Handball

Sport / 08.05.2022 • 18:44 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit dem Cuptriumph sicherten sich die Bregenzer Handballer auch den ersten ÖHB-Startplatz im European Cup für die kommende Saison.GEPA
Mit dem Cuptriumph sicherten sich die Bregenzer Handballer auch den ersten ÖHB-Startplatz im European Cup für die kommende Saison.GEPA

Bregenz Handball nach 32:30-Finalerfolg über Schwaz zum fünften Mal ÖHB-Cupsieger.

Hard Als sich Bregenz Handball vor unglaublichen 5921 Tagen, genau am 19. Februar 2006 beim Finalturnier in Hollabrunn nach 2000, 2002 und 2003 zum vierten Mal in der Geschichte den ÖHB-Cuptitel holte, war Ante Esegovic knapp zehn Jahre alt. Über 16 Jahre später war Esegovic der überragende Akteur beim fünften Triumpf der Festspielstädter im nationalen Cupbewerb. Nach den elf Toren beim 33:29-Erfolg im Halbfinale gegen Gastgeber Alpla HC Hard lieferte der Linkshänder auch im letzten Spiel seiner Karriere noch einmal eine absolute Galavorstellung ab. Mit zwölf Toren, darunter das alles entscheidende Tor zwölf Sekunden vor Ende der Verlängerung, fixierte er mit dem 32:30-Finalsieg gegen Schwaz den größten Erfolg der Bregenzer in den letzten zwölf Jahren und verwandelte die mit 2000 Fans gefüllte Sporthalle am See, eigentlich das Wohnzimmer des Lokalrivalen, in ein gelbes Meer. „Natürlich träumt man als Sportler vor einem letzten Spiel davon und es gibt eigentlich nichts Schöneres, als wenn der Traum in Erfüllung geht und man sich mit dem langersehnten Titelgewinn verabschieden kann. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die zu meinem Abschied wie im Märchen beigetragen haben.“

Durchfall und Übelkeit

Was viele Besucher nicht wussten, und nach den außergewöhlichen Auftritten von Esegovic bei seiner Abschiedstour kaum vorstellbar scheint, und deshalb der Leistung einen noch höheren Stellenwert einräumt, ist der Hintergrund, dass der Linkshänder beim Finalturnier sowohl mit körperlichen als auch gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte. „An den Umstand, dass ich am Tag nach einem Spiel wegen der Knieschmerzen kaum aus dem Bett komme, habe ich mich im Verlauf meiner vier Knieverletzungen schon gewöhnt. Vor dem Cupfinalturnier kam aber dazu, dass ich Durchfall hatte. Ob die Bauchkrämpfe und die Übelkeit im Zusammenhang mit dem Karriereende standen, kann ich nicht beurteilen. Fakt war, dass ich einer der ersten war, der kurz nach Mitternacht nach Hause gegangen ist. Doch damit kann ich gut leben, es gibt sicher noch eine Möglichkeit, die Feierlichkeiten nachzuholen.“

Das Duell um die nationale Cupkrone entwickelte sich für Bregenz wie schon das Halbfinale zu einem Charaktertest und einer Willensfrage. Beide Teams lieferten sich in ihrem jeweils letzten Saisonspiel zwar kein hochklassiges, dafür aber ein spannungsgeladenes Duell auf Augenhöhe von der ersten bis zur letzten Sekunde. Angetrieben von der zahlenmäßig klar überlegenen Fangemeinde verschaffte sich Bregenz nach dem 11:12 (24.) mit einem 5:0-Lauf auf 16:12 (29.) den ersten Vorteil. Nach Wiederbeginn lag man 21:17 (37.) vorne, ehe das Momentum auf Seiten der Tiroler kippte. Zunächst legte Alex Wanitschek zum 26:25 vor, ehe Mikhail Vinogradov mit dem Ausgleich die Verlängerung erzwang. In der war es dann wieder Bregenz, das sich in numerischer Überzahl auf 31:27 (65.) absetzen konnte. Doch die Tiroler ließen nicht locker und als dem ebenfalls seine Karriere beendenden Schwaz-Spielertrainer Gerald Zeiner der 31:30-Anschluss gelang, zeigte die Spieluhr exakt 69 Minuten. Im allerletzten Angriff war es dann Esegovic, der von Matic Kotar perfekt in Wurfposition gebracht wurde und mit seinem zwölften Treffer die Fans erlöste und dafür sorgte, dass die zwölfjährige Wartezeit seit dem Titelgewinn 2010 ein Ende fand. „Ich wollte mich mit einem Titel verabschieden und bin stolz, Wort gehalten zu haben“, betonte Esegovic mit einem Lächeln im Gesicht bei der Siegerehrung.

Europacupstartplatz gesichert

Angenehmer Nebeneffekt des Cuptitels ist, dass sich Bregenz den ÖHB-Startplatz im European Cup sicherte und im Herbst seine 20. Saison im europäischen Klubbewerb absolvieren wird.

„Ich wollte mich mit einem Titel verabschieden und bin stolz, Wort gehalten zu haben.“

Jubeltraube der Bregenzer Spieler nach dem Abpiff.
Jubeltraube der Bregenzer Spieler nach dem Abpiff.
ÖHB-Präsident Markus Platzer übergibt die Cupsiegertrophäe an Kapitän Lukas Frühstück.
ÖHB-Präsident Markus Platzer übergibt die Cupsiegertrophäe an Kapitän Lukas Frühstück.
Vier Jahre nach seinem zweiten Cupsieg mit Hard jubelte Marko Tanaskovic diesmal mit Bregenz.
Vier Jahre nach seinem zweiten Cupsieg mit Hard jubelte Marko Tanaskovic diesmal mit Bregenz.
Weggefährten und Freunde: Gerald Zeiner nach seinem letzten Spiel mit Markus Burger.
Weggefährten und Freunde: Gerald Zeiner nach seinem letzten Spiel mit Markus Burger.

ÖHB-Cup der Männer 2021/22

Final-Four-Turnier in Hard, Finale

Bregenz Handball – Schwaz Handball Tirol 32:30 n. V. (31:28, 26:26, 16:13)

Sporthalle am See, SR Radojko Brkic/Andrei Jusufhodzic (W)

Zweiminutenstrafen: 6 bzw. 7; Rote Karte: 25. Lochner (Schwaz, Tätlichkeit), 48. Timm (Bregenz, Foul)

Torfolge: 8. 5:3, 14. 6:7, 18. 8:7, 24. 11:12, 29. 16:12, 37. 21:17, 48. 23:23, 56. 25:26;
Verlängerung: 62. 27:27, 65. 31:27, 69. 31:30

Bregenz Handball: Aleksic, Häusle, Kroiss; Frühstück, Coric 5, Tanaskovic, Esegovic 12/1, Timm 2,
Vinogradov 2, Mohr, Wassel 1, Svecak 1, Kotar 4, Ramic, Vukicevic 5

Schwaz Handball Tirol: Alber, Kishou; Wanitschek 5, Spendier 4/3, Christoph Demmerer, Kristen, Wöss 3,
Medic 12/1, Wilfling, Hochleitner, Miskovez 4, Zeiner 2, Grothues, Lochner, Johannes Demmerer

Halbfinale 

Alpla HC Hard – Bregenz Handball  29:33 (14:16)

Schwaz Handball Tirol – HC Fivers WAT Margareten (TV)  35:29 (18:12)

ÖHB-Cup der Frauen 2021/22

Finale

Hypo NÖ (TV) – UHC Stockerau 24:17 (10:9)

Für Hypo NÖ war es der 33. Titel