Zwischen Bregenz und Batmobil

Sport / 11.04.2022 • 22:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mikkel Jensen darf mit dem spektakulären „Batmobile“ von Peugeot, das 2023 seine Premiere in Le Mans erleben soll, ausfahren. Seine Freizeit genießt der Däne in Bregenz. Noger, DOROSZEWICZ, Peugeot
Mikkel Jensen darf mit dem spektakulären „Batmobile“ von Peugeot, das 2023 seine Premiere in Le Mans erleben soll, ausfahren. Seine Freizeit genießt der Däne in Bregenz. Noger, DOROSZEWICZ, Peugeot

Der Däne Mikkel Jensen, Werksfahrer für Peugeot, hat seine Zelte im Ländle aufgeschlagen.

Bregenz Mit Mikkel Jensen hat ein weiterer Motorsportprofi Bregenz zu seinem Wohndomizil erkoren. Der gebürtige Däne, der aktuell für Peugeot in der Langstrecken-Weltmeisterschaft im Einsatz ist, lobt die hohe Lebensqualität in Vorarlberg, die Ruhe am Bodensee mit ihrer Vielfalt an Freizeit- und Fitnessaktivitäten, aber für den Vielreisenden auch guten Verkehrsanbindungen zu den internationalen Flughäfen. „Timo Scheider hat mir empfohlen, nach Bregenz zu ziehen. Ich habe es nicht bereut.“ Und auch zur in Stuttgart studierenden Freundin Jil ist es nicht weit.

Ein Spätstarter

Der 27-Jährige startete seine Karriere, wie alle im Motorrennsport, mit dem Ziel Formel 1. Der Unterscheid zu vielen Kollegen: Er war bei seinem ersten Kartrennen bereits 15 Jahre. In dem Alter müssen die Ersten, die es mangels Talent oder Budget nicht geschafft haben, schon wieder aussteigen. 2013 vollzog der smarte Skandinavier den Umstieg in das ADAC-Formel-Masters, und der Wechsel 2014 ins Team Neuhauser Racing aus dem Zillertal brachte den Durchbruch. Als schönen Lohn in der zweiten Saison der Meisterschaft fuhr Jensen den Titel nach Hause. Sein Teamkollege Tim Zimmermann, inzwischen in Lochau am Kaiserstrand beheimatet, rundete mit dem dritten Gesamtrang das gute Ergebnis für das rot-weiß-rote Team ab.

Für die Saison 2015 und 2016 dockte Jensen bei der renommierten Berliner Equipe von Peter Mücke an. Die Formel-3-Europameisterschaft diente damals als Sprungbrett in die Königsklasse. So standen 2015 die heutigen Formel-1-Piloten Charles Leclerc, Lance Stroll und Georges Russell mit im Starterfeld. Die Ausbeute an Ergebnissen war gering, ein dritter Platz war für zwei Saisonen Formel 3 zu wenig, um sich für weitere Karrieresprünge zu empfehlen. Auch finanzielle Gründe gaben den Ausschlag, sich auf Autos mit Dach zu konzentrieren. „Zum Glück hatte ich einen guten Kontakt zu BMW“, erinnert sich Jensen. „ Man hatte mir schon mit dem Gewinn der ADAC-Formel-Masters 2014 einen Testtermin angeboten, den ich aber wegen der bereits fixierten Formel-3-Saison abgesagt habe.“

BMW engagierte Jensen 2017 als Werksfahrer, mit Scheider als Partner beim BMW-Schnitzer-Team im ADAC-GT-Masters. Der DTM-Meister von 2008 und 2009 brachte Jensen nicht nur nach Bregenz, er war bei den administrativen Aufgaben rund um dem Umzug behilflich. Starts in diversen GT Kategorien, in der Europäischen Le-Mans-Serie folgten 2018/19. Im Jahr darauf kam der Mann aus Aarhus nach Le Mans, das zur FIA Langstrecken WM (WEC) zählende 24-Stunden Rennen beendete er in der Klasse LMP2 auf dem neunten Rang. In der amerikanischen Sportwagenmeisterschaft (IMSA) gab es beim 12-Stunden-Klassiker in Sebring Rang zehn, nebenbei wurde noch die asiatische Le-Mans-Serie bestritten.

Prestigeprojekt im Test

2021 folgte für Jensen ein Achtungserfolg, der nicht unbemerkt blieb: Er holte sich im Team von PR1 Mathiasen Motorsport den Gesamtsieg in der IMSA-Sportwagenmeisterschaft in der Klasse LMP2. Peugeot beförderte den Dänen – mit fünf weiteren Fahrern für die beiden Werkswagen – ins Le-Mans-Projekt. Die Franzosen kehren nach prestigeträchtigen Erfolgen in Le Mans 1992, 1993 und 2009 im Jahr 2021 in die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft zurück.

Der Peugeot 9X8, wie er genannt wird, ist ein für die oberste Kategorie entwickeltes Hypercar, das sehr dem Batmobil ähnelt. Mit Jensen am Steuer befindet sich der revolutionäre Bolide, der ohne Heckflügel auskommt, im Teststadium. Für den 24-Stunden-Klassiker im Juni in Le Mans dürfte das Auto nicht fertig sein, es soll aber noch in der laufenden WEC-Saison an den Start kommen und 2023 die volle Saison bestreiten.

Aktuell ist Jensen auch noch in der IMSA Sportwagenmeisterschaft beschäftigt, das 12-Stunden-Rennen von Sebring hat er heuer in der Kategorie der LMP2 bereits gewonnen. In der Europäischen Le Mans Serie ist er in einem Ferrari 488GT des Schweizer Teams von Ronnie Kessel. Mit Rene Rast (LMP2), Kevin Estre (GT-PRO) und Jensen (LMH) sind damit drei Wahl-Vorarlberger in drei verschiedenen Klassen in der FIA World Endurance Championship (WEC) am Start.

Zwischen Bregenz und Batmobil
Zwischen Bregenz und Batmobil

Zur Person

Mikkel Jensen

Werksfahrer im Peugeot-Langstreckenprojekt

Geboren 31. Dezember 1994 in Aarhus (Dänemark)

Wohnort Bregenz

Familie Partnerin Jil

Karriere 2010 – 2012 Kartrennen in Dänemark

2013 – 2014 ADAC-Formel-Masters – Gesamtsieger 2014

2015 – 2016 Formel 3 Europameisterschaft

2017 – 2019 BMW-Junior Werksfahrer

2019 – 2020 Diverse GT- Rennen – Start in LeMans

2021 Peugeot Werksfahrer in der WEC – Sieger in der IMSA Amerikanischen Sportwagenmeisterschaft der Klasse LMP2

2022 Start in der IMSA Meisterschaft (Sieger 12h von Sebring) und im Entwicklungsprogramm von Peugeot für den Einstieg in der FIA Sportwagen Weltmeisterschaft

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