„Papa, jetzt sind wir mit den Medaillen gleichauf“

Sport / 16.02.2022 • 22:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Papa, jetzt sind wir mit den Medaillen gleichauf“
Gold und Silber lieb ich sehr! Johannes Strolz zeigt stolz seine bisherige Ausbeute von den Olympischen Spielen. Reuters, AP, GEPA

Johannes Strolz holte bei den Olympischen Winterspielen in Peking Silber im Slalom. Nur Clement Noel carvte schneller.

Yanqing Österreichs alpiner Superstar bei den Olympischen Winterspielen in Peking heißt Johannes Strolz. Der 29-Jährige aus Warth gewann nach der Goldmedaille in der Kombination auch Silber im Slalom. „Gold habe ich schon geholt gehabt. Somit habe ich gewusst: wurscht, was ich mache, ich fahre hier als Sieger weg.“ Strolz dachte nach dem Torlauf in Yanqing nicht einen Moment über Gold nach, das sich Clement Noel mit 0,61 Sekunden Vorsprung nach einem fulminanten zweiten Durchgang abholte.

Strolz auf den Schultern von Michael Matt und Marco Schwarz, das ÖSV-Team feiert.
Strolz auf den Schultern von Michael Matt und Marco Schwarz, das ÖSV-Team feiert.

„Überraschend wenig nervös“

Den Grundstein für seine Silberne legte Johannes mit der Bestzeit im ersten Durchgang. In 53,94 lag er mit zwei bzw. sechs Hundertstel Vorsprung auf Henrik Kristoffersen und Sebastian Foss-Solevaag in Führung, Noel lauerte mit 38 Hundertstel dahinter. „Ich habe mich einfach auf meine Sachen konzentriert. Ich weiß, dass ich ein super Material hab“, sagte Strolz nachher. „Stefan Böhler hat mir den Belag gemacht, die Kanten habe ich wieder selber gerichtet.“ Er sei vor dem zweiten Durchgang „überraschend wenig nervös“ gewesen. „Ich glaube, dass ich zur Zeit sehr viel Freude am Skifahren habe.“ Und Papa Hubert Strolz, der in Calgary vor 34 Jahren neben Kombi-Gold Silber im Riesentorlauf nach Hause brachte richtete Johannes aus: „Ja Papa, jetzt sind wir medaillenmäßig gleichauf bei Olympia.“

Geschichte wiederholt sich

Johannes Strolz im Medaillenjubel<p class="caption"><p class="caption"><p class="caption">
Johannes Strolz im Medaillenjubel

Er war vom Goldtriumph in der Kombination beflügelt, so Strolz. „Auch mit der Vorgeschichte vom Papa. Ich dachte mir aber, was willst du noch mehr? Alles was kommt, kann nur noch eine Draufgabe sein.“ Dass er wie Vater Hubert 1988 nun bei Olympia Gold und Silber gewann, sei ein Traum. „Einige Personen aus meinem Umfeld haben mir schon vor der Kombi gesagt, wirst sehen, das wird super, die Geschichte wiederholt sich. Ich habe mir gedacht, Leute, ich weiß, es ist alles möglich, aber langsam. Und nun ist es soweit. Ich hatte immer große Hochachtung vor Papa, dass er die Medaillen in Calgary erkämpft hat.“

Sicher in der Spur. Johannes Strolz tanzte bei den Winterspielen im Slalom zur Silbermedaille.
Sicher in der Spur. Johannes Strolz tanzte bei den Winterspielen im Slalom zur Silbermedaille.

„Das ist eine großartige Leistung“, konstatierte Herren-Rennsportleiter Andreas Puelacher. „Er war so locker vor dem ersten Lauf und vor dem zweiten auch noch. Der Bursche hat gezeigt, dass er Nerven aus Drahtseilen hat.“ Johannes hatte nach dem Slalomsieg in Adelboden sogar die Nerven, einen Startplatz in der Kombination abzulehnen. „Ich habe ihn angerufen, und gesagt: Wir brauchen dich in der Kombination, überlege dir das. Du musst eine Abfahrt fahren, für die Startberechtigung brauchst du FIS-Punkte. Zuerst hat er Nein gesagt. Vater Hubsi hat ihn dann aber überredet. Er ist die Europacupabfahrt in Tarvis gefahren und hat sich die Startberechtigung geholt.“

„Personen aus meinem Umfeld haben mir vor der Kombi gesagt: Du wirst sehen, das wird super, die Geschichte wiederholt sich.“

Strolz sei als Athlet leicht zu führen. „Er braucht relativ wenig Feedback, spürt sich selbst sehr gut beim Skifahren“, beschreibt Puelacher den Europacupsieger aus der Saison 2017/18. „Er kann nach einem Lauf sehr gut analysieren, was er besser machen muss.“ Mit Kombigold wäre es leichter gewesen, dem nervlichen Druck Stand zu halten. Allerdings sei er auch noch nie in einem Slalom in Führung gelegen. Puelacher: „In den kühnsten Träumen hätte ich nicht geglaubt, dass er mit Gold und Silber nach Hause fährt, das ist eine großartige Leistung. Und vielleicht macht er im Team ja auch noch eine. Das wäre ein Wahnsinn.“

Klettern, heuen und holzen

Zuzutrauen ist es dem ruhigen Polizeisportler allemal. Die Familie mit Vater Hubert, Mutter Birgit, Schwester Anna-Maria, Freundin Sabrina, aber auch der künftige Schwager Martin Bischof, ein ehemaliger Europacupfahrer, sind die Kraftquellen zu Hause: „Es gibt noch mehr im Leben als Rot, Blau und Vollgas. Natürlich ist es mein Traumberuf und das Schönste für mich, aber ich habe genau so viel Freude, wenn ich daheim mit meiner Freundin langlaufen gehe oder klettern oder mit dem Papa in der Landwirtschaft Arbeiten mache. Wenn ich mit ihm beim Heuen bin oder im Wald beim Holzen.“

Fünfte Medaille für Vorarlberg

Für Vorarlberg war das Slalom-Silber von Johannes Ewald Strolz, den zweiten Vornamen hat er von seinem im Vorjahr verstorbenen Großvater bekommen, die fünfte Medaille bei den Winterspielen. Nach seinem Gold im Kombinationsbewerb, Gold von Snowboarder Alessandro Hämmerle, Silber durch Katharina Liensberger im Torlauf und Thomas Steu zusammen mit Lorenz Koller, der Bronze errodelte. VN-KO

Zur Person

Johannes Ewald Strolz

gewann bei den Winterspielen in Peking nach Gold in der Kombination Silber im Slalom

Geboren 12. September 1992 in Bludenz

Wohnort Warth

Größe/Gewicht 1,86 m/90 kg

Familienstand Freundin Sabrina

Familie Vater Hubert, Mutter Birgit, Schwester Anna-Maria

Verein SC Warth

Ski/Schuhe/Bindung Head

Hobbys Klettern, Fußball, Radfahren

Beruf Polizeisportler

Größte Erfolge

Olympia: Gold Kombination 2022 Peking, Silber Slalom 2022 Peking

Weltcup: 1 Sieg Slalom Adelboden 2022

Junioren-WM: Bronze Super-G 2012

Besonderheit

Strolz ist der Sohn von Hubert Strolz (1988 Olympiasieger in der Kombination und Olympiazweiter im Riesentorlauf)