Alles unter einem Dach

Sport / 11.05.2022 • 17:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Nordische Schanzenzentrum in Tschagguns wird ganzjährig genützt. sms
Das Nordische Schanzenzentrum in Tschagguns wird ganzjährig genützt. sms

1993 eröffnete das Ski-Internat in Tschagguns seine Pforten.

Schruns Schon der erste Jahrgang der Schrunser Skihauptschule war mit Talenten gesegnet. Die Gruppe von 1972/73 hatte Johannes Strolz, 1988 Olympiasieger in der Kombination, in ihren Reihen. Oder Christian Orlainsky, Patricia Kästle sowie die Mathis-Schwestern Marlies und Cornelia.

Es war Zufall, dass als Standort das Montafon auserkoren wurde. Peter Both, der Antreiber des Schulversuchs, erinnert sich, dass der frühere Landeshauptmann Herbert Kessler Dornbirn präferierte. Dort war bereits die Landessportschule angesiedelt, er wollte ein Zentrum für alle Sportarten installieren. Der Skiverband war aber aus logistischen Gründen dagegen, die Skigebiete fürs Training waren zu weit weg. Mit Lech und Alberschwende brachten sich zwei Konkurrenzstandorte in Stellung, aber Schruns gab das beste Angebot ab. „Der Bregenzerwald und der Arlberg waren danach lange böse auf das Montafon“, weiß Both. Edwin Fritz, der Sportliche Leiter im Vorarlberger Verband, empfahl das Montafon, weil es dort – Definition Both – „einen Spinner“ gab, der dem Unternehmen zu viel Schwung verhalf.

Bei der Umsetzung waren alle dabei: der Skiverband, der Lehrkörper der Mittelschule Schruns, die Gemeinden Schruns und Tschagguns, der Schulverband Außermontafon, die Bezirks- und Landesschulbehörde, die Schulabteilung der Landesregierung und die Liftgesellschaften.

Skipässe seit 50 Jahren

Für alle Kinder, Trainer und Betreuer gibt es seither die kostenlose Liftbeförderung, 60 ganzjährig gültige Skipässe werden jeweils im Herbst bereitgestellt. Ebenso die präparierten Pisten. „Am Anfang war es mit der Benützung des Geländes schwieriger“, lassen die Erinnerungen Both etwas schmunzeln. „Da waren auch Leute am Werk, die nicht auf die Rennläufer gewartet haben. Dann und wann gab es Diskussionen mit einem Diplom-Ingenieur der Illwerke, der nur den Strom gesehen hat. An Weihnachten verweigerte er uns die Pistennutzung. „Unmöglich“, sah er die Gäste beim Urlaubsvergnügen belästigt. Der Einwand: „Wir fahren am Rand.“ – „Auf gar keinen Fall.“ Also bauten die Skischulpioniere selber einen Lift und präparierten in Latschau eine eigene Piste. Ferdinand Orlainsky konstruierte eine Aufstiegshilfe, Walter Salzgeber, der Vater von Ex-Rennläufer Rainer, trieb ein Pistengerät auf. Both: „In Zeiten, in denen wir nicht gern gesehen waren, sind wir damit gefahren.“ 1989 gründete sich der Verein Schulskiheim Tschagguns, ein baukünstlerischer Wettbewerb stand dem heutigen Internatsgebäude Pate. Der Baubeginn erfolgte 1990, im Herbst 1993 zogen die ersten Schüler ein, die Eröffnung folgte im Juni 1994. Both: „Endlich gab es ein Haus, in dem für 39 Schüler Lernen, Sport, Wohnen, Freizeit und Erholung unter einem Dach stattfand.“

Mahnende Worte des Präsidenten

Die bisher letzte infrastrukturelle Maßnahme stieß Peter Schröcksnadel, der ÖSV-Präsident, an. Bei einer Jahreshauptversammlung des Vorarlberger Skiverbandes in Bregenz monierte er vor versammelter Landespolitik: „In Vorarlberg werden die Nordischen hängen gelassen.“ Das Nordic Konzept mit einem Schanzenzentrum in Tschagguns, an dem u. a. Toni Innauer oder Werner Nachbauer von der Sportuni Innsbruck mitarbeiteten, bekam mit dem Zuschlag für das Europäische Olympische Jugendfestival neuen Schwung.

Der damalige Landesrat Siegi Stemer, der gute Beziehungen zu Nachbar Liechtenstein pflegte, war es im Zusammenspiel mit dem Fürstentum gelungen, diese Veranstaltung 2015 ins Land zu holen. 2012 genehmigt der Landtag einstimmig das Nordic Zentrum am Werkweg. „Das Einstimmige sollte man ein bisschen betonen“, verleiht Both dem politischen Beschluss für das Schanzenzentrum Gewicht.

Pioniere, die für die Schüler der Skihauptschule einen eigenen Lift konstruierten. sms
Pioniere, die für die Schüler der Skihauptschule einen eigenen Lift konstruierten. sms

Teil 5: Das Geschenk zum 50-Jahr-Jubiläu, der Skimittelschule Schruns.