Thiem unterliegt bei Tour-Comeback in Belgrad

Sport / 19.04.2022 • 16:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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GEPA pictures/ Aleksandar Djorovic

301 Tage nach seinem bisher letzten Einsatz auf der ATP-Tour ist Dominic Thiem am Dienstag das Comeback vorerst nicht geglückt.

Belgrad Der 28-jährige Niederösterreicher und US-Open-Sieger 2020 musste sich beim “Serbia Open” in Belgrad dem Australier John Millman, der im Ranking auf Platz 80 liegt, nach hartem Kampf und 2:33 Stunden mit 3:6,6:3,4:6 geschlagen geben.

Das Match auf dem Centre-Court der mit 597.900 Euro dotierten “Serbia Open” brachte Thiem, der u.a. auch von seiner Freundin Lili Paul-Roncalli angefeuert wurde, eine echte Standortbestimmung. In langen Grundlinien-Rallyes überzeugte Thiem in vielen Phasen mit früheren Stärken, einer starken Rückhand und guter Beinarbeit. Auch wenn ihm das erste Siegerlächeln seit langer Zeit verwehrt blieb: den ersten richtigen Härtetest auch in Sachen Fitness hat er bestanden.

Thiem war trotz der Niederlage dementsprechend zufrieden. “Es war ein gutes Match, also ich bin froh. Es waren über zweieinhalb Stunden, ein guter Fight, viele Sachen, die positiv waren. Wie ich mich bewegt habe, Rückhand sowohl Spin als auch Slice”, meinte der ehemalige Weltranglisten-Dritte, der aktuell auf Platz 54 zu finden ist. Sein Aufschlag sei “hin und wieder da” gewesen. “Auch wie ich aus der Defensive gespielt habe, war schon viel besser. Bei der Vorhand fehlt natürlich einiges, aber das habe ich davor gewusst. Daran arbeite ich jeden Tag, dass die Vorhand jeden Tag ein paar Prozent besser wird.”

Derzeit fokussiere er sich bei der Vorhand noch darauf, “sie irgendwie so ins Feld” zu spielen, damit der Gegner nicht so viel damit anfangen könne. “So wird es natürlich sehr schwer. Aber zumindest bin ich jetzt einmal gesund, fit und ich kann jeden Tag trainieren. Mehr habe ich bei dem Turnier auch nicht erwartet und genauso wenig bei den nächsten Turnieren. Das erste längerfristige Ziel ist, dass ich bei den French Open top in Form bin.”

Gefreut hat sich Thiem auch über die Fans, die mehrheitlich auch auf seiner Seite standen. “Es war wunderschön. Vor meiner Verletzung war noch ein Mal mit ein paar Zuschauern, ein Mal ein völlig leeres Stadion und jetzt wieder voll, das hat mich sehr glücklich gemacht. Ich bin richtig motiviert und freue mich schon auf die nächsten Wochen, wenn es wieder so sein wird.”

Thiem musste als erster Spieler zum 1:3 seinen Aufschlag abgeben, schaffte aber nach umkämpftem fünften Game mit der dritten Möglichkeit das sofortige Rebreak. Nach einem Ball zum 3:3 gab Thiem sein Service aber wieder ab, diesmal bestätigte Millman das Break und erhöhte auf 5:2. Bei 3:5 hatte Thiem zwei neuerliche Breakbälle, konnte aber keinen verwerten und Millman nutzte den ersten Satzball nach 48 Minuten.

Im zweiten Durchgang steigerte sich das Niveau der Partie, die immer mehr von langen Ballwechseln geprägt wurde. Thiem gelang zum 3:1 das erste Break des Satzes, nach rund 79 Minuten führte Thiem 4:1. Bei 4:2 fand Millman im umkämpften Aufschlag-Game des Lichtenwörthers noch eine Breakchance vor, doch nach insgesamt 101 Minuten schaffte Thiem später zum 6:3 den Satz-Ausgleich. Im dritten Satz entwickelte sich die zu erwartende enge Entscheidung. Bei 3:4 und 15:40 gelang es Thiem, noch zwei Breakbälle abzuwehren. Als Millman aber auf 5:4 stellte, musste Thiem seinen Aufschlag zu Null abgeben und verlor damit auch das Match.

“Respekt an Domi. Ich kann es nicht als einen meiner größten Siege bezeichnen, weil er von einer Verletzung zurückkommt”, sagte Millman noch auf dem Platz. “Ich weiß, wie hart das ist, ich bin selbst von drei Operationen zurückgekommen und es waren wirklich harte zwölf Monate für Dominic. Aber es ist gut, ihn wieder zurückzuhaben, besonders auf diesem Belag. Ich muss diesen Sieg nehmen, weil wenn er immer fitter wird, dann wird es hart.” Für Millman war es im vierten Duell mit dem Niederösterreicher der erste Sieg.

Nicht Thiem, sondern Millman trifft damit im Achtelfinale auf den Serben Miomir Kecmanovic, der Sieger könnte im Viertelfinale auf Topstar Novak Djokovic treffen.

Thiem hatte sich am 22. Juni 2021 beim Rasen-ATP-Turnier auf Mallorca im rechten Handgelenk einen Einriss in der Sehnenscheide und der dazugehörigen Gelenkskapsel zugezogen. Zwischenzeitlich warf ihn im vergangenen Sommer ein zu früher Wiedereinstieg ins Training zurück, was auch zur Trennung von Langzeit-Physio Alex Stober führte. Nach mehreren wieder zurückgezogenen Comeback-Ankündigungen war Thiem am 29. März beim ATP-Challenger in Marbella erstmals wieder auf dem Platz zu sehen, musste sich aber dem Argentinier Pedro Cachin 3:6,4:6 beugen. Im Vergleich dazu zeigte sich Thiem in Belgrad aber trotzdem klar verbessert.

Unmittelbar nach dem Marbella-Turnier hatte eine Corona-Erkrankung den 28-jährigen Niederösterreicher wieder um einige Wochen zurückgeworfen. Nun hatte er schon vor seinem ersten Match in Belgrad erklärt, dass er bis zu den French Open jede Woche spielen möchte. Angekündigt ist ein Antreten mit Wild Card kommende Woche in Estoril sowie seit Dienstag auch in Genf (ab 14.5.) in der Woche unmittelbar vor Paris. APA