Austria zum Siegen verdammt

Sport / 07.05.2022 • 07:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Haris Tabakovic steht vor der Rückkehr ins Team der Austria. Gerade rechtzeitig, um noch ins spannende Saisonfinale einzugreifen.<span class="copyright">g</span><span class="copyright">e</span><span class="copyright">p</span><span class="copyright">a</span>
Haris Tabakovic steht vor der Rückkehr ins Team der Austria. Gerade rechtzeitig, um noch ins spannende Saisonfinale einzugreifen.gepa

Insolvenz von Wacker Innsbruck hängt dazu wie Damoklesschwert über Grün-Weiß.

Lustenau Bewegte Zeiten im Westen Österreichs. Die bevorstehende Insolvenz des Tiroler Traditionsklub Wacker Innsbruck bringt wie bereits berichtet den Tabellenführer der 2. Liga, Austria Lustenau, plötzlich in Nöte. Kurzum: Spielt Wacker die Saison nicht zu Ende wird es zu einer Annullierung aller Spiele mit Innsbrucker Beteiligung kommen. Die Conclusio daraus: Austria verliert drei Punkte, Meisterschaftskonkurrent FAC Wien nur einen, was Auswirkungen auf die Tabelle und den Ausgang des Meisterschaftsrennens hat.

„Wenn wir die letzten drei Matches gewinnen, spielen wir nächste Saison in der höchsten Liga. Egal was in Innsbruck oder beim FAC passiert.“

Alexander Schneider, Sportdirektor Austria Lustenau

Dass die Wiener gestern das Schlagerspiel gegen BW Linz mit 1:0 (0:0) gewinnen konnte, macht nun die Ausgangssituation für die Partie der Austria zuhause gegen St. Pölten nicht gerade leichter. Aktuell liegt man in der Tabelle einen Zähler hinter dem FAC, somit ist ein Sieg über die Niederösterreicher Pflicht.
Die VN hat sich einige – von unzähligen möglichen – Szenarien bezüglich der Causa Wacker Innsbruck und seine Auswirkungen auf die Grün-Weißen herausgepickt.

Den 28. Spieltag absolvierte Wacker Innsbruck udn unterklag SV Horn mit 2:3. Ob die Mannschaft den Rest der Saison noch zu Ende spielt ist aber noch offen.<span class="copyright">g</span><span class="copyright">e</span><span class="copyright">p</span><span class="copyright">a</span>
Den 28. Spieltag absolvierte Wacker Innsbruck udn unterklag SV Horn mit 2:3. Ob die Mannschaft den Rest der Saison noch zu Ende spielt ist aber noch offen.gepa

Wacker beendet Saison regulär Gelingt dies, wäre allen Parteien geholfen. Denn damit würde es im Meisterschaftsrennen zwischen der Austria und dem FAC keine Entscheidung auf dem grünen Tisch geben. Der Meister und Aufsteiger in die Bundesliga würde auf dem Sportplatz gefunden werden.

Wacker spielt nicht zu Ende Die Gründe für dieses Szenario sind mannigfaltig. Das Damoklesschwert dafür haben aktuell die Spieler des FC Wacker in der Hand. Weigern sich diese die letzten beiden Matches zu spielen – was ihnen rechtlich auch zusteht, da seit Monaten die Gehälter ausstehen – kommt es zur Annullierung. Zwar hat sich die Mannschaft geäußert, die Saison unbedingt zu Ende spielen zu wollen, doch gestern haben laut VN-Informationen weitere vier Spieler den Klub verlassen. Ein weiterer Faktor: Kann sich der Klub die Kosten für die letzten beiden Spieltage überhaupt noch leisten? VdF-Vorsitzender (Vereinigung der Fußballer) Gernot Zirngast, der seit Monaten mit den Spielern in Kontakt steht, sieht gute Chancen, dass die Mannschaft durchbeißt: „Die Jungs leisten unglaubliches. In so einer Situation, in der man seit Monaten auf sein Geld wartet, noch aufzulaufen, ringt mir viel Respekt ab. Meinen Infos zufolge werden die Spieler die Saison beenden.“

Insolvenzantrag vor Saisonende Die nächste Woche ist die der Entscheidung in Innsbruck. Bis Ende der Woche wird bzw. muss der Vorstand von Wacker die Insolvenz beantragen. Auszugehen ist davon, dass man die ausgegliederte Gmbh der Profiabteilung (kolportierte zwei Millionen Euro Schulden) in die Insolvenz schicken wird. Den Verein (eine Million Euro Schulden) wird man versuchen mit allen Mitteln zu retten, um sportlich zumindest nur in die Regionalliga abzusteigen und den Betrieb dort auf Amateurebene weiterführen zu können. Die Auswirkungen auf die Austria bezüglich einer Annullierung wären bei diesem Szenario gering. Denn ein Insolvenzantrag ist eine formelle Bekanntgabe, die viel Bürokratie nachsichzieht. Sprich es wäre Zeit gegeben, die Saison normal zu Ende zu spielen.

Annullierung, was dann? Tritt der für die Austria schlechteste Fall ein und man rangiert nach der 30. Runde punktegleich mit dem FAC und steigt wegen der Regelung, dass die direkten Duelle entscheiden, am Ende nicht auf, wird es wohl knifflig. Anzunehmen ist, dass der Ausgang dann juristisch angefochten wird. Was daraus entsteht ist nicht abzusehen, von den Auswirkungen bis in den Sommer hinein auf den österreichischen Spitzenfußball ganz zu schweigen.

Tabakovic vor Rückkehr

Muhammed Cham soll im so wichtigen Spiel gegen St. Pölten wieder die Fäden im Mittelfled der Austria ziehen.<span class="copyright">g</span><span class="copyright">e</span><span class="copyright">p</span><span class="copyright">a</span>
Muhammed Cham soll im so wichtigen Spiel gegen St. Pölten wieder die Fäden im Mittelfled der Austria ziehen.gepa

Während also die Tiroler die Schlagzeilen beherrschen, gibt es für die Austria noch drei Spiele in, die man erfolgreich bestreiten muss. Daher versucht die Mannschaft rund um Chefcoach Markus Mader das Thema Innsbruck außen vor zu lassen. „Wir schauen auf niemanden, unser Ziel ist es, die letzten drei Spiele zu gewinnen. Dann schauen wir was heraus kommt“, so Mader. Sportdirektor Alexander Schneider geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wenn wir die letzten drei Matches gewinnen, spielen wir nächste Saison in der höchsten Liga. Egal was in Innsbruck oder beim FAC passiert.“
Den Auftakt zu einer Siegesserie muss das Heimspiel morgen (10.30 Uhr) gegen St. Pölten machen. In das man als Favorit geht, auch weil man mit einer Rückkehr von Haris Tabakovic rechnen kann. Der Goalgetter (24 Tore) trainierte unter der Woche, heute wird ein letzter Fitnesstest über einen Einsatz entscheiden. Der unter den aktuellen Umständen enorm wichtig wäre, denn die Austria braucht Tore vom Schweizer. VN- MKR