Fahrer und Fans in gemeinsamer Euphorie

Sport / 05.05.2022 • 23:01 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Daniel Ricciardo testete den Kurs schon mal in einem Sportwagen.afp
Daniel Ricciardo testete den Kurs schon mal in einem Sportwagen.afp

Die Formel 1 findet den Weg in den Sunshine State und etabliert sich endgültig auch in den USA.

Miami Die Formel 1 und die USA – das war eine lange Geschichte ohne Konstanz. Der Rennzirkus war jenseits des Atlantiks ein Wanderzirkus. Zehn Schauplätze wurden in 62 Jahren „verbraucht“, ehe 2012 mit dem mit F1-Fokus erbauten Circuit of the Americas (COTA) erstmals eine dauerhafte Heimat samt gestiegener Fanresonanz gelang. Und nun der nächste Schritt am Wochenende: Formel-1-Premiere im Sunshine State, ein Grand Prix nahe Miami rund um das Hard Rock Stadium der Dolphins aus der National Football League (NFL). Das verspricht ein Spektakel, das die Amerikaner lieben werden. Und das die neuen F1-Eigentümer von Liberty Media genau bedachten. Wie den nächsten Schritt, der die Formel 1 2023 zurück nach Las Vegas führen wird, wo es schon Anfang der 1980er einen holprigen Versuch (im wörtlichen und übertragenen Sinn) gegeben hat.

Suche seit 1959

In den ersten Jahren der Formel 1 (1950 bis 1960) zählten auch die „500 Meilen von Indianapolis“ im Oval zur WM. Alle Gewinner waren Indy-Piloten und keine regelmäßigen F1-Fahrer. 1959 begann die Suche nach einer neuen Bleibe. Die wurde auf dem Sportwagenkurs von Sebring (für Nicht-Floridianer unauffindbar in der Mitte zwischen Miami und Tampa gelegen) gefunden. Doch das Rennen zwei Wochen vor Weihnachten wurde historisch: Jack Brabham holte sich den Titel, obwohl er seinen Wagen ohne Sprit 800 Meter ins Ziel schob und dennoch Vierter wurde. 1960 wurde in Riverside außerhalb von Los Angeles gefahren (die Strecke existiert nicht mehr), dann gab es zwei Jahrzehnte eine Konstante: Watkins Glen (1961 bis 1980) war aber wiederum im „Nowhereland“ im Norden des Staates New York. Immerhin: Jochen Rindt gewann dort 1969 seinen ersten GP, Niki Lauda siegte 1975.

Ein Mini-Monaco sollte Long Beach werden, acht Mal wurde dort vor malerischer Kulisse gerast (1976-83, Sieger 1982 Lauda), dann war die Formel 1 zu teuer, und die Indycars zogen ein (bis heute). 1981/82 versuchte sich die Formel 1 auf dem Parkplatz (!) des Caesar‘s Palace-Hotels in Las Vegas und wurde auch dort von den Indycars beerbt. Da 1982 auch in Detroit auf einem Stadtkurs rund ums GM-Hauptquartier im Renaissance Center gefahren wurde, gab es in diesem Jahr drei US-Rennen. Detroit hielt bis 1988. 1984 gab es eine einmalige Premiere in Texas auf einem Stadtkurs in Dallas – bei für alle unerträglicher Juli-Hitze von über 40 Grad Celsius.

Von 1989 bis 1991 war Phoenix/Arizona Schauplatz, von 2000 bis 2007 schließlich der neue angelegte Straßenkurs im Indianapolis Speedway mit dem Reifenfiasko 2005, in dem alle Michelin-Autos wegen Sicherheitsbedenken zurückgezogen wurden. Was für die Formel 1 ein Debakel wurde, brachte dem Kärntner Patrick Friesacher (als Sechster Letzter) seine einzigen WM-Punkte.

Durchbruch mit einer TV-Serie

Dann also COTA und nun Miami. Warum beide funktionieren, ist rasch erklärt. In Texas ist das GP-Wochenende (selbst 2021 in der Pandemie) eine einzige große Party für die junge, technologieaffine Bevölkerung. Und COTA lebt auch von den Touristen aus Mexiko. Genauso wie in Miami der hohe Anteil der Latinos der Formel 1 zugutekommen wird. Und dazu die geniale Promotion durch die Netflix-Serie „Drive to Survive“, die den F1-Durchbruch in den USA erst ermöglichte.

„Hier gibt es eine gewaltige Basis an Sportfans. Es ist großartig, dass die Formel 1 die USA erobert. So ein Spektakel hat es hier noch nicht gegeben“, urteilt Lewis Hamilton über den 5,41-Kilometer-Kurs mit einer 1,3 Kilometer langen Geraden, die 320 km/h ermöglichen wird. Man wird sehen, welche Teams in dem neuen Umfeld dank bester Simulatorvorbereitung vorn sein werden.

US-Football-Star Tom Brady (l.) und Formel-1-Pilot Lewis Hamilton hatten viel Spaß im Miami Beach Golf Club.Reuters/US Today
US-Football-Star Tom Brady (l.) und Formel-1-Pilot Lewis Hamilton hatten viel Spaß im Miami Beach Golf Club.Reuters/US Today
Weltmeister Max Verstappen besuchte das Baseball-Team der Miami Marlins.
Weltmeister Max Verstappen besuchte das Baseball-Team der Miami Marlins.