„Der EHC ist eine echte Familie“

Sport / 12.04.2022 • 13:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Der EHC ist eine echte Familie“
Herbert Oberscheider blickt zufrieden auf die abgelaufene Saison zurück. VN

Präsident Herbert Oberscheider ist stolz auf den Teamspirit im Lustenauer Eishockey.

Lustenau Wenige Tage nach dem Ausscheiden im Play-off-Halbfinale der Alps Hockey League trafen die VN einen entspannten und zufriedenen Herbert Oberscheider. Der 57-jährige Präsident des EHC Lustenau ließ dabei auch in sein Inneres blicken.

Sind Sie noch enttäuscht über das Aus?
Oberscheider Überhaupt nicht. Es war eine super Saison mit einer coolen Truppe. Unser Teamspirit war überragend. Leider hatten wir das Virus zur falschen Zeit in der Kabine. Viele unserer Spieler sind ja praktisch vom Bett direkt auf die Eisfläche. Wären wir komplett gewesen, hätten wir auch gewinnen können. Asiago hatte die Hosen gestrichen voll.

Auch die Eigenbauspieler waren wieder ein wesentlicher Teil der Truppe.
Oberscheider Wir hatten 14 Eigenbauspieler im Einsatz. Jungs aus Lustenau, die beim EHC gross geworden sind und ihre Sache wieder super gemacht haben. Das macht mich stolz. Der EHC ist eine echte Familie.

Was sind Punkte, die Ihnen weniger gefallen?
Oberscheider In der Infrastruktur müssen sie den nächsten Schritt machen. Hier sehe ich die Gemeinde in der Verantwortung. Wie liefern ab, wir setzen voll auf Lustenauer Spieler und daher dürfen wir auch erwarten, dass die Gemeinde das unterstützt.

Es war wieder eine von Corona belastete Saison. Was bedeutet das für die wirtschaftliche Seite?
Oberscheider Das ist natürlich sehr ärgerlich. Wir konnten praktisch nichts planen. Und es wird ja noch schwieriger. Durch den schrecklichen Krieg wird jetzt alles nochmals teurer. Wir werden in Zukunft noch besonnener kalkulieren müssen.

Liegt die ganze Verantwortung im Verein auf Ihren Schultern?
Oberscheider Nein, zum Glück nicht. Ich bin sehr stolz, dass bei uns das Ehrenamt so grossartig gelebt wird. Wir haben nur eine bezahlte Sekretärin, der Rest arbeitet gratis. Bei mir sind es etwa drei Stunden pro Tag.

Es wird immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden.
Oberscheider Das ist eine ganz gefährliche Entwicklung. Mein Bruder und ich haben durch den Sport im Allgemeinen und den EHC im Speziellen viel für das Leben und unsere erfolgreiche berufliche Laufbahn mitgenommen. Wenn solche Idealisten wie wir aussterben, wäre das nicht gut.

Wie meinen Sie das?
Oberscheider Wir müssen Kinder und Jugendliche in die Vereine bringen egal ob in die Blasmusik, in den Fussball oder zum Eishockey. Der Sport ist das beste Mittel, dass die Jugendlichen nicht auf den falschen Weg kommen. Nimm meine Jungs aus der Kampfmannschaft. Die spielen für fast nichts und haben mehr Spiele als die Bulldogs aus Dornbirn. Aber das sind Typen, die einmal Leader werden. Die kannst du morgen sofort in jeder Firma brauchen. Die Sportvereine sind eine Ideale Umgebung und oft eine letzte Chance für die jungen Menschen auf den richtigen Weg zu kommen. Das taugt mir auch beim FC Lustenau, das ist auch ein geiler, familiärer Verein.

Fühlen Sie sich von der Politik genug unterstützt?
Oberscheider Die Politiker wollen immer nur Feuer löschen, sie müssen aber viel präventiver arbeiten. Wir müssen noch viel mehr Kinder in die Vereine bringen.

Wie viel Freude macht ihnen das Präsidentenamt noch?
Oberscheider Sehr viel! ich freue mich, wenn es im Verein gut läuft, aber auch wenn viele Fans in meine Firma Auto waschen oder tanken kommen. Aber sicher denke auch ich manchmal, dass das, was Leute wie mein Bruder und ich leisten, zu wenig wertgeschätzt wird. Wir hätten in Lustenau schlechtere Zustände, wenn es nicht so viel Enthusiasten wie mich gäbe, das macht mich auch stolz. Ich werde weiter dafür kämpfen, dass Werte für unsere Jugend wichtig sind. Nur wenn wir diese Werte hochhalten, werden wir für unsere Gesellschaft eine gute Zukunft haben.

Gab es dennoch schon einmal den Moment, an dem Sie gesagt haben, „Jetzt reicht es“?
Oberscheider Nein, aber ich würde mich freuen, wenn es irgendwann den Zeitpunkt gibt, mein Amt in verantwortungsvolle Hände zu geben. Der Zeitpunkt wird kommen, ich habe eine gute Basis gelegt und selbstverständlich würde ich meine Nachfolger tatkräftig unterstützen.

Zurück zum Sportlichen. Wie geht es mit dem Team weiter?
Oberscheider Bei uns ist es zum Glück immer so, dass alle bleiben wollen. Wir werden uns im Mai in aller Ruhe zusammensetzen und dann das Team für die kommende Saison fixieren.

Wie schaut es bei Trainer Mike Flanagan aus?
Oberscheider Auch ihn möchte ich halten, sollte er aber ein Topangebot bekommen, werde ich ihm keine Steine in den Weg legen.

Gibt es immer noch keine Ambitionen, in die Ice Hockey League aufzusteigen?
Oberscheider Die gibt es weiterhin nicht. Wir wollen unseren Weg weitergehen und als Amateurteam weiter in der Alps Hockey League vorne mitspielen. OP