Der Start erfolgt am Zielort

Sport / 11.05.2022 • 20:49 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
David Hussl (2. v. r.) querte im März in 8,5 Tagen mit dem Austrian Ocean Race Project den Atlantik. Privat
David Hussl (2. v. r.) querte im März in 8,5 Tagen mit dem Austrian Ocean Race Project den Atlantik. Privat

49er-Segelduo Bildstein/Hussl startet in Marseille die Olympiakampagne für Paris 2024.

Marseille Fünf Monate nach dem zehnten Rang bei der WM im November hat das 49er-Segelduo Benjamin Bildstein und David Hussl in Marseille seine zweite Olympiakampagne gestartet. Nach Rang zehn in Tokio wollen der 30-jährige Wolfurter und sein gleichalter Vorschoter aus Tirol in zwei Jahren bei den an selber Stelle an der französischen Mittelmeerküste stattfindenden Segelbewerben bei den Sommerspielen 2024 in Paris vorne mitmischen und eine Medaille holen.

Bildstein über das Comeback: „Wir haben uns eine fünfmonatige Auszeit gegönnt. Ich habe sie genützt, um im Winter in Lech am Arlberg eine Pistenraupe zu fahren, David ist über den Atlantik gesegelt. Darüber hinaus haben wir uns körperlich fit gehalten. Alles in allem haben wir unsere Ziele für diese Zeit erreicht. Wir wollten frische Ideen sammeln, richtig motiviert und ambitioniert zurückkommen. Jetzt sind wir wieder am Wasser, sind unglaublich happy wieder segeln zu können und haben aus der intensiven Analyse unserer letzten Olympiakampagne ein paar Gedanken herausgearbeitet, die wir umsetzen wollen. Das haben wir jetzt vor und der erste Eindruck ist schon sehr gut. Klar müssen wir im Gegensatz zur Konkurrenz, die durchtrainiert hat, noch einiges aufholen. Momentan sind wir aber sehr zufrieden mit dem Stand der Dinge.“

Bildstein über das Trainerteam: „Wir haben das Glück, dass alle Sponsoren und Gönner in der neuen Kampagne wieder dabei sind. Wir haben vom Österreichischen Segel-Verband auch schon für Tokio ein sehr gutes Betreuerteam zur Verfügung gestellt bekommen. Jetzt haben wir beschlossen, dass wir dieses erweitern und umbauen. Doppel-Olympiasieger Roman Hagara soll ausschließlich den Fokus auf Material und Technologie legen. Ivan Bulaja wird weiter als Klassen-Trainer fungieren. Daneben wird Paul Brotherton, der selbst an Olympischen Spielen 1992 teilgenommen hat, die Agenden es Performance-Coaches wahrnehmen. Ich glaube, jetzt sind wir sehr gut aufgestellt und gespannt, was wir erreichen können.“

Bildstein über die Trainingsschwerpunkte: „Wir hatten durch die Auszeit keine Saisonvorbereitung. Deshalb muss nun alles im Schnelldurchlauf passieren. Wir werden zunächst an den Basics und Automatismen arbeiten. Wir wollen gleich die Motivation und Frische nützen, viele Wasserstunden sammeln, um den Rückstand aufzuholen und beim ersten Wettkampf in Almere gerüstet zu sein.“

Bildstein über die Ziele: „Unser großes Ziel ist klar die Olympia-Qualifikation im nächsten Jahr. Vorerst müssen wir uns orientieren und schauen, wo die Konkurrenz steht. Bei der EM Ende Juni in Aarhus wollen wir erstmals auch auf ein Ergebnisziel hinarbeiten und ein erstes Zwischenresümee ziehen. Im Herbst haben wir mit der WM in Kanada definitiv den Höhepunkt des Jahres. Da wollen wir voll angreifen und um die Medaillen mitmischen.“

Hussl über die ersten Einheiten in Marseille: „Nach der langen Pause war natürlich das Feuer und der Wunsch wieder einen 49er zu segeln schon sehr groß. Nachdem ich bei der Atlantikquerung auf einem deutlich größeren Schiff einige Zeit verbracht habe, macht das ‚Comeback‘ am 49er-Skiff unglaublich Spaß und dementsprechend cool waren auch die ersten Einheiten. Wir hatten Spaß am Boot und Spaß miteinander. Es fühlt sich sehr gut an. Wir haben schnell wieder hineingefunden. Natürlich haben wir noch keinen Wettkampf ind direkten Vergleich mit der internationalen Konkurrenz gehabt, aber es fühlt sich einfach gut an. Wir haben noch die einen oder anderen Schritte vor uns, aber wir sind auf einem guten Weg und sind sehr optimistisch, dass das schnell wieder gut wird.“

Hussl über das Olympiarevier: „Wir sind immer sehr früh in den Olympia-Revieren, um zu trainieren. Im Segelsport macht es einen großen Unterschied, ob man sich an dem Ort, an dem man segelt und an dem die Wettkämpfe ausgetragen werden, zu Hause fühlt. Aber auch die Topografie hier an Land mit vielen Bergen und Felsen spielt eine große Rolle. Dies Feinheiten gilt es in den nächsten Wochen bzw. in den nächsten zwei Jahren ganz genau zu erforschen. Wir haben mit Elena Cristofori auch unsere altbewährte Meteorologin zur Seite, mit der wir schon lange zusammengearbeitet haben und mit der wir auf einem sehr hohen Level arbeiten können. Aber es braucht einfach die Zeit am Wasser vor Ort, um dann bei den Sommerspielen gerüstet zu sein und zu wissen, von wo der Wind kommen wird und wo man hinfahren muss.“

Hussl über Erinnerungen an Marseille und das Revier im Vergleich zu Enoshima: „Unsere erste gemeinsame 49er-WM 2013 haben wir hier in Marseille bestritten – das war ein erster Höhepunkt in unserer Karriere. Wir haben die Goldflotte erreicht und Rang 17 belegt. Wir haben aber sehr gute Eindrücke gesammelt. 2019 war das Weltcupfinale hier, das wir auf Rang zwei abgeschlossen haben. Es sind sehr viele positive Erinnerungen an die wenige Zeit, die wir in Marseille verbracht haben. Die guten Erinnerungen werden wir sicher mitnehmen, um jetzt bei den Trainings die Gegend noch besser kennenzulernen, damit wir uns hier zu Hause zu fühlen. Jedes Revier hat seine Eigenheiten und speziellen Anforderungen an die Segler. Im Gegensatz zu Enoshima sind wir hier aber doch mehr in einer geschützten Bucht, als es in Japan der Fall war. Die Gegend hat aber auch ihre Tücken und schwer berechenbare Landwinde mit den drehenden Winden und zum Teil hohe Wellen sind die Faktoren, die wir bis zu bis Paris 2024 in Griff bekommen müssen.“ VN-JD

„Im Winter als Pisteraupenfahrer zu arbeiten, war immer ein großer Traum von mir.“

Bejamin Bildstein und David Hussl werden Anfang Juni vor Almere ihre erste Regatta bestreiten. OeSV
Bejamin Bildstein und David Hussl werden Anfang Juni vor Almere ihre erste Regatta bestreiten. OeSV
Der Start erfolgt am Zielort