Altach mit Angsthasenfußball

Sport / 18.09.2022 • 19:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die bittere Wahrheit: Das Ergebnis auf der Videowall und jubelnde Klagenfurt-Spieler.gepa/2, apa
Die bittere Wahrheit: Das Ergebnis auf der Videowall und jubelnde Klagenfurt-Spieler.gepa/2, apa

Erschreckende Leistung bei der 1:4-Heimniederlage gegen Austria Klagenfurt.

Altach Es herrschte beklemmende Stille im Stadion, als Klagenfurts Einwechselspieler Solomon Owusu Bonnah in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 4:1-Endstand den Deckel draufsetzte. Selbst die Rufe – „Wir haben die Schnauze voll“ – von der Fantribüne waren längst verstummt, als die Spieler nach dem Schlusspfiff Richtung Fantribüne schlichen, um sich den Unmut der Anhänger aus der Nähe anzuhören. Nach der sechsten Saisonniederlage, der dritten in der Heimarena, war zu spüren, dass der Zauber eines Weltmeisters auf der Trainerbank längst verflogen und der Qualitätsfrage gewichen ist. Der Auftritt der Spieler nach einer „erneut guten Trainingswoche“ (Miroslav Klose vor der Partie) lässt kaum keinen anderen Schluss zu. Die Zusammenstellung der Mannschaft stimmt nicht, es fehlt an Führungskräften – in jeder Formation.

Mutlos ins Verderben

Unverständlich für Klose ist vor allem die fehlende Kommunikation auf dem Feld. „Ich höre nicht einen, der mal seinen Mitspieler positiv unterstützt. Wir sind einfach zu leise.“ Seine Analyse der 90 Minuten fiel dementsprechend aus. „Diese Fehler, diese Mutlosigkeit. Das ist schon schwierig für mich zu akzeptieren.“ Schlimmer noch, die Ratlosigkeit ob dem Gezeigten ist das eigentliche Problem der Spieler, die sich deshalb in immer wiederkehrende Floskeln flüchten.

Dabei war es Altach, das den ersten Glücksmoment auskosten durfte. Zwar hatten die Gäste schneller ins Spiel gefunden, doch Alexis Tibidi war es, der nach einem langen Ball von Nosa Edokpolor (37.) und einem Fehler von Klagenfurts Nicolas Wimmer für den Führungstreffer sorgte. Schon zu diesem Zeitpunkt war zu erkennen, dass die Heimischen mit dem aggressiven Spiel und dem variablen Verschieben der Positionen der Gäste ihre Probleme hatten. Doch Altach führte, zudem die Geste des Zusammenhaltens mit den jubelnden Spielern, das Trikot des verletzten Dominik Reiter in den Händen haltend – das Spiel schien in die richtige Richtung zu gehen. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff wurden Zwischenbrugger und Co. von der Realität eingeholt. Ein Konter der Kärntner mit dem Kopfballtreffer von Markus Pink (45.) zum Abschluss lähmte Spieler und Zuschauer. Offen wie ein Scheunentor präsentierte sich die Restverteidigung, als Florian Rieder ungehindert über das Spielfeld sprinten konnte. Da nützte auch die Abwehr von Jakob Odehnal – der Torhüter war bester Altacher – nichts, den seine Vorderleute ließen gewähren. Davon profitierte Pink, der als Dreifachtorschütze zum Totengräber werden sollte. Auch, weil Altach in Halbzeit zwei völlig von der Rolle war – oder wie die Fans skandierten: „Wir haben die Schnauze voll“. VN-cha

„Diese Fehler, diese Mutlosigkeit. Das ist für mich schon schwierig zu akzeptieren.“

Beim Jubel war Dominik Reiter dabei.
Beim Jubel war Dominik Reiter dabei.
Klose auf der Suche nach Hilfe von oben.
Klose auf der Suche nach Hilfe von oben.

Die Zahlen zum Spiel

Cashpoint SCR Altach Austria Klagenfurt

 9 Schüsse gesamt 18

 3 Schüsse auf das Tor 9

49,5 % Ballbesitz 50,5 %

 2 Eckbälle 7

11 Flanken 25

47,4 % Zweikampfquote 52,6 %

 2 Abseits 4

69,9 % Passquote 73,7 %

10 Fouls 9