Der Sport tut sich mit Russland schwer

Sport / 22.02.2022 • 22:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Stadion von St. Petersburg, in dem 2022 das Champions-League-Finale stattfinden sollte, hört auf den Namen „Gazprom-Arena“.GEPA
Das Stadion von St. Petersburg, in dem 2022 das Champions-League-Finale stattfinden sollte, hört auf den Namen „Gazprom-Arena“.GEPA

Es gibt weiter enge Verbindungen. Doch der Druck wächst.

Schwarzach Millionenschwere Sponsorings, extreme Nähe zu den Spitzenverbänden – und sogar die Austragung von Großereignissen wie das diesjährige Champions-League-Finale: Russlands Einfluss auf die Welt des Profisports ist riesig. Während die Politik nach dem russischen Einmarsch in die Ostukraine noch gestern, Dienstag, empfindliche Sanktionen verhängte, tut sich der Sport (noch) schwer.

„Die UEFA beobachtet die Situation ständig und genau“, teilte der Fußball-Kontinentalverband am Dienstag mit. Zurzeit gebe es zwar „keine Pläne, den Austragungsort zu ändern“, ausgeschlossen ist eine Verlegung des Königsklassen-Endspiels am 28. Mai in St. Petersburg nach verschiedenen Medienberichten allerdings nicht. Der Konflikt besitzt höchste Priorität in der Zentrale in Nyon – und der Druck auf die UEFA steigt weiter.

Auch im Ausland sind die Diskussionen in vollem Gange. In Großbritannien etwa sprach der konservative Abgeordnete Tom Tugendhat mit Blick auf das Königsklassen-Finale von einer „beschämenden Entscheidung. Die UEFA sollte einer gewalttätigen Diktatur keinen Schutz bieten“, schrieb er bei Twitter. „Damit Sanktionen gegen Russland wirksam sind, müssen sie Russland vor allem wehtun“, sagte Philipp Hartewig, sportpolitischer Sprecher der FDP in Deutschland. Am Beispiel Fußball sehe er „auch klar“ die UEFA um ihren Präsidenten Aleksander Ceferin „in Verantwortung“. Und die sportpolitische Sprecherin der SPD, Sabine Poschmann, legte mit einer Forderung nach: „Die UEFA ist aufgefordert, das Finale in ein anderes Land zu verlegen.“ Wenn Russland Völkerrecht „vorsätzlich bricht“, ergänzte sie, „muss Russland auch mit den Konsequenzen leben.“

Dass kurzfristige Verschiebungen durchaus möglich sind, zeigt der Blick zurück. Im vergangenen Jahr war das Endspiel von Istanbul nach Porto verlegt worden, 2020 organisierte die UEFA aufgrund der Corona-Pandemie ein Finalturnier in Lissabon. So standen bei der UEFA bereits erneute Gespräche über das Vorgehen an, doch die Verbindungen nach Russland sind eng und die wirtschaftliche Abhängigkeit riesig.

Erdgasunternehmen im Fokus

Seit Jahren pflegt nicht nur die UEFA eine lukrative Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern Gazprom. Der Energiegigant gehört in vielen Sportarten längst zu den Topsponsoren – im Fußball etwa für die Champions League, die EM im vergangenen Jahr oder die Nations League. Dazu sitzt Alexander Djukow, der Vorstandschef der Tochtergesellschaft Gazprom, Neft im UEFA-Exekutivkomitee.

Forderungen nach Reaktionen des Sports auf das politische Weltgeschehen sind keineswegs neu. „Jedes internationale Sportereignis legitimiert und zementiert die Macht von Putin“, hatte Viola von Cramon, Europa-Abgeordnete der deutschen Grünen, zuletzt gesagt. „Dabei müsste er als Aggressor mit seiner Politik der Desinformation und Destabilisierung international isoliert werden.“

Zumal Putin mit der Eskalation in der Ostukraine zum wiederholten Mal rund um Olympische Spiele militärische Maßnahmen ergriff. Bereits während der Sommerspiele von Peking 2008 hatte er mit Waffengewalt in den Georgien-Konflikt (2008) eingegriffen. Sechseinhalb Jahre später annektierte er begleitet von einem großen internationalen Aufschrei die Krim (2014).

„Wir beobachten die Situation ständig. Zurzeit gibt es keine Pläne, den Ort zu ändern.“