Altach ist wieder da, denn: Totgesagte leben länger

Sport / 15.05.2022 • 18:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Wird in der Endphase der Meisterschaft immer mehr zum Leithammel: Mit seinen 32 Jahren geht Atdhe Nuhiu, der in der Südstadt sein fünftes Bundesliga-Saisontor für Altach erzielte, voran. <span class="copyright">gepa</span>
Wird in der Endphase der Meisterschaft immer mehr zum Leithammel: Mit seinen 32 Jahren geht Atdhe Nuhiu, der in der Südstadt sein fünftes Bundesliga-Saisontor für Altach erzielte, voran. gepa

Der Cashpoint SCR Altach rettet sich mit dem 3:0-Sieg in der Südstadt über Admira Mödling in ein Endspiel, an das zuvor fast nur noch das Team selbst glaubte.

Maria Enzersdorf „Es lag in der Luft, dass wir was mitnehmen und die Saison noch nicht zu Ende ist.“ Altachs Sportchef Werner Grabherr strahlte in der Südstadt mit der Sonne um die Wette. Ein Traumtag, viel zu schön, um abzusteigen. Nach dem 3:0 beim Angstgegner haben es die Vorarlberger jetzt sogar in der eigenen Hand und können mit einem Sieg über WSG Tirol am Freitag den Klassenerhalt schaffen. „Das kann uns noch einmal einen Schub geben. Wir dürfen aber noch nicht zu euphorisch werden“, weiß Kapitän Philipp Netzer.

„Jetzt haben wir das Endspiel, und da werden wir nichts mehr
anbrennen lassen
.“

Werner Grabherr über das Spiel am kommenden Freitag gegen die WSG Tirol

“Die Bude anzünden”

Freilich war die Freude über den wichtigen Schritt enorm. Die Altach-Spieler feierten nach Schlusspfiff mit ihren lautstarken Fans, in der Kabine mit Partymusik und im Bus bei der langen Heimfahrt. „Ich habe Trainer nie verstanden, die das verbieten. Das Wichtigste ist, dass eine Kabine lebt“, so Trainer Ludovic Magnin. „Wir müssen am Boden bleiben und den gleichen Biss zeigen. Es ist noch ein großer Schritt zu tun.“ Grabherr ist zuversichtlich: „Jetzt haben wir das Endspiel, und da werden wir nichts mehr anbrennen lassen. Wir haben es jetzt in der eigenen Hand. Das Stadion muss voll sein, und wir werden die Bude noch einmal richtig anzünden.“ Andi Herzog ist sich sicher, “dass Altach gegen Tirol gewinnt, denn die Tiroler sind schon weiter”.

Die Statistik zum Spiel gibt es hier

Spaß am Leiden

Dass seinem Team in diesem Fall kein Remis beim LASK reichen würde, ärgert den Admira-Coach extrem: „Dieses Sternderl ist der größte Scheiß. Wir haben bei der Punkteteilung zehn Punkte verloren und Altach nur sieben. Und trotzdem kriegen sie noch diesen Bonus.“ Für den Gegner fand Herzog lobende Worte: „Altach zeigt viel Moral und Leidenschaft, obwohl sie ihre Probleme haben.“ Magnin: „Wir haben gesagt, wenn wir die Klasse halten wollen, müssen wir Spaß haben, zusammen zu leiden.“ So gesehen hatte Altach die ersten 70 Minuten ganz viel Spaß – denn da ging bis auf eine Monschein-Chance gar nichts! Durch Rieds Führung gegen den LASK stand man schon mit eineinhalb Beinen in der 2. Liga. „Das Spiel war wie die Saison. Da hat man immer nur gehört, Altach ist Fixabsteiger. Wir haben aber an uns geglaubt und hart gearbeitet“, freute sich Atdhe Nuhiu (1 Tor, 2 Assists). „Was das Trainerteam alles seit Winter aufgestellt hat, sieht man von außen gar nicht. Heute hat uns der Fußballgott etwas zurückgegeben.“

Freude über Reiters Wut

Tatsächlich hatte der Sieg in der Südstadt historische Ausmaße. Seit September 2018 hatte Altach hier kein Match mehr gewonnen, seit 19 Spielen und fünf Jahren gegen die Admira nicht die Null gehalten. Stefan Haudum gelang das erste Tor seit neun Monaten, Dominik Reiter überhaupt das erste im Altach-Dress. Selbiges riss er sich nach dem Tor vom Leib, um es dem Trainer zu geben – aus Wut, dass der ihn zuvor auf der Bank schmoren ließ. „Wir haben vor ein, zwei Wochen mit ihm geredet, dass er mehr für die Mannschaft bringen muss“, verriet Magnin und war dem Schützen zum erlösenden 2:0 für seine Reaktion nicht böse: „Eine super Geschichte.“ Der Matchplan des Schweizers, gegen die Admira nicht zu früh zu riskieren, ging voll auf. Erst mit den Einwechslungen wurde Altach offensiver. Das Kopfballtor von Nuhiu war für Grabherr „der Dosenöffner“. Der Jubel danach enorm: „Klar, wenn du das ganze Frühjahr schlechtgeredet wirst und der Druck jedes Mal so hoch ist.“ Dass Nuhiu zum Matchwinner mutierte, freut Magnin besonders: „Als ich gekommen bin, war Atdhe nicht fit, hatte kein Selbstvertrauen. Er wurde immer besser und trifft und trifft jetzt im Training. In der Besprechung vor dem Match hab ich ihm gesagt: ,Es wird Zeit, dass das Netz nicht nur im Training wackelt.’ Wenn er das immer so umsetzt, werde ich es ihm am Freitag nochmal sagen.“ chk