Austria zum Siegen verdammt

Sport / 06.05.2022 • 22:56 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Haris Tabakovic steht nach Verletzung vor seiner Rückkehr ins Team. Ein guter Zeitpunkt dafür im Kampf um den Titel.gepa
Haris Tabakovic steht nach Verletzung vor seiner Rückkehr ins Team. Ein guter Zeitpunkt dafür im Kampf um den Titel.gepa

Insolvenz von Wacker Innsbruck hängt wie Damoklesschwert über Grün-Weiß.

Lustenau Bewegte Zeiten im Westen Österreichs. Die bevorstehende Insolvenz des Tiroler Traditionsklubs Wacker Innsbruck bringt wie bereits berichtet den Tabellenführer der 2. Liga, Austria Lustenau, plötzlich in Nöte. Kurz: Spielt Wacker die Saison nicht zu Ende, wird es zu einer Annullierung aller Spiele mit Innsbrucker Beteiligung kommen. Die Conclusio daraus: Austria verliert drei Punkte, Meisterschaftskonkurrent FAC Wien nur einen, was Auswirkungen auf die Tabelle und den Ausgang des Meisterschaftsrennens hat. Dass die Wiener gestern das Schlagerspiel gegen BW Linz mit 2:0 (0:0) gewinnen konnten, macht nun die Ausgangssituation für die Partie der Austria zuhause gegen St. Pölten nicht gerade leichter. Aktuell liegt man in der Tabelle einen Zähler hinter dem FAC, somit ist ein Sieg über die Niederösterreicher Pflicht.

Die VN hat sich einige von unzähligen möglichen Szenarien bezüglich der Causa Wacker Innsbruck und ihre Auswirkungen auf die Grün-Weißen herausgepickt.

Wacker beendet Saison regulär Gelingt dies, wäre allen Parteien geholfen. Denn damit würde es im Meisterschaftsrennen zwischen der Austria und dem FAC keine Entscheidung auf dem grünen Tisch geben. Der Meister und Aufsteiger in die Bundesliga würde auf dem Sportplatz gefunden.

Wacker spielt nicht zu Ende Die Gründe für dieses Szenario sind mannigfaltig. Das Damoklesschwert dafür haben aktuell die Spieler des FC Wacker in der Hand. Weigern sich diese, die letzten beiden Matches zu spielen, was ihnen rechtlich auch zusteht, da seit Monaten die Gehälter ausstehen – kommt es zur Annullierung. Zwar hat sich die Mannschaft geäußert, die Saison unbedingt zu Ende spielen zu wollen, doch gestern haben laut VN-Informationen weitere vier Spieler den Klub verlassen. Ein weiterer Faktor: Kann sich der Klub die Kosten für die letzten beiden Spieltage überhaupt noch leisten? VdF-Vorsitzender (Vereinigung der Fußballer) Gernot Zirngast, der seit Monaten mit den Spielern in Kontakt steht, sieht gute Chancen, dass die Mannschaft durchbeißt: „Die Jungs leisten Unglaubliches. In so einer Situation, in der man seit Monaten auf sein Geld wartet, noch aufzulaufen, ringt mir viel Respekt ab. Meinen Infos zufolge werden die Spieler die Saison beenden.“

Insolvenzantrag vor Saisonende Die nächste Woche ist die der Entscheidung in Innsbruck. Bis Ende der Woche wird bzw. muss der Vorstand von Wacker die Insolvenz beantragen. Auszugehen ist davon, dass man die ausgegliederte Gmbh der Profiabteilung (kolportierte zwei Millionen Euro Schulden) in die Insolvenz schicken wird. Den Verein (eine Million Euro Schulden) wird man versuchen mit allen Mitteln zu retten, um sportlich zumindest nur in die Regionalliga abzusteigen und den Betrieb dort auf Amateurebene weiterführen zu können.

Die Auswirkungen auf die Austria bezüglich einer Annullierung wären bei diesem Szenario gering. Denn ein Insolvenzantrag ist eine formelle Bekanntgabe, die viel Bürokratie nach sich zieht. Sprich, es wäre Zeit gegeben, die Saison normal zu Ende zu spielen.

Annullierung, was dann? Tritt der für die Austria schlechteste Fall ein und man rangiert nach der 30. Runde punktegleich mit dem FAC und steigt wegen der Regelung, dass die direkten Duelle entscheiden, am Ende nicht auf, wird es wohl knifflig. Anzunehmen ist, dass der Ausgang dann juristisch angefochten wird. Was daraus entsteht, ist nicht abzusehen, von den Auswirkungen bis in den Sommer hinein auf den österreichischen Spitzenfußball ganz zu schweigen.

Tabakovic vor Rückkehr

Während also die Tiroler die Schlagzeilen beherrschen, gibt es für die Austria noch drei Spiele, die man erfolgreich bestreiten muss. Daher versucht die Mannschaft rund um Chefcoach Markus Mader das Thema Innsbruck außen vor zu lassen. „Wir schauen auf niemanden, unser Ziel ist es, die letzten drei Spiele zu gewinnen. Dann schauen wir was herauskommt“, so Mader. Sportdirektor Alexander Schneider geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn wir die letzten drei Matches gewinnen, spielen wir nächste Saison in der höchsten Liga. Egal, was in Innsbruck oder beim FAC passiert.“

Den Auftakt zu einer Siegesserie muss das Heimspiel morgen (10.30 Uhr) gegen St. Pölten machen, in das man als Favorit geht, auch weil man mit einer Rückkehr von Haris Tabakovic rechnen kann. Der Goalgetter (24 Tore) trainierte unter der Woche, heute wird ein letzter Fitnesstest über seinen Einsatz entscheiden. Der wäre unter den aktuellen Umständen enorm wichtig, denn die Austria braucht Tore des Schweizers. VN- MKR

Auf Matthias Maak und Jean Hugonet wartet morgen viel Arbeit.gepa
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