Eine neue Zeitrechnung beginnt

Sport / 22.07.2022 • 20:45 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Austrias Roger Prinzen im Duell mit Salz-burg-Kapitän Adi Hütter im Jahr 2000.
Austrias Roger Prinzen im Duell mit Salz-burg-Kapitän Adi Hütter im Jahr 2000.

Austria Lustenau feiert morgen ab 17 Uhr gegen WSG Tirol das Comeback in die Bundesliga.

Lustenau Wenn morgen das Reichshofstadion ab 15.30 Uhr seine Pforten öffnet, startet Austria Lustenau in ein neues Kapitel der Fußballgeschichte. Nach genau 8094 Tagen absolviert die Mannschaft von Cheftrainer Markus Mader wieder ein Match in der höchsten Liga Österreichs. Um es zu verdeutlichen: Das letzte Spiel fand am 27. Mai 2000 zuhause statt, Gegner war Austria Salzburg – für die jüngeren Leser: Damals waren die Salzburger noch in Violett gekleidet und waren fünf Jahre davon entfernt, sich in Red Bull Salzburg zu verändern. Das Spiel ging aus Sicht der Lustenauer mit 0:2 verloren, ein gewisser Toni Polster erzielte dabei den Treffer zum 0:1, Adi Hütter führte die Salzburger als Kapitän aufs Feld.

Lange Wartezeit

Danach war es 22 Jahre lange zappenduster, was einen Wiederaufstieg der Grün-Weißen betraf. Zwar kratzte man in einigen Saisonen in der 2. Liga am Meistertitel, bewerkstelligt hat man den großen Wurf aber erst in der letzten Saison. Just unter einem Trainerteam, das rein aus Vorarlbergern bestand. Markus Mader mit Co Martin Schneider und Tormanntrainer Mathias Nesler schafften das, was Coaches wie Roman Mählich, Gernot Plassnegger, Andreas Lipa, Andreas Heraf, Heinz Fuchsbichler, Lassaad Chabbi oder Helgi Kolvidsson nicht schafften.

Volksfeststimmung

Umso größer ist nun die Vorfreude im Lager der Austria. Das Projekt Bundesliga startet mit dem Heimspiel gegen WSG Tirol. Man erwartet sich ein volles Haus. Knapp 4500 Zuschauer sind von der Bundesliga im Reichshofstadion zugelassen. Die Sitzplatzkarten sind schon lange vergriffen, Stehplätze sind nur mehr einzeln vorhanden. Man brennt also auf die Austria.

Genauso heiß auf das Comeback-Spiel wie die Fans ist die Mannschaft. Matthias Maak wird die Austria als Kapitän aufs Feld führen. Der Steirer erwartet sich nicht nur ein für den Klub spezielles Spiel, „sondern es ist auch für mich ein absolutes Highlight, die Austria als Kapitän zum Bundesliga-Comeback anzuführen. Damit habe ich zugegebenermaßen bei meinem Wechsel nach Lustenau nicht gerechnet.“

Der 30-jährige Innenverteidiger verfügt als einer der wenigen Spieler im Kader der Grün-Weißen über Erfahrung in Österreichs höchster Liga, spielte u.a. für Wacker Innsbruck und SV Grödig ganz oben. Die geringe Erfahrung im Vergleich zum Gegner aus Tirol sieht Maak aber nicht als großen Stolperstein für den Auftakt: „Klar ist es nochmal eine andere Hausnummer in der höchsten Liga, aber ich glaube dennoch, dass wir als Team absolut gerüstet sind. Nicht vergessen: Wir kommen als Meister und haben mittlerweile eine DNA entwickelt, die uns ausmacht, die vielen Teams in der Liga wehtun kann.“

Spaß am Fußball

Dabei spricht Maak die Ausrichtung der Mannschaft an und gibt damit auch die Einstellung seines Trainers in der abschließenden Pressekonferenz wieder. „Wir sind kein Team, dass den Ball einfach nach vorn haut und schaut, was passiert. Unser Ziel ist es, das Spiel gegen die WSG in die Hand zu nehmen, agieren statt reagieren. So sind wir letzte Saison aufgetreten, daran wollen wir festhalten“, gibt Mader zu Protokoll. Der Spaß am und der Mut zum Fußball spielen soll auch in dieser Saison in den Heimspielen wieder auf die Fans überspringen.

Übermotivation

Dass sich der 54-Jährige ob der Bedeutung des Spiels bei seinen Spielern Sorgen bezüglich Übermotivation machen muss, weist er mit einem Schmunzeln zurück: „Dafür haben schon unsere Ergebnisse in der Vorbereitung gesorgt, dass keiner übermotiviert ins Spiel geht. Eher habe ich den Burschen in den letzten Tagen noch mitgegeben, dass sie absolut imstande sind, wieder sehr gute Leistungen abzuliefern.“

Dass er selbst sein Debüt als Trainer in der Bundesliga feiert, lässt Mader völlig kalt. „Ich freue mich, klar. Aber es ändert sich an meinem Leben ja nichts, nur weil ich am Wochenende als Coach auf der Seitenlinie in Österreichs höchster Liga stehe. Die wirkliche Änderung in meinem Leben erfuhr ich bereits im Sommer 2022, als ich zum ersten Mal in meiner Laufbahn Profi werden durfte.“

Der Plan steht

Zu großen Änderungen wird es auch nicht in der Startformation für den Bundesligaauftakt kommen. Außenspieler Michael Cheukoua hat sich beim Cupspiel in Mannsdorf durchaus empfohlen. Ob er am Sonntag auch beginnt, bleibt aber noch offen, genauso ob Neo-Goalie Ammar Helac auf der Bank Platz nehmen darf – die Spielgenehmigung steht noch aus. Alles Randnotizen, wenn Coach Mader auf den Gegner, der ihm viel Respekt abringt, blickt: „Hut ab, wie sie es bei der WSG herbringen, starke Spieler abzugeben und dennoch wieder gute Leistungen zu bringen.“ Man erwartet die Tiroler, gegen deren Trainer Thomas Silberberger Mader als Spieler in früheren Zeiten noch Schlachten in der RLW schlug, in einem 4-4-2-System, „in dem sie auf Konter lauern werden. Wir haben uns einen Plan zurechtgelegt und wollen unseren Fans am liebsten einen Sieg schenken.“ So wie am 9. Juli 1997, als die Austria Meister Austria Salzburg beim Premierenspiel mit 2:0 besiegen konnte.

„Wir haben uns einen Plan zurechtgelegt und wollen unseren Fans am liebsten einen Sieg schenken.“

Matthias Maak führt die Austria morgen als Kapitän gegen die WSG Tirolbeim Bundesliga-Comeback aufs Feld.gepa/Shourot
Matthias Maak führt die Austria morgen als Kapitän gegen die WSG Tirolbeim Bundesliga-Comeback aufs Feld.gepa/Shourot
Eine neue Zeitrechnung beginnt

Teamnews

Austria Lustenau

AUFSTELLUNG (4-2-3-1) Schierl – Anderson, Maak, Hugonet, Guenouche – Grabher, Türkmen – Cheukoua, Surdanovic, Teixeira – Schmid

ERSATZ Nesler – Gmeiner, Rhein, Stefanon, Bacic, Berger, Grujcic

ES FEHLEN Tiefenbach (rekonvaleszent)

WSG Tirol

AUFSTELLUNG (4-4-2) Oswald – Bacher, Behounek, Stumberger, Schulz – Rogelj, Ogrinec, Müller, Blume – Rinaldi, Prica

ERSATZ Schermer – Prelec, Ranacher, Naschberger, Tomic, Forst, Üstündag

ES FEHLT keiner