Christian Adam

Kommentar

Christian Adam

Banlieues oder Bannmeilen

Sport / 22.09.2022 • 23:06 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Sie werden Banlieues (Bannmeilen) genannt – die Randzonen der Großstädte, die im Zuge der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts entstanden sind. In Paris sind diese vor allem im Norden der Stadt angesiedelt. So auch das Département Seine-Saint-Denis. Und just an jenem Ort wurde im Jänner 1998 das größte Stadion Frankreichs, das Stade de France, eröffnet. Das mehr als 80.000 Fans fassende Oval wurde zum Symbol französischer Fußballkunst, der Gewinn des WM- bzw. EM-Titels (1998 bzw. 2016) inklusive. Die Geschichte des Stadions und seiner Umgebung ist jedoch nicht nur eine glanzvolle.

War Saint-Denis doch einer der Orte, in denen die Unruhen in Frankreich 2005, ausgelöst durch den Tod zweier Jugendlicher, massivsten Polizeieinsatz erforderten. Zehn Jahre später sprengten sich drei Attentäter, rund um die Terroranschläge auf das Bataclan-Theater, während des Freundschaftsspiels Frankreich vs Deutschland vor den Stadiontoren in die Luft – weil ihnen der Eintritt verwehrt worden war.

Seither wiederholt sich vor jedem Großereignis im Stade de France dieselbe Prozedur: Bereits um sieben Uhr morgens werden die Zufahrtstraßen im Umkreis der Arena mit Feuerwehrschläuchen gesäubert und Sperrgitter aufgestellt. Ab Mittag wimmelt es von Polizei und Sicherheitspersonal. Um 14 Uhr wird Frankreichs Nationalstadion dann endgültig zur Sperrzone, wenn der Bomben-Entschärfungsdienst für gut eine Stunde am Zug ist. Erst als „grünes Licht“ gegeben wird, entweicht die Spannung und die Straßen werden freigegeben, wenn auch nur für Fußgänger. Das Fußballfest kann beginnen.

Christian Adam

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