Warum die Austria-Fanfahrt nach Steyr vor 25 Jahren Woodstock-Status erlangte

Sport / 12.05.2022 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein blutjunger Austria-Fan ganz in grün-weiß gefärbt während der legendären Fanfahrt im Zug nach Steyr. <span class="copyright">Austria Lustenau</span>
Ein blutjunger Austria-Fan ganz in grün-weiß gefärbt während der legendären Fanfahrt im Zug nach Steyr. Austria Lustenau

Bengalo im Zug, Polizeieskorte zum Stadion und am Schluss der Meistertitel mit Bundesligaaufstieg.

Lustenau Es hat einen Hauch von Woodstock an sich. Und viele Austrianer wissen bei der Frage „Warst du dabei?“ sofort, was damit gemeint ist: die Fanfahrt im Zug nach Steyr, wo damals 200 Anhänger in vier Waggons den Tripp zum bis dahin größten Tag in der Vereinsgeschichte mitmachten. Dass die Fahrt zu einem unvergesslichen Ereignis mit Einmaligkeitscharakter wurde, hatte vor allem mit einem Vorfall irgendwo in der Weite des Salzburger Landes zu tun. Dort zündete ein Jugendlicher in einem der Waggons ein Bengalo, das Abteil flackerte wie ein Christbaum voller Sternspritzer.

Gleich wurde die nächste Gendarmeriestation informiert, ein Kordon von Dutzenden Beamten begleitete die Fans bis zum Zielbahnhof in St. Valentin und danach mit einer stattlichen Eskorte ins Stadion nach Steyr.

Eine große Zahl von Polizisten begleitete die Busse mit den Fans zum Stadion. Sie glaubten, es kommen Hooligans, aber es waren fröhliche  Menschen.
Eine große Zahl von Polizisten begleitete die Busse mit den Fans zum Stadion. Sie glaubten, es kommen Hooligans, aber es waren fröhliche Menschen.

Die schönsten Stunden

„Ich war als 15-jähriger Bub dabei und vergesse nie, wie viel Polizei uns damals plötzlich umzingelte. Die Beamten waren im Umkreis von Linz in großer Zahl in Bereitschaft, weil zum selben Zeitpunkt das Linzer Derby in der Bundesliga stattfand“, erinnert sich Vincent Baur, heute Geschäftsführer der Austria.

Für ihn sind es damals, am 31. Mai 1997, immer noch die schönsten Stunden als Austrianer. „Ich vergesse nie, wie positiv die Stimmung bei allen war. Das haben dann auch die Polizisten bald einmal gemerkt.“

Im Zug auf der Rückreise kannte der Jubel keine Grenzen. Vorarlberg hatte wieder eine Bundesligamannschaft.
Im Zug auf der Rückreise kannte der Jubel keine Grenzen. Vorarlberg hatte wieder eine Bundesligamannschaft.

Polonaise im Bahnhof

Tatsächlich befanden sich ganze Familien vom Opa bis zum Enkel als Fangefolgschaft im Zug. 200 weitere Lustenauer waren mit Pkw an den Ort des größten sportlichen Triumphs gekommen und feierten ihre Mannschaft im Gästeblock nach dem 1:1 Remis und dem damit verbundenen Meistertitel überschwänglich.

Zu berührenden Szenen kam es bei der Rückfahrt auch im Bahnof Linz. Austrias Fan-Legende Rudolf König spielte mit seiner Trompete die zur Fankultmelodie aufgestiegene Aida-Arie, während Dutzende Austria-Fans in Polonaise-Formation durch den Bahnhof zogen. Da konnten auch die meisten der zahlreichen Polizisten nur noch lächeln.