Das „vergoldete“ Klassentreffen

Sport / 21.02.2022 • 21:09 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Skispringer Stefan Kraft (l.) und Daniel Huber waren Klassenkameraden.
Die Skispringer Stefan Kraft (l.) und Daniel Huber waren Klassenkameraden.

Innerhalb von vier Tagen holten vier ehemalige Stams-Schulkollegen Goldmedaillen.

WArtH Johannes Strolz hat in den 98 Jahren Olympischer Winterspiele Geschichte geschrieben, als er 34 Jahre nach seinem Vater Hubert ebenfalls Gold und Silber gewann. Im Teambewerb übertraf er zum Abschluss der Spiele von Peking seinen Vater und machte sich mit der zweiten Goldmedaille zum erfolgreichsten Vorarlberger Olympiateilnehmer aller Zeiten. Es waren nicht die einzigen Highlights, an denen der 29-jährige Warther beteiligt war, denn die Spiele von Peking hatten noch eine weitere Einzigartigkeit zu bieten.

Glanzlicht für Stamser Schule

So einmalig der Familienerfolg von Vater und Sohn ist, so einzigartig strahlt auch die Bilanz des längst weltberühmten Skigymnasiums Stams: Binnen vier Tagen durften sich gleich vier ehemalige Klassenkameraden der Tiroler Medaillenschmiede Goldmedaillen umhängen lassen.

Es begann mit dem Kombi-Triumph von Johannes Strolz, dessen Jubel kaum verhallt war, als Alessandro „Izzi“ Hämmerle mit seiner Snowboard-Goldfahrt nachlegte. Vier Tage später flog schließlich auch noch das rot-weiß-rote Adler-Quartett mit den beiden Stamsern Stefan Kraft und Daniel Huber zum Gold.

Das Unglaubliche dabei: Alle vier sind im gleichen Alter, Strolz ist mit Geburtsdatum 12. September 1992 knapp der älteste, Daniel Huber – geboren am 2. Jänner 1993 – nur unwesentlich jünger, und auch Stefan Kraft – 13. Mai 1993 – und Hämmerle – 30. Juli 1993 – sind nahe dran. Nahe genug, dass es in Peking ein „Klassentreffen“ hätte werden können, wenn da nicht die Trennung der verschiedenen Dörfer gewesen wäre.

Diese außergewöhnlichen organisatorischen Rahmenbedingungen haben verhindert, dass die Olympiasieger in drei verschiedenen Disziplinen gemeinsam feiern durften.

Die Klassenkameraden Huber und Kraft konnten einander wenigstens gratulieren, Hämmerle war beim Feiern „allein zuhause“, und bei Johannes Strolz stellten sich neben seinem Klassenkameraden Linus Strasser aus Bayern auch noch Manuel Feller, der in Stams die Skihandelsschule absolvierte, „live“ zum Gratulieren ein. Trainingskollege und Freund von Johannes Strolz, Linus Strasser, stand mit der silbernen DSV-Mannschaft am Schlusstag der Spiele sehr zur Freude des Warthers mit ihm auf dem Podest. Und nicht nur der silberne Strasser jubelte mit seinem Stams-Kumpel Strolz: Auch Michael Matt gehört dem „Stamser Wunderteam“ an. Der am 13. Juli 1993 geborene Flirscher stand 2011 ebenso wie Strolz, Kraft & Co. vor seinem Schulabschluss. Die einige Jahre jüngere Katharina Liensberger hat schließlich im Schuljahr 2011/12 mit dem Studium in Stams begonnen.

Gesamtbilanz aufpoliert

Die Goldmedaillen der Salzburger Huber und Kraft sowie der beiden Vorarlberger hat auch die Gesamt-Medaillenbilanz des Stamser Gymnasiums ordentlich aufpoliert – und am Schlusstag legte Michael Matt sogar noch nach, ebenso wie Katharina Liensberger, die ein paar Jahre später die Schulbank der Tiroler Medaillenschmiede drückte.

Dazu ein kleines, lustiges Detail am Rande: Wenn die Eidgenossen den Montafoner Alessandro Hämmerle als einen der ihren reklamieren, weil er in Frauenfeld geboren ist, dann könnte das Ländle im Gegenzug Michael Matt als Vorarlberger beanspruchen – der in Tirol aufgewachsene und dort lebende Matt kam nämlich am 13. Mai 1993 in Bludenz zur Welt.

Musterschüler Johannes Strolz

Der Doppel-Olympiasieger aus Warth war übrigens nicht nur auf den Skipisten ein Aushängeschild der Stamser Schule. In einer Publikation aus dem Jahre 2018 findet sich jedenfalls ein bemerkenswerter Eintrag: „Eine äußerst positive Entwicklung zeigte Johannes Strolz (Student of the year 2012). Er sicherte sich den Europacup- Gesamtsieg und wird somit in der kommenden Saison im Weltcup mit einem fixen Startplatz vertreten sein.“

Highlight der Schulgeschichte

Die unglaublichen Erfolge ehemaliger Schulkollegen, die vor zehn, fünfzehn Jahren gemeinsam das Gymnasium besuchten, ist ein absoluter Höhepunkt in der Schulgeschichte, die vor mehr als 50 Jahren begann.

1967/68 wurde das Projekt Skigymnasium gestartet. Der Sportzweig begann als Schulversuch mit 25 Burschen – durchwegs Alpinskisportler – am Oberstufenrealgymnasium Meinhardinum Stams. In den ersten Jahren war Geduld gefragt, spektakuläre Erfolge ließen auf sich warten und 1974 drohte dem Schulversuch deshalb das Aus.

Preiml als „Retter“

Wäre da nicht Baldur Preiml gewesen. 1970 war er als Lehrer an die Schule gekommen, und die sensationellen Erfolge der „Preiml-Adler“ um den Vierschanzentournee-Sieger Willi Pürstl, Karl Schnabl, Toni Innauer & Co. retteten das Skigymnasium, das schon ein Jahr später mit Schnabl (vor Innauer) den ersten Olympiasieger stellen konnte. 1980 legte Innauer nach, und bei den folgenden Winterspielen sammelten Stams-Absolventen fleißig weiter Medaillen, so dass anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der Schule eine Ehrentafel mit 23 Olympiasiegerinnen und -siegern enthüllt werden konnte. Allein heuer kam ein weiteres halbes Dutzend hinzu.

Vorarlberg war hier schon bisher mit Anita Wachter, Toni Innauer, Hubert Strolz, Patrick Ortlieb und Mario Reiter gut vertreten – und jetzt gesellen sich noch Strolz, Hämmerle und Liensberger dazu. STP

Beim Slalom in Adelboden standen Johannes Strolz und Linus Strasser zusammen am Podest. In Stams drückten sie beide die Schulbank.gepa
Beim Slalom in Adelboden standen Johannes Strolz und Linus Strasser zusammen am Podest. In Stams drückten sie beide die Schulbank.gepa
Auch SBX-Olympiasieger Alessandro Hämmerle war in der „Goldklasse“.
Auch SBX-Olympiasieger Alessandro Hämmerle war in der „Goldklasse“.