Mit Erwartungsdruck umgehen lernen

Sport / 05.05.2022 • 18:58 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mentaltrainer Mario Reiser über die Situation von Altach.

Altach Noch drei Runden sind in der Admiral Bundesliga zu spielen. Vier Punkte beträgt der Rückstand von Schlusslicht Cashpoint SCR Altach in der Tabelle auf die SV Ried. Am Samstag treffen die beiden Teams in Altach aufeinander – im Duell „alles oder nichts“. Während die Rheindörfler zuletzt zwei Niederlagen einstecken mussten, haben die Innviertler nach zwei Pleiten gegen die WSG Tirol bei der Admira (1:1) gepunkt. Ständiger Begleiter im Lager beider Mannschaften: die Versagensangst. Ein Thema, mit dem sich auch Mindfulnesscoach Mario Reiser in seiner Arbeit mit Sportlern auseinandersetzt. Die VN sprachen im Vorfeld des „Spiels der Spiele“ der Altacher im Kampf um den Klassenerhalt mit dem 53-jährigen Lauteracher und baten ihn um eine Einschätzung. „Ängste spielen immer eine Rolle, ob du als Mannschaft am Ende einer Tabelle oder ganz oben stehst. Sich mit diesen Ängsten auseinanderzusetzen ist aus meiner Sicht existenziell“, erklärt Reiser und ergänzt: „Verdrängen wäre der falsche Ansatz, es ist wichtig, sich diesen Ängsten zu stellen.“ Als Mindfulnesstrainer unterscheide er zwischen „Objekt“ – alle Gedanken und Emotionen sind Objekte – und „Subjekt“ (das wahre Ich). Letztendlich sei es immer das „ wahre Ich“, das das Objekt beobachtet und nie umgekehrt. Das Subjekt gibt erst dem Objekt die Kraft. Konkrekt: „Lege ich meinen Fokus auf diese Angst oder auf etwas anderes.“ Für Reiser besteht die Möglichkeit etwa darin, den Fokus im Vorfeld auf die Atmung zu legen. Er spricht diesbezüglich von einer „Feuerwehrübung“, weil Mindfullness keine „Hauruck-Aktion“, sondern vielmehr kontuierliche Arbeit verlangt. Seine Empfehlung einer bewussten Bauchatmung sieht er jedenfalls als guten Tipp im Hinblick auf das so wichtige Meisterschaftsspiel. Dennoch will Reiser, der in Altach mit Ex-Cheftrainer Alex Pastoor (55) im Austausch war, es nicht als Allheilmittel verstanden wissen. Allein seine Erfahrung lehrt ihn: „Bauchatmung chillt dich. Wichtig ist auch, länger aus- als einzuatmen. Du kommst dann zwar nicht gleich von 100 auf null, aber vielleicht von 100 auf 95. Das hilft, gelassener ins Spiel zu gehen.“

Angst ist ein zentrales Thema

Mindfulness, so Reiser, sei auch für Spitzentrainer wie Carlo Ancelotti (62/Real Madrid) ein wichtiger Aspekt. Gerade weil Angst ein zentrales Thema ist. Diesbezüglich zitiert er gerne Phil Jackson, den legendären Basketballcoach der Chicago Bulls, aus dessen Buch „Eleven Rings“. „Nicht das mögliche Ergebnis zählt. Orientiere dich am Hier und Jetzt, nicht am Ziel, sondern am Prozess.“ Denn, so Reiser weiter: „Es ist alles möglich, bevor nicht der letzte Ball gespielt ist. Denn der nächste Pass ist immer der wichtigste.“

Sein persönlicher Wunsch für Altachs Spieler ist ein einfacher: „Vor dem Spiel nicht überlegen, was denn alles passieren kann.“ Zu viele Gedanken stellen für Reiser einen „Overkill“ im Kopf dar. „Wenn ein Sportler sich zu sehr verkopft, beginnt, dann ist Flow gar nicht möglich.“ Wettkampftypen würden Automatismen folgen und es einfach geschehen lassen. Sein Rat für Samstag: „Erinnert euch an eure Lausbubenzeit: „Einfach machen und nicht zu viel darüber nachdenken.“ VN-cha