Zu wenig Zugriff

Sport / 28.02.2022 • 19:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Zu wenig Zugriff

Altachs Matchplan gegen die Admira war bereits nach acht Minuten auf den Kopf gestellt. Eine unkontrollierte Attacke im Strafraum brachte die Hausherren nach einem verwandelten Strafstoß früh in Rückstand. Doch die Admira wirkte für mich bereits vor dem Führungstor engagierter, zeigte eine klare Spielanlage und hätte danach bei besserer Torausbeute höher führen können. Altach dagegen agierte unsicher, machte in der Startphase viele Abspielfehler und fand keine Lösungen im Spiel nach vorne. Es fehlte in dieser Phase nicht nur das Selbstvertrauen, sondern auch der Zugriff in allen Formationen.

Ehrlich, ich fragte mich zu diesem Zeitpunkt, wie diese Mannschaft derzeit mental überhaupt ein Spiel in der Bundesliga gewinnen kann.

Trainer Ludovic Magnin vertraute in diesem Keller-Duell seinem System und ließ wie in den letzten beiden Spielen in einer 4-2-3-1-Grundordnung spielen. Bereits in den ersten Aktionen war jedoch zu spüren, dass die Admira keineswegs gewillt war, sich zu verstecken. Deren Coach Andreas Herzog ließ seine Elf ebenfalls in einem 4-2-3-1 agieren. Die Rheindörfler versuchten zu Beginn der Partie die Räume eng zu machen, doch der Admira gelang es, mit ihren schnellen Spielverlagerungen die Altacher in ihrer Kompaktheit immer wieder auseinanderzuziehen. Altachs Spieler waren immer einen Schritt zu spät, der Zugriff auf den Gegenspieler fehlte. Es passierte auch kein Tempowechsel, um die Admira zu stören bzw. vom Ball zu trennen. Für mich standen die beiden „Sechser“ Stefan Haudum und Bakary Nimaga zu tief, direkt vor der eigenen Vierer-Abwehrkette. Die Distanz zur vorderen Mittelfeldreihe war zu groß, und dadurch ging die Kompaktheit im Zentrum verloren. Weiters vermisste ich das Altacher Umschaltspiel nach Ballgewinn. Auffallend zudem: Im Spielaufbau wird oft in die Breite gespielt, das vertikale Spiel zwischen den Linien ist kaum zu sehen. Nur die mangelnde Effizienz der Niederösterreicher und Altachs Torhüter Tino Casali hielten die Gastgeber vor der Pause im Spiel. Der verschossene Elfmeter von Atdhe Nuhiu passte in der ersten Halbzeit zum momentanen Bild der Altacher.

Das Aufbäumen von Zwischenbrugger und Co. nach dem Seitenwechsel war sichtbar, spielerisch aber zu wenig, um die Partie zu drehen. Vor allem in der Offensive fehlten zündende Ideen bzw. die Momente, die die Fans von den Sitzen reißen. Viel zu oft waren es Zufallsprodukte, die zu Altacher Chancen führten. Bezeichnend die Entscheidung in diesem Spiel: Ein Konter über Altachs Flügelspieler Dominik Reiter blieb in der Admira-Abwehr stecken. Im Gegenzug „vernaschte“ Admira-Angreifer Marlon Mustapha zwei Altacher Verteidiger und erzielte eiskalt das 2:0.

Mein Fazit: Altachs Schonfrist ist vorbei. Die Spieler müssen endlich aus ihrer Komfortzone heraus. Auch der Trainerstab ist gefordert, neue Impulse zu setzen. Die Admira hat es vorgemacht, wie man mit einfachem Fußball und etwas Effizienz Spiele gewinnen kann.

Dieter Alge (55) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.