Viel Tradition und doch etwas Neues

Sport / 24.06.2022 • 18:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Polin Iga Swiatek ist aktuell das Maß aller Dinge im Tennissport.USAToday
Die Polin Iga Swiatek ist aktuell das Maß aller Dinge im Tennissport.USAToday

Erstmals keine Weltranglistenpunkte in Wimbledon.

London Nach dem Ausfall 2020 und einem Pandemie-beeinflussten Turnier 2021 stehen auch die 135. All England Tennis-Championships unter keinem guten Stern. Corona schwirrt noch herum, vor allem aber der Ukraine-Krieg wirkt auf das dritte Majorturnier des Jahres aus. Profis aus Russland und Belarus sind ausgeschlossen, weshalb keine Weltranglistenpunkte vergeben werden. Als Favoriten gelten die Polin Iga Swiatek und der Serbe Novak Djokovic, im Fokus stehen auch Serena Williams und Rafael Nadal.

Der Ausschluss der Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus durch den Veranstalter hat im Vorfeld zu heftigen Diskussionen und Konsequenzen der großen Tennis-Organisationen geführt. Der Tennis-Weltverband ITF sowie ATP (Männer) und WTA (Frauen), die bei ihren Turnieren Russen und Belarussen unter neutraler Flagge zulassen, entschieden, keine Weltranglistenpunkte zu vergeben und ernteten dafür heftige Kritik von Wimbledon.

Nummer 1 der Welt fehlt

Sie begründeten ihren Schritt mit ihrem Grundsatz, dass bei ihren Turnieren „alle Spieler ohne Diskriminierung und einzig aufgrund ihrer Meriten“ spielberechtigt seien. In London allerdings können Topleute wie der Weltranglisten-Erste Daniil Medwedew und Landsmann Andrej Rublew (ATP-8.) oder die zweimalige Grand-Slam-Turniersiegerin Victoria Asarenka sowie Aryna Sabalenka (WTA-6.), beide aus Belarus, nicht teilnehmen. Erstmals seit 2009, als Nadal verletzt war, fehlt damit die Nummer 1 der Welt. Die im vergangenen Jahr gewonnenen Weltranglistenpunkte fallen am Ende des diesjährigen Turniers ersatzlos aus der Wertung. Leidtragender ist dabei Titelverteidiger Djokovic. Der Serbe verliert 2000 Punkte, die er nicht ersetzen kann – selbst wenn er gewinnt.

Djokovic ist nach dem Out von Medwedew topgesetzt, hat zuletzt dreimal in Serie gewonnen und geht auf seinen siebten Wimbledontitel los. Der 35-Jährige würde mit einem weiteren Erfolg solo die Nummer zwei in der Liste der Allzeitsieger von Grand-Slam-Turnieren. Djokovic hält so wie der Schweizer Roger Federer bei 20 Triumphen, Nadal ist heuer mit Siegen bei den Australian Open und den French Open auf 22 davon gezogen.

In Wimbledon haben die großen Vier dieses Jahrtausends (Nadal, Djokovic, Federer imd Andy Murray) seit 20 Jahren (Lleyton Hewitt 2002) den Titel stets unter sich ausgemacht. Der spanische Sandplatzkönig Nadal hat auf dem Rasen von Wimbledon aber nur zweimal (2008 und 2010) gewonnen.

Favoritin Swiatek

Bei den Frauen führt der Weg zum Pokal über die junge Seriengewinnerin dieser Saison. Die in der Weltrangliste überlegen führende Iga Swiatek hält seit Februar bei 35 Einzelsiegen hintereinander und hat der Reihe nach Titel in Doha, Indian Wells, Miami, Stuttgart, Rom und bei den French Open in Paris geholt. Seit 1990 haben nur Martina Hingis (37) und Monica Seles (36) längere Erfolgsserien geschafft. Die 21-jährige Polin entschied 2018 das Juniorinnenturnier für sich, im Frauenbewerb kam sie bisher aber nie ins Viertelfinale.

Serena Williams wieder da

Auf den Wimbledon-Erfolg ist aber auch Serena Williams heiß. Die 40-jährige US-Amerikanerin gibt nach einem Jahr Spielpause ein Comeback und setzt ihre Jagd nach dem Grand-Slam-Titelrekord fort. Williams hat bisher 23 Mal eines der vier großen Turniere gewonnen, ein Erfolg fehlt auf den Rekord der Australierin Margret Court (24). In Wimbledon, wo sie schon siebenmal gewonnen hat, besitzt sie die wohl besten Chancen, sich ihren 24. Triumph zu holen. Williams stand seit ihrem bisher letzten Grand-Slam-Titel bei den Australian Open 2017 und der anschließenden Babypause viermal in einem Major-Finale (darunter 2018 und 2019 auch in Wimbledon), musste sich jedoch stets geschlagen geben. Im vergangenen Jahr hat die im März zurückgetretene Australierin Ashleigh Barty den Titel geholt.

Die ersten beiden Grand Slams des Jahres in Australien und Paris konnte Rafael Nadal gewinnen. In Wimbledon auf Gras zählt er aber nicht zum Favoritenkreis.apa
Die ersten beiden Grand Slams des Jahres in Australien und Paris konnte Rafael Nadal gewinnen. In Wimbledon auf Gras zählt er aber nicht zum Favoritenkreis.apa