Murray spricht Thiem Mut zu

Sport / 03.05.2022 • 20:29 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Murray spricht Thiem Mut zu

ÖTV-Ass rutscht erstmals seit März 2014 aus den Top 100 der Tennisweltrangliste.

Madrid Die Bilanz von Dominic Thiem nach den ersten vier Auftritten nach seinem Comeback liest sich bitter: vier Niederlagen, ein Satzgewinn und auch ein weiterer Absturz in der Tennis-Weltrangliste. Doch nach einer Handgelenksverletzung samt 280 Tagen Auszeit braucht man viel Geduld. Das weiß Thiem und das weiß auch sein Bezwinger beim ATP-1000er in Madrid, der dreifache Grand-Slam-Sieger Andy Murray. Der Schotte sprach dem Ex-US-Open-Sieger nach dem 6:3, 6:4 Mut zu.

Rom, Genf und dann Paris

Der 28-jährige Lichtenwörther selbst scheint zumindest nach außen hin keineswegs beunruhigt. „Es war das erste ganz große Turnier nach dem Comeback, das erste Mal auch ein richtig voller Centercourt. Das war schon wunderschön, vor allem mit den ganzen Erinnerungen, die ich an das Turnier habe“, erinnerte er an insgesamt vier Semifinali sowie zwei Finali (2017, 2018) in der spanischen Hauptstadt. Die gleiche gute Bilanz hat Thiem auch in Roland Garros, wo am Sonntag in zwei Wochen das zweite Grand-Slam-Turnier des Jahres über die Bühne geht.

Dass Thiem bis dahin schon den klaren Aufwärtstrend schafft, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Er braucht noch Zeit, die ihm betreffend Paris freilich davonläuft. Nächste Woche in Rom steht das Masters-1000-Event an, danach noch vor dem Major an der Seine das 250er in Genf. Er selbst hatte betont, dass er bis Paris „zumindest ansprechende Form“ erreichen will, aber er wisse, dass es ein langer Weg zurück ist. „Es ist das eingetreten, was zu erwarten war, eine frühe Niederlage, leider. Aber ich schaue, dass ich weiterarbeite und nächstes Jahr in Madrid wieder auf 100 Prozent bin“, blickte Thiem in Richtung 2023. Sein nächster Plan klingt gleich wie zuletzt: „Ich muss schauen, dass ich viele Stunden auf dem Platz verbringe. Das ist das Wichtigste. Noch ein paar Tage hier in Madrid und dann nach Rom, dort nehme ich den nächsten Anlauf.“

Sein erfahrener Bezwinger sprach Thiem beim Shakehands Mut zu: „Mach so weiter. Es dauert seine Zeit, aber es wird wieder“, sagte Murray, der übrigens seinen ersten Sieg auf Sand seit fünf Jahren feierte. Murray hatte im Jahr 2007 selbst eine ähnliche Verletzung. „Ich hatte eine Handgelenksverletzung, als ich 20 Jahre alt war und das war sehr schwer. Es hat mich einige Zeit gekostet, ehe ich mich auf der Vorhandseite wieder wohlgefühlt habe“, blickte der zweifache Olympiasieger zurück.

Bei Thiems Spielstil dürfte es noch etwas diffiziler sein. „Er verwendet das Handgelenk sehr, wenn er seinen starken Topspin verwendet. Ich hoffe, dass es eine Art mentale Sache ist und nichts, das ihm Schmerzen oder unangenehme Gefühle verursacht.“ Bei gewissen Schlägen sehe es sehr gut aus. „Aber es gab ein paar besondere Schläge, die er normalerweise nicht machen würde. Er serviert immer noch sehr gut, hat einen fantastischen Kick-Aufschlag und schlägt eine sehr gute Rückhand. Und er bewegt sich exzellent.“

Worte, die Thiem freuen. „Es war sehr nett, was er am Netz gesagt hat. Und diese Worte sind von jemandem wie ihm noch mehr wert, weil er wirklich einen langen Erholungsprozess durchgemacht hat. Er ist ein echtes Vorbild wie er nach seiner Hüftverletzung zurückgekommen ist.“

Weiterer Absturz droht

Für Thiem, der aktuell bei 725 ATP-Punkten hält, wird es allerdings in der Weltrangliste noch ordentlich abwärts gehen, wenn er nicht sehr bald den Turnaround schafft. Kommenden Montag wird er um Position 160 zu finden sein, die Woche darauf fallen weitere 90 Zähler wegen des Rom-Viertelfinales 2021 aus der Wertung und in Paris sind 180 Punkte zu verteidigen. Punktet Thiem bis dahin nicht ordentlich, droht er sogar aus den Top 300 zu fallen. Dies war zuletzt vor über neun Jahren, genau am 18. März 2013, der Fall, als er Platz 302 innehatte.

„Es ist das eingetreten, was zu erwarten war, eine frühe Niederlage, leider.“