Im „Riesen“-Schwung in die neue Saison

Sport / 20.09.2022 • 20:13 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Johannes Strolz mit dem BTV-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Burtscher.
Johannes Strolz mit dem BTV-Vorstandsvorsitzenden Gerhard Burtscher.

Riesentorlauf für Johannes Strolz ein Thema. BTV nun langjähriger Partner für den 30-Jährigen.

Innsbruck Zurück vom ersten Schneetraining in Chile, den Jetlag endlich hinter sich gelassen, Woche mit Konditionseinheiten vor sich. Die verschneite Nordkette von Innsbruck bildete das perfekte Ambiente für die Präsentation des neuen Hauptsponsors für Doppel-Olympiasieger Johannes Strolz. Wenige Tage nach dem „Tag des Sports“ in Wien und einer abenteuerlichen Heimfahrt über schneebedeckte Straßen am Arlberg („Ich bin im Standgas gefahren, auf dem Auto sind ja noch die Sommerreifen montiert“) wurde die Partnerschaft mit der Bank für Tirol und Vorarlberg fixiert. „Eine länger ausgelegte“, verrät der BTV-Vorstandsvorsitzende Gerhard Burtscher sichtlich stolz über seine erste „Sport-Aktie“. Bei ersten Gesprächen auf dem Bauernhof von Burtscher in Bartholomäberg war man sich rasch einig geworden. Die Zusammenarbeit mit dem vor wenigen Tagen 30 Jahre alt gewordenen Warther ist durchaus über dessen aktive Laufbahn hinaus konzipiert.

Neuer Druck

Vorerst jedoch gilt die volle Konzentration bei Johannes Strolz dem bevorstehenden Weltcupwinter. In diesen startet der Doppel-Olympiasieger von Peking mit ganz anderen Voraussetzungen und einem anderen Druckgefühl. „Es ist um vieles schöner“, verrät er mit einem Blick zurück auf das Vorjahr. Da war er um diese Jahreszeit auf sich gestellt, aus allen Kadern des ÖSV verbannt, begleitet von der bitteren Frage nach einem möglichen Ende der Profikarriere. Der Vorarlberger aber kämpfte sich zurück, schrieb ein Skimärchen, das ergebnistechnisch mit dem Slalomsieg in Adelboden begann und mit zwei Goldenen und einer Silbernen bei den Winterspielen in China endete. Natürlich sei der Druck jetzt anders, „viel angenehmer“. In dieser Beziehung bleibt sich Strolz treu. Geerdet, nicht spekulierend, sondern vielmehr das eigene Leistungsvermögen richtig einschätzend, blickt er vor allem voller Vorfreude der anstehenden Weltcupsaison entgegen. „Ich möchte mein bestens Skifahren zeigen, meinen Weg weitergehen und durchziehen.“ Dieser seiner Zielsetzung lässt er noch einen wichtigen Satz folgen: „Ich möchte, dass ich und mein Umfeld zufrieden sind.“

Zumindest in finanzieller Hinsicht ist er dank seines Partners von einer Last befreit. Dass es eben auch der Mensch Johannes Strolz neben seinen Olympiamedaillen ist, mit all seinem Durchhaltevermögen und seiner Leidenschaft für seinen Sport hat laut Burtscher sehr dazu beigetragen, dass man seitens der BTV erstmals auch ein Sportsponsoring in Betracht gezogen habe. „Ich kann jetzt mit breiter Brust am Hang stehen, mit einem starken Partner an der Seite“, vervollständigt Strolz die längerfristig ausgelegte Zusammenarbeit.

Riesentorlauf ein Thema

Viel gearbeitet, so Strolz, habe man auch im Trainingslager in Chile. Eine Arbeit, die er mit Leidenschaft ausführe, wie er betont. „Nach der ersten Fahrt hatte ich einen breiten Grinser im Gesicht.“ Der Vorarlberger lebt seinen Sport, ist ständig auf der Suche nach Verbesserungen und denkt auch über den Slalom hinaus. Zumal sich bei ihm vieles verändert hat. Mit Benedikt Auinger steht ihm ein Servicemann von seiner Skifirma Head zur Seite, zudem ist der Riesentorlauf eine größeres Thema geworden. „Nein, in Sölden bin ich nicht am Start“, lässt er diesbezüglich keine Spekulationen aufkommen. Trotz „richtig guter Schwünge“ in Chile, will er sich in dieser Disziplin noch etwas Zeit geben, zumal auch seine Startnummer zu hoch wäre. „Meine Konzentration gilt klar dem Slalom, aber vielleicht wird es ein Thema, wenn ich die 500-Punkte-Marke knacke.“ So ist derzeit der 11. Dezember mit dem Slalomauftakt in Val d‘Isere dick in seinem Kalender markiert. Doch gut möglich, dass die Vorarlberger Skifans ihren Doppel-Olympiasieger schon früher live mitverfolgen können. Am 13. November steigt der Parallelbewerb in der Flexenarena beim Weltcup Lech/Zürs. „Mal sehen, wie die Qualifikation läuft. Aber es wäre schon ein Ziel“, verrät er mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ein Heimrennen, quasi vor der Haustür, das ist natürlich Ansporn genug.

Dass er sich neben dem Slalom ein wenig breiter aufstellen möchte, gehört zur persönlichen Zielsetzung für den Winter. „Ich finde es einfach gut“, sagt Strolz. Zumal die „Riesen“-Schwünge von Südamerika durchaus vielversprechend waren. Aber auch der Super-G bleibt aufgrund der Kombination ein Thema. Wie die Ski-WM 2023 in den französischen Skiorten Courchevel und Méribel. „Natürlich ist der Weltmeistertitel ein Ziel“, sagt er offen. Ein natürliches Selbstverständnis eines Sportlers, der bewiesen hat, dass er Titel gewinnen kann. Zumal Strolz genau weiß, wie viel Arbeit hinter einer Medaille steckt und es ÖSV-intern eine starke Konkurrenz gibt. „Bei der WM wird ein Medaillengewinner im Slalom zuschauen müssen“, untermauert er seine Einschätzung.

Sportgala steht bevor

Die Monate nach den vielen Ehrungen haben den Warther nicht verändert. Authentisch und doch souverän wirkt er anlässlich der Pressekonferenz im Stadtforum-Saal der BTV-Zentrale in Innsbruck. Fast zu unverfälscht, musste er doch im Anschluss für das Fernsehen ein Interview in Hochdeutsch geben. In diesen Momenten offenbart sich der sympathische Charakter des Bregenzerwälders, der scheinbar nie seine Ruhe verliert – und vor allem für den Nachwuchs immer ein offenes Ohr hat. Nicht zuletzt sind es auch diese Eigenschaften, die ihn neben seinen sportlichen Erfolgen 2022 bei der anstehenden Galanacht des Sports zu einem der Favoriten auf den Titel „Sportler des Jahres“ macht. Schon dass er nominiert ist, erfülle ihn mit Stolz, verrät Strolz – und: „Nein, ich war noch nie dabei. Ich erwarte mir nichts, denn es liegt nicht in meiner Hand und die Konkurrenz ist groß.“

„Ich will mein bestes Skifahren zeigen und meinen Weg weitergehen.“

Der Medaillensatz von Peking 2022 macht Johannes Strolz noch immer stolz. Klar, dass dieser Schatz stets gut behütet ist.gepa/3
Der Medaillensatz von Peking 2022 macht Johannes Strolz noch immer stolz. Klar, dass dieser Schatz stets gut behütet ist.gepa/3
Im „Riesen“-Schwung in die neue Saison