Der Volleyball-Märchenprinz im Waldviertel

Sport / 28.04.2022 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Volleyball-Märchenprinz im Waldviertel
Nach dem Matchball im vierten Finalduell wollte Jakob Reiter vor Freude alle Fans umarmen. APA

Jakob Reiter jubelt über Titeldoppelpack in ÖVV-Cup und Austrian Volleyball League.

Dornbirn, Zwettl „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ ist der Titel eines Romans von Johannes Mario Simmel. Es könnte aber auch der Titel des sportlichen Bestsellers sein, den Jakob Reiter in den letzten drei Monaten schreib. Bis Mitte Jänner war der 23-jährige Dornbirner wohl lediglich Insidern des Volleyballsports wirklich ein Begriff. Doch mit dem Wechsel nach 4,5 Jahren bei den WörtherSeeLöwen Klagenfurt zu Waldviertel begann ein märchenhafter Karrieresprung, den sich Reiter in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt hat. „Ehrlich gesagt bin ich immer nach komplett geflasht von den Erlebnissen und Eindrücken der letzten Wochen. Es wird wohl noch eine Zeit gehen, bis ich die Sache richtig eingeordnet habe“, betont Reiter.

Der Volleyball-Märchenprinz im Waldviertel

Den Wechsel vom Wörthersee ins Waldviertel im nordwestlichen Niederösterreich verdankt Reiter mehreren Faktoren. Da im Dezember der Libero aus Tschechien abgesprungen war, erhielt er einen Anruf von Waldviertel-Manager Werner Hahn. „Wir hatten bereits im Sommer Kontakt. Da ich mich aber in der finalen Phase meines Bachelorstudium für Bildungs- und Erziehungswissenschaften befand, und ich deshalb an der Uni Klagenfurt Anwesenheitspflicht hatte, habe ich abgesagt.“

Nach Abschluss des Studiums ist Reiter ein halbes Jahr später doch dem Lockruf aus der Heimat seiner langjährigen Freundin gefolgt und hat bei Waldviertel unterschrieben. „Ich habe auch von der Österreicher-Regelung profitiert. Laut ÖVV-Reglement muss zwingend zumindest ein Österreicher auf dem Spielprotokoll stehen“, gesteht Reiter. „Wir sind zwar eine Multi-Kulti-Truppe mit Spielern aus neun Nationen (Anm. Argentinien, Kanada, Litauen, Deutschland, Bulgarien, Tschechien den Niederlanden und der Slowakei), aber auch eine unglaublich verschworene Truppe. Obwohl ich mit 177 Zentimeter Abstand der kleinste Spieler war, wurde ich von meinen Teamkollegen, zu denen ich aufschauen muss, sofort akzeptiert. Trainer Zdenek Smejkal hat von Beginn an auf mich gesetzt und ich konnte das in mich gesetzte Vertrauen zurückgeben.“

35 Siege in 36 Saisonspielen

Nach der makellosen Ausbeute von 14:0 Siegen (42:4 Sätze) im Grunddurchgang der Austrian Volley League (AVL) und lediglich einer Niederlage in acht Partien in der AVL-Toprunde setzten die Waldmänner nach der Verpflichtung des Dornbirners Ende Jänner ihren beeindruckenden Erfolgslauf nahtlos fort. Im ÖVV-Cup, in dem Waldviertel in fünf Partien nur drei Sätze abgab, holte man sich mit einem 3:1-Finalerfolg gegen Lokalrivale Amstetten am 13. März den ersten Titel in der Vereinsgeschichte. Doch damit war der Erfolgshunger noch nicht gestillt. Nach Siegen gegen Weiz (2:0) und Titelverteidiger Graz (3:0) holte man sich im Finale gegen Aich/Dob mit vier Siegen und 12:3 Sätzen ohne Makel die nationale Krone. „Es war einfach genial, wie die Saison gelaufen ist. Wenn man 35 von 36 Spielen gewinnt, kann man von einer außergewöhnlichen Saison sprechen.“

Zuerst feiern, dann verhandeln

Ob Reiter nächste Saison seine Premiere im Europacup feiert oder gar sein Debüt im Nationalteam gibt, steht allerdings noch in den Sternen. „Ob ich weiter bei Waldviertel bleibe oder zurück nach Klagenfurt gehe, hängt auch davon ab, wo ich mein Masterstudium machen werde. Doch vorerst einmal wird richtig gefeiert. Die letzten drei Monate waren extrem intensiv und die Feierlichkeiten werden sicher eine Zeit andauern.“

Sportlich gilt der Fokus in den nächsten Monaten den Aktivitäten im Beachvolleyball. „Trotz der beeindruckenden Erfolge in der Halle wird ein Teil meines Herzens immer für das Beachvolleyball schlagen. Wie intensiv es diesen Sommer sein wird, werde ich in den nächsten Wochen entscheiden. Eine Teilnahme an der Wolfurttrophy (Anm. 12. bis 14. August) ist auf jeden Fall eingeplant. Dass habe ich meinem Bruder Theo, der dort Turnierdirektor ist, versprochen.“

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