Volle Hütte und alte Haudegen

Sport / 06.05.2022 • 20:25 Uhr / 8 Minuten Lesezeit
Ich möchte euch für das so wichtige Spiel alles Gute wünschen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass alle zusammenstehen. Ich werde auch ins Stadion kommen und die Daumen drücken Hannes Aigner, 41 Jahre, Karriereende (mit 84 Toren Altach BL-Rekordtorschütze)

Ich möchte euch für das so wichtige Spiel alles Gute wünschen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass alle zusammenstehen. Ich werde auch ins Stadion kommen und die Daumen drücken Hannes Aigner, 41 Jahre, Karriereende (mit 84 Toren Altach BL-Rekordtorschütze)

Motivationsvideo und ein ausverkauftes Stadion als letzter Ansporn für das Schicksalsspiel.

Altach Angespannt, Vorfreude verbreitend und etwas gereizt – so lässt sich die Stimmung im vielleicht wichtigsten Match der Klubgeschichte zusammenfassen. Der Cashpoint SCR Altach ist im Heimspiel gegen die SV Ried (Samstag, 17 Uhr) zum Siegen verdammt. Und doch stößt sich Torhüter Tino Casali nicht, wenn das Szenario „Abstieg“ thematisiert wird. „Das begleitet uns eh schon das ganze Jahr. Uns ist das Wasser schon bis zur Nase gestanden und wir atmen immer noch.“ Der 26-jährige Villacher versprüht selbst in der so aussichtslos scheinenden Lage Optimismus – und wirkt dabei sogar echt. Kraft schöpft Altachs Torhüter aus der für ihn vom Start weg nicht sehr leichten Saison und aus der Tatsache, dass „ich noch nie abgestiegen bin“. Deshalb geht er fest davon aus, dass für ihn nach seinem 53. Bundesligaspiel wie auch für den Klub nicht das Ende naht. „An Motivation wird es nicht fehlen“, sagt Casali. Dafür braucht er keine zusätzliche Hilfe.

Innere Ruhe als Kraftquelle

Zu Saisonbeginn als Nummer eins der Altach-Legende Martin Kobras (35) vorgezogen, hat der Keeper gezeigt, dass er dieses Vertrauen mit seinen Leistungen gerechtfertigt hat. Sein Credo: „Es ist wichtig, bei sich zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren.“ Er habe von Anfang an versucht, Ruhe auszustrahlen, sich nichts vorzumachen. Und so kann er mit der Endspielthematik gut umgehen. Vielmehr spricht er die „volle Hütte“ an. „Es ist absolut cool, so ein Spiel zu spielen. Ganz egal, um was es geht. Ob du gegen den Abstieg spielst oder um die Meisterschaft.“ Casali spricht an, was er denkt, verrät, dass sich das Wochenende mit den Niederlagen beim LASK und in Hartberg einige Tage in die Knochen gehängt habe. Inzwischen hat er diese Schwere längst abgeschüttelt, stellt die Gegenfrage – „Warum sollen wir nicht gewinnen?“ – und liefert sogleich die passenden Antworten dazu:

Altach ist gegen die Innviertler seit deren Wiederaufstieg 2020 zu Hause ungeschlagen.

Altach gewann seit 2020 vier der sieben Duelle gegen Ried – gegen kein anderes Team so viele in diesem Zeitraum. Auch die 13 erzielten Tore sind Altacher Höchstwert gegen einen Konkurrenten seit 2020.

Altach erzielte in der Qualifikationsrunde acht Tore, nachdem man im Grunddurchgang in 22 Runden nur zehn Treffer erzielte.

Altach ist Endspiel-erprobt, gefühlt ist es das fünfte „Alles-oder-nichts-Spiel“.

Mentaler Aspekt ist wichtig

Die Motivation von den Rängen ist der Mannschaft, die erstmals wieder mit Csaba Bukta (20) und Nosa Edokpolor (25) im Kader das 32. Bundesligaspiel gegen Ried bestreiten wird, gewiss. Erstmals seit dem 9. November 2014 wird eine Partie in der Altacher Cashpoint Arena ausverkauft sein. Damals gewann man vor knapp mehr als 8000 Besuchern das Heimspiel gegen RB Salzburg mit Trainer Adi Hütter und Spielern wie Naby Keïta (Liverpool), Konrad Laimer (Leipzig) oder Marcel Sabitzer (FC Bayern) mit 4:1. Heute nun ist ein Sieg ein Muss, wie auch Chefcoach Ludovic Magnin weiß. Die Kunst sei es deshalb, das richtige Maß zu finden zwischen „zu viel Druck oder den Druck aushalten“. Deshalb will sich der Schweizer auch gar nicht mit Statistiken auseinandersetzen. Wichtiger sei das Geschehen auf dem Platz. Und da sucht der 43-Jährige niemals Ausreden, auch nicht, was die bittere Niederlage in Hartberg betrifft. „Es war nicht der Elfmeter, es war nicht die Rote Karte – die Niederlage war das Ergebnis unseres Spiels. Und das war nicht gut.“

Das Ried-Spiel vor Augen habe die Mannschaft nun wieder die „Zündung in der Hand“, sagt Magnin mit dem Wissen um ein ausverkauftes Stadion. Das gelte es zu nützen, das wissen auch die Spieler. „Die Zuschauer müssen spüren: Wir fighten für den Verein, wir fighten um in der Liga zu bleiben.“ Deshalb müsse man wissen, dass „uns eine Partie mit vielen Zweikämpfen und kein spielerisches Feuerwerk erwartet. Morgen ist nicht Real gegen City, morgen ist Altach gegen Ried – und das ist Abstiegskampf pur“.

Magnin bringt es auf den Punkt: Für Altach geht es in den letzten drei Spielen um keinen Schönheitspreis, es geht um das sportliche Überleben in der Bundesliga. Dafür gelte es alles zu investieren. Für den Coach lebt die Chance, weshalb er auf Negativfragen, etwas die geringe Anzahl an geschossenen Toren – weniger als die Hälfte im Vergleich mit Ried – durchaus ein wenig gereizt reagiert. „Wir alle sind uns durchaus bewusst, dass es gegen Ried um alles oder nichts geht.“

Drei Runden vor Schluss also haben die Altacher noch die Möglichkeit, die Saison zu einem guten Ende zu bringen. Dass wichtige Stützen wie Noah Bischof (19) oder Felix Strauss (21) verletzungsbedingt fehlen bzw. gesperrt sind, ist deshalb nebensächlich. Für Altach gilt es, jene Qualität auf den Platz zu bringen, vor der auch Ried-Trainer Christian Heinle seine Spieler warnt. Detail am Rande: Der 37-Jährige war einst Interimscoach beim bislang einzigen Punktgewinn der Innviertler in dieser Saison gegen Altach.

„Wichtig ist, dass die Zuschauer hinter uns stehen, wenn auch nicht jeder Pass ankommt.“

„Das Wasser ist uns diese Saison schon mehrmals bis zur Nase gestanden und wir atmen immer noch.“

Hallo Altach, viele Punkte machen. Viel Glück.Nicolas Moumi Ngamaleu, 27 Jahre, BSC Young Boys (Altachs Rekordtransfer-Spieler)

Hallo Altach, viele Punkte machen. Viel Glück.

Nicolas Moumi Ngamaleu, 27 Jahre, BSC Young Boys (Altachs Rekordtransfer-Spieler)

Jetzt noch einmal zum Schluss: Kämpfen, Punkte holen und den Klassenerhalt schaffen. Wir alle wissen, Vorarlberg muss in der Bundesliga bleiben. Neven Subotic, 33 Jahre, vereinslos

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Es kommt zurück, wenn ihr euch reinhaut. Davon bin ich überzeugt. Ich stehe genauso hinter euch wie alle Fans. Daniel Maderner, 26 Jahre, Waasland-Beveren

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Jetzt gibt es nur ein gemeinsames Ziel und das ist der Klassenerhalt. Habt eine innere Überzeugung und nehmt die Fans mit. Sidney Sam, 34 Jahre, Karriereende

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Immer wieder, immer wieder SCR Altach. Wir haben noch drei Spiele, wir müssen einfach in der Liga bleiben. Samuel Oum Gouet, 24 Jahre, KV Mechelen

Immer wieder, immer wieder SCR Altach. Wir haben noch drei Spiele, wir müssen einfach in der Liga bleiben. Samuel Oum Gouet, 24 Jahre, KV Mechelen

Auf geht‘s Altach, kämpfen und siegen. Ich möchte auf keinen Fall nächste Saison mit der Vienna nach Altach fahren müssen. Also gebt‘s Gas. Andreas Lukse, 34 Jahre, Vienna FC (steht vor dem Aufstieg mit dem Klub in die 2. Bundesliga)

Auf geht‘s Altach, kämpfen und siegen. Ich möchte auf keinen Fall nächste Saison mit der Vienna nach Altach fahren müssen. Also gebt‘s Gas. Andreas Lukse, 34 Jahre, Vienna FC (steht vor dem Aufstieg mit dem Klub in die 2. Bundesliga)

Wie heißt es so schön, aufgegeben wird ein Brief. Auf alle Fälle sind meine Daumen gedrückt Harald Unverdorben, 41 Jahre, Karriereende (schoss Altach 2006 in die Bundesliga)

Wie heißt es so schön, aufgegeben wird ein Brief. Auf alle Fälle sind meine Daumen gedrückt Harald Unverdorben, 41 Jahre, Karriereende (schoss Altach 2006 in die Bundesliga)

FUSSBALL

Tabelle Qualifikationsgruppe

1. WSG Tirol 7 4 1 2 10:11 13

2. Admira Mödling 7 2 4 1 9: 8 10

3. LASK Linz 7 2 3 2 9: 8 9

4. TSV Hartberg 7 2 3 2 8: 4 9

5. SCR Altach 7 2 3 2 8:10 9

6. SV Ried 7 1 2 4 6:10 5