Servus aus Italien

Sport / 09.05.2022 • 18:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Servus aus Italien

Ich sag‘s jetzt ganz einfach frei heraus: Das war einer der entspanntesten Grand-Tour-Starts, die ich je erlebt habe. Ein wenig Hektik, ja, aber kaum Stürze, und bis auf die letzten Kilometer jeder Etappe sind wir ein relativ gemütliches Tempo gefahren. Und das Zeitfahren ging auch nur über neun Kilometer.

Beim Zeitfahren habe ich definitiv 100 Prozent gegeben, mir die Strecke gut eingeteilt und die Kurven gut erwischt. Aber wie schon vor dem Giro befürchtet, fehlt es mir derzeit für das Zeitfahren leider noch etwas an Power, um ganz vorne mitmischen zu können.

Unser Teamresümee nach den drei Tagen von Ungarn? Die erste Etappe war, wie befürchtet, etwas zu schwer für uns. Beim Zeitfahren konnte sich keiner ganz vorne platzieren, und auch den Sprint am Sonntag haben wir alle etwas verbockt. Wir waren viel zu früh im Wind, und auf den letzten Kilometern sind uns sowohl Fahrer als auch Menpower ausgegangen.

Insgesamt also ein Wochenende zum Vergessen für unser Team. Wäre da nicht Rick Zabel gewesen. Denn es gab beim Zeitfahren eine Wertung von der letzten Zwischenzeit bis ins Ziel. Für den schnellsten Fahrer auf diesem Abschnitt gab es Bergpunkte. Dadurch dass Rick die ersten zehn Minuten richtig locker gefahren ist, hatte er die Power, um die letzten 1,3 Kilometer des Zeitfahrens den Anstieg hochzusprinten und sich die Punkte und das Bergtrikot zu sichern.

Am Sonntag trug er es noch stellvertretend für Spitzenreiter Mathieu van der Poel, aber durch eine weitere Bergwertung und die dabei gewonnenen Punkte ist er jetzt offiziell Träger des blauen Bergtrikots. Eine absolut clevere Aktion, sich als Sprintspezialist so das Maglia Azzurra zu sichern.

Viel Logistik

Heute nun sind wir auf Sizilien angekommen. Auch die Räder und die wichtigsten Teile des Equipments sind mit einem Charterflug nach Italien geflogen worden. Zudem ist alles angerichtet: Kitchentruck, Bus, Lkw und die anderen Teamfahrzeuge. Logistisch ein ziemlicher Aufwand, liegen doch fast 2000 Kilometer zwischen dem letzten Etappenort in Ungarn und dem ersten (Avola) auf Sizilien.

Für uns bietet sich am Mittwoch die nächste Sprintchance. Und dann gibt es keine Ausreden mehr: Dann müssen wir es besser hinbekommen und endlich ein gutes Resultat einfahren.

Matthias Brändle (32) ist Radprofi, ehemaliger Stunden-Weltrekordler und bestreitet für das israelische Team Israel Start Up Nation seine sechste Italien-Radrundfahrt.