Rassismus im Fußball: Eine Glaubensfrage

Sport / 04.05.2022 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

In der Causa “Rassismusvorwürfe” stand am Ende Aussage gegen Aussage.

Hohenems Es war ein intensiver Abend für die Mitglieder des Straf-, Kontroll-, Melde- und Beglaubigungsausschusses (STRUMA) des Vorarlberger Fußballverbandes. Die Causa “Rassismusvorwürfe” hatte nicht nur zu einer großen Anzahl an Zeugen – beide Spieler, die Trainer von Bizau und Rotenberg sowie der Schiedsrichter, die beiden Obmänner der Klubs und weitere Vereinsfunktionäre – geführt, sie zog auch eine lange Debatte nach sich.

Das Ergebnis ist bekannt: Das abgebrochene Cupspiel wurde – wie berichtet – mit 3:0 für Bizau strafverifiziert, ansonsten blieben Strafen aus. Denn am Ende war es eine Glaubensfrage: So wich Spieler A (Rotenberg) nicht von seinen erhobenen Rassismusvorwürfen ab, während Spieler B (Bizau) sein Gegenüber ebenfalls der Beleidigung beschuldigte.

Es gibt keine Zeugen für die Aussagen der jeweiligen Spieler und auch keine Bestrafung durch den Schiedsrichter. Da fehlt uns als STRUMA ebenfalls die Bestrafungsgrundlage.”

Hans Bertsch, STRUMA-Vorsitzender über die Rassismusvorwürfe

STRUMA-Obmann Hans Bertsch klärt diesbezüglich auf: “Beide Parteien haben der Darstellung ihres Spielers geglaubt. Es gab auch keine Rote Karte, deshalb fehlt uns die Grundlage für eine Bestrafung.” Zudem betonte Bertsch noch einmal das gute Auskommen der Funktionäre beider Klubs, die beidseitig mit einer Neuaustragung bzw. Weiterführung der Partie ab der Halbzeit (3:2 für Bizau) einverstanden gewesen wären. Dafür, so Bertsch, hätte jegliche Grundlage gefehlt. “In den ÖFB-Statuten ist klar festgelegt, dass eine abgebrochene Partie mit 3:0 zu werten ist, sofern einem Verein klar die Schuld zugesprochen werden kann. Hätten wir anders entschieden, hätten wir uns außerhalb der Paragraphen bewegt.” Was eine mögliche Geldstrafe betrifft, so habe man davon Abstand genommen, weil es sich um eine “Kann-Bestimmung” handle. Am Ende, so Bertsch weiter, hätten beide Klubs mit dem Urteil leben können, sodass auch kein Protest seitens des Zima FC Rotenberg zu erwarten ist.

Bertsch verweist in diesem Zusammenhang auf das Projekt “Teamplay” vom Vorarlberger Fußballverband. Dieses sei 2021 nicht zuletzt aufgrund der Initiative seitens der STRUMA entstanden. “Wir spüren ja, Woche für Woche, die zunehmenden Diskriminierungen auf dem Fußballplatz”, erzählt Bertsch. Zumal die “Täter” und “Opfer” immer jünger werden. Die Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema der immer mehr steigenden Bereitschaft zur Ausübung von Gewalt und der Verrohung der Sprache auf Vorarlbergs Fußballplätzen auseinandersetzt, hat das Projekt “Teamplay – vom Gegeneinander zum Miteinander” gestartet. Mit diesem Projekt und den darin konzipierten Maßnahmen sollen die Vereine in ihrer täglichen Arbeit unterstützt werden und es soll versucht werden, sämtliche am Fußball beteiligte Personen auf dieses Thema zu sensibilisieren. “Unsere Vision”, so Bertsch, “ist das Miteinander, gegenseitiges Unterstützen und Vorbild sein für jeden einzelnen Sportler auf und neben dem Platz.” Ein weiterer wichtiger Punkt sei der Respekt innerhalb des Vereins, der Mannschaften, der Mit- und Gegenspieler, der Schiedsrichter und der Zuschauer.