Fußball zeigt Putins Russland Rote Karte

Sport / 27.02.2022 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Everton-Spieler zeigen vor dem Spiel gegen Manchester City Flagge.ap
Everton-Spieler zeigen vor dem Spiel gegen Manchester City Flagge.ap

Breite Boykottfront in den WM-Play-offs: Polen, Schweden und Tschechien spielen nicht gegen Russland.

Schwarzach Genug der Worte, es ist Zeit zu handeln“, sagte Polens Verbandspräsident Cezary Kulesza: „Aufgrund der Aggression Russlands in der Ukraine plant Polen, nicht gegen die russische Mannschaft anzutreten. Das ist die einzig richtige Entscheidung.“ Auch Schweden und Tschechien kündigten einen Boykott der möglichen Partie gegen die Russen an.

In fast allen Stadien in Europa demonstrierten Spieler und Fans gegen Putins Angriffskrieg und bekundeten Solidarität mit der Ukraine. Der Fußball zeigt aber nicht nur Solidarität, sondern wendet sich immer mehr von Russland ab, während Putins Truppen in der Ukraine weiter vorrücken. Im Hintergrund scheint die UEFA bereits an einer großen Entscheidung zu arbeiten, während sich der Weltverband FIFA auffallend zurückhält.

UEFA will Sponsor los werden

Die Europäische Fußball-Union ist offenbar gewillt, die Trennung vom russischen Großsponsor Gazprom durchzuziehen. Laut der englischen „Times“ wird an einer Auflösung des millionenschweren Vertrags gearbeitet. Schon am Freitag hatte der europäische Dachverband das Champions-League-Finale am 28. Mai von St. Petersburg ins Stade de France nach St. Denis verlegt. Die UEFA würde mit der Trennung von Gazprom wirtschaftlich durchaus ein großes Opfer bringen. Die seit zehn Jahren bestehende Zusammenarbeit läuft noch bis 2024, die EM-Endrunde in Deutschland eingeschlossen. Schätzungen zufolge kassierte die UEFA bislang zwischen 40 und 48 Millionen Euro pro Jahr von dem Gaskonzern.

Unterstützung für Schalke

Zweitligist Schalke 04 hatte schon am Donnerstag entschieden, den Schriftzug des Großsponsors Gazprom vom Trikot der Königsblauen zu entfernen. Beim 1:1 in Karlsruhe traten die Knappen stattdessen mit „Schalke 04“ auf der Brust an.

Möglicherweise gibt es sogar eine Finanzhilfe von der Liga für die Königsblauen, um den Verlust auszugleichen. DFB-Interims-Präsident Hans-Joachim Watzke, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Klubchef von Borussia Dortmund, hatte eine Unterstützung der anderen Klubs für Schalke ins Gespräch gebracht. Er sei sehr froh, betonte Watzke, dass die neue Schalker Führung „jetzt klar Haltung beweist“. Diese könne „am Ende nur darin münden, denke ich mal, dass man dieses Sponsoring beendet“. Der einstige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig brachte unterdessen eine „Demokratie- und Friedensabgabe“ des deutschen Profifußballs ins Gespräch. „Angesichts der schwindenden gesellschaftlichen Akzeptanz des Fußballs wäre das aus meiner Sicht ein guter Schritt, um ein Zeichen zu setzen“, sagte der 58-Jährige.

Auf dem Weg nach Rumänien befinden sich nunmehr jene brasilianischen Fußballer, die zuletzt in einem Bunker eines Hotels in Kiew Zuflucht gesucht haben. Marlon Santos von Schachtjor Donezk und weitere Spieler verließen die ukrainische Hauptstadt mit ihren Familienmitgliedern – insgesamt 40 Menschen – mit dem Zug Richtung Czernowitz im Westen der Ukraine. Von dort soll es mit dem Bus über die Grenze gehen.

In London hat der russische Oligarch Roman Abramowitsch in einem Schreiben die Verantwortung beim englischen CL-Sieger Chelsea an die Treuhänder der wohltätigen Stiftung des Klubs übergeben. Ein kompletter Rückzug ist das – zumindest vorerst – nicht. Abramowitsch bleibt vorerst Klub-Eigentümer. Der Russe, seit 2003 bei Chelsea, war wegen seiner Nähe zu Wladimir Putin zusehends in die Kritik geraten.

„Russlands Fußballer und Fans sind nicht verantwortlich für die Kriegstreiberei Putins. Aber wir können nicht so tun, als ob nichts passiert ist.“

Das Stadion von Eintracht Frankfurt erstrahlte vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern als Zeichen der Solidarität in Gelb.ap
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