen kann. Und auch die Sprünge gelangen bei Teil eins ihres Olympiaauftritts wie geplant. Der Sprungkombination Dreifach-Flip / Dreifach-Toeloop zum Auftakt folgten etwas verhalten dann der Doppel-Axel und ein sauberer Dreifach-Lutz mit, als besonderer Schwierigkeit, den Armen über dem Kopf. Nur wenige Läuferinnen im Feld der 30 Starterinnen zeigten mehr. Ganze sieben von ihnen wollten den Axel dreifach springen. Den wenigsten gelang das.

Mit 61,14 Punkten stelle die WM-Achte des Vorjahres eine neue Saison-Bestleistung auf, was nach langer Verletzungspause, verkürzter Saisonvorbereitung und dadurch bedingt wenigen Wettkämpfen auch notwendig war, um im Konzert der Großen weiter mitspielen bzw. mitlaufen zu dürfen. Dabei hätte Olga Mikutina viel mehr verdient und hätte vermutlich auch mehr bekommen, wenn sie nicht mit der frühen Startnummer drei ausgelost worden wäre und entsprechend zeitig aufs Eis musste. Sie selbst wollte dem gar nicht so viel Bedeutung beimessen. „Am Ende müssen alle aufs Eis, egal mit welcher Nummer.“ Ganz egal war es letztlich doch nicht.

Wie viel die Startnummer im Eiskunstlauf immer noch ausmacht, zeigte sich eine Stunde nach dem Lauf von Olga Mikutina. Die Georgierin Anastasia Gubanowa zeigte nach den technischen Elementen ein nahezu identisches Programm, allerding bei weitem nicht mit dem tänzerischen Vermögen und der Eleganz der Feldkircherin, und bekam dafür, halt eine Läufergruppe später, fast fünf Punkte mehr als Mikutina. Und die ihr folgende US-Meisterin Mariah Bell konnte sich, bei ebenfalls identischem Programm, sogar einen Sturz beim Dreifach-Toeloop ihrer Sprung-Kombination leisten und trotzdem ebenfalls fast fünf Punkte mehr auf dem Konto buchen. Mit einer solchen auch für ihr Programm verdienten Wertung hätte Mikutina für die Kür sogar an einem Startplatz in den beiden letzten beiden Gruppen der besten zwölf Läuferinnen gekratzt. Für sie spielte das in den Momenten nach ihrem Olympia-Kurzprogramm mit einem Blick auf den Saisonbeginn kaum eine Rolle.

Startnummer sieben in der Kür

So ist es für Olga mit Platz 18 nach dem Kurzprogramm für die Kür jetzt die Startnummer sieben – das allerdings auch mit nur rund fünf Punkten Abstand zu Platz elf. Das entspricht in der Kür einem einzigen gelungenen Sprung. „Wenn ich darauf schaue, wie meine Saison begonnen hat, dann ist jetzt ein großer Fortschritt zu sehen und ich bin zufrieden, wie sich nach der langwierigen Verletzung meine Form jetzt entwickelt hat. Ich konnte in den vergangenen Wochen richtig gut aufholen. Ich bin momentan gesund und fit und konnte die letzten Wochen gut trainieren.“

Überschattet wurde der Wettbewerb vom Skandal um das „Wunderkind“, Europameisterin Kamila Walijewa aus Russland – und das gleich im doppelten Sinne. Die 15-Jährige durfte nach ihrer positiven A-Doping-Probe von den russischen Meisterschaften in St. Petersburg trotzdem in Peking starten, was viele schon als Affront empfanden. Man darf davon ausgehen, jede Läuferin aus einem anderen Land wäre sofort gesperrt worden. Olga Mikutina versuchte, sich mit diesem Thema nicht zu beschäftigen und sich auf den eigenen Auftritt zu konzentrieren. „Natürlich ist es für alle Athleten wichtig, die im Wettkampf gegeneinander antreten, dass wir einen sauberen Sport haben. Jeder, der hier antritt, sollte sauber sein“, war das einzige, was sie sich zum Reizthema entlocken ließ.

Der zweite Teil des Skandals betrifft die unverschämt hohe Wertung, die Walijewa trotz ihres schweren Patzers beim Dreifach-Axel erhielt. Mit 82,16 Punkten führt sie vor ihren ebenfalls von der umstrittenen Trainerin Eteri Tutberize betreuten Vereinskolleginnen Anna Cherbakova und Alexandra Trusova, zwischen die sich auf Platz drei noch die als letzte laufende Kaori Sakamoto aus Japan schieben konnte. Der Punkteskandal aber sind die rund neun Punkte Vorsprung (davon allein fünf Punkte mehr im Wert für die technischen Elemente) vor der Japanerin Higuchi Watabe auf Platz fünf, die (eine Gruppe vorher laufend) alle Elemente, inklusive Dreifach-Axel auf das Eis brachte.

Mikutina versucht, sich von diesen Dingen nicht beeinflussen zu lassen. „Ich konzentriere mich auf mich selbst und es spielt für mich keine Rolle, was um mich herum passiert.“ Hoffen wir, dass ihr das auch in der Kür am Donnerstag gelingt.

Friedbert Raulf, Peking