Deshalb war Austrias Meistertrainer Edi Stöhr auch ein modischer Influencer

Sport / 10.05.2022 • 21:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Edi Stöhr in seiner legendären Jeansjacke, die als „‚Edi-Stöhr-Gedächtnisjacke“ in die Austria-Annalen einging. <span class="copyright">VN</span>
Edi Stöhr in seiner legendären Jeansjacke, die als „‚Edi-Stöhr-Gedächtnisjacke“ in die Austria-Annalen einging. VN

Der Erfolgstrainer erinnert sich an seine Austria-Zeit in drei Episoden und erzählt aus dem Nähkästchen

Lustenau Kein Trainer in der Geschichte der Austria hat den Klub so geprägt wie Edmund Stöhr, in Lustenau nur als Edi bekannt. Der heute 65-jährige Deutsche führte die Grün-Weißen nicht nur erstmals in die Bundesliga, er erlöste Vorarlberg fußball-technisch auch aus dem Dornröschenschlaf. Mit dem Meistertitel und dem verbundenen Aufstieg endete im Mai 1997 eine 23-jährige Durststrecke, in dem der heimische Fußball maximal Zweitligaformat aufwies.

„Mein Credo war vom ersten Tag an: immer gewinnen. Verlieren zu wollen ist nie ein Ziel.“

Edi Stöhr über seinen Start bei der Austria Lustenau

Doch Edi prägte die Stickergemeinde nicht nur in sportlicher Hinsicht. Denn der zuweilen störrisch Blickende inspirierte die Stickergemeinde auch in modischer Hinsicht. Seine legendäre Jeansjacke ging als „Austria-Lustenau-Gedächtnisjacke“ in die Klubgeschichte ein. „Bei einem Austria-Ball ist einer mal als Edi Stöhr in der Jeansjacke aufgetaucht“, erzählt der in Leipzig lebende Stöhr mit einem Lächeln – und einer gewissen Genugtuung. Zumal sein Kontakt nie abgerissen ist. Verständlich holte ihn Ex-Präsident Hubert Nagel noch zwei weitere Mal nach Lustenau. Und mit dem erstmaligen Einzug ins österreichische Pokalfinale (2011) gegen Ried (0:2) sorgte er für einen weiteren Meilenstein.
Für die VN erinnert er sich an die letzte Mai-Woche der Saison 1096/97 und die Vorbereitung auf das titelentscheidende Unentschieden (1:1) bei Vorwärts Steyr. „Die Mannschaft war eine besondere Mischung aus frischen, jungen Spielern und Routiniers. Die Basis für den Titel wurde aber im Sommer davor gelegt, als Spieler wie Roger Prinzen, Jörn Janzen, Helgi Kolvidsson, Steffen Bury oder Richard Padmore bei uns ein Probetraining absolvierten und wir gleich alle fünf verpflichteten. Die Qualität bei uns war hoch, aber auch in der Liga. Da mussten wir uns schon strecken.“ Umso mehr hat sich bei ihm die Feier nach dem Spiel eingeprägt. „Wir hatten einen Eimer mit Getränk, den hat mir der lebenslustige Martin Unger über meine Privatkleider geleert. Alles klebte, auch die Haare, und ich hatte nichts mehr zum Wechseln. So musste ich in einem verschwitzten Trainingsanzug die Heimreise antreten.“ Ähnliches wünscht er nun Austria-Trainer Markus Mader (53), den er als Spieler von Hard nach Lustenau lotsen wollte. „Ich kann mich noch gut an ihn erinnern. Mit Hubert (Anm. d. Red.: Nagel) haben wir uns über ihn unterhalten. Er war ein feiner Fußballer. Warum der Transfer nicht geklappt hat, weiß ich nicht mehr. Ich wünsche ihm, dass er die nächste Erfolgsgeschichte der Austria schreibt.“ Eingeprägt hat sich Stöhr auch die Worte von Harald Schroll nach dem Titelgewinn. „Wir haben nur wegen dem Trainer gewonnen“, spricht Stöhr die damaligen Worte des Tirolers nach. Was ihm noch geblieben ist? „In der Trainingswoche vor dem Spiel waren alle sehr konzentriert.“

Roger Prinzen (links) und Andreas Lipa (rechts) feiern Meistertrainer Edi Stöhr. <span class="copyright">VN</span>
Roger Prinzen (links) und Andreas Lipa (rechts) feiern Meistertrainer Edi Stöhr. VN
Lustenaus Trainer in der 2. Liga: Eric Orie (l.) und Edi Stöhr (Austria). <span class="copyright">VN</span>
Lustenaus Trainer in der 2. Liga: Eric Orie (l.) und Edi Stöhr (Austria). VN
Vor dem Ländle-Derby 2010 mit dem damaligen Altach-Coach Adi Hütter. <span class="copyright">VN</span>
Vor dem Ländle-Derby 2010 mit dem damaligen Altach-Coach Adi Hütter. VN
Anlässlich des ÖFB-Cupfinals 2011 mit Ried-Coach Paul Gludovatz. <span class="copyright">gepa</span>
Anlässlich des ÖFB-Cupfinals 2011 mit Ried-Coach Paul Gludovatz. gepa

Ausgleich finden beim Malen

Auch wenn er nicht mehr aktiv an der Linie steht („Ich kann mir durchaus vorstellen, noch einmal einzusteigen“), so ist Edi doch dem Fußball treu geblieben. Stets unterstützt von Gattin Sybille, über die er sagt: „Meine Frau hat in Sachen Fußball den perfekten Sachverstand. Ihr Auge für ein Abseits ist einfach unübertrefflich.“


Er selbst hat im Malen einen schönen Ausgleich zum Fußball gefunden. Allerdings, so erzählt er, hätte nach der Pandemie für ihn die Reisetätigkeit wieder zugenommen. Seine Expertisen nach Beobachtungen von Spielen und Spielern ist nach wie vor sehr gefragt. Hat er doch über Jahre auch in Trainer-Zeitschriften bzw. für ausländische Verbände schriftlich Analysen zu Papier gebracht. Die Austria verfolgt Stöhr, der vor seiner ersten Cheftrainertätigkeit als Co-Trainer bei 1860 München und Stuttgarter Kickers gearbeitet hat, auch heute noch sehr intensiv. Die „wundersame Wandlung zum Fastaufsteiger“ freut den Deutschen von Herzen. Zumal er selbst drei Epochen (1994 bis 1999, 2001 bis 2003 und 2009 bis 2011) bei den Grün-Weißen prägte. Und dann klingt zum Abschied doch ein bisschen Wehmut mit, wenn er sagt: „Ich habe mir immer vorstellen können, dass ich mein Trainerleben bei der Austria verbringe.“