Zufriedenheit sieht anders aus

Sport / 26.09.2022 • 23:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Miroslav Klose anlässlich seiner Vorstellung am 20. Juni.
Miroslav Klose anlässlich seiner Vorstellung am 20. Juni.

Zwiespältige Bilanz der ersten 100 Tage von Altach-Trainer Miroslav Klose.

Altach Zuletzt nach der Heim­pleite (1:4) gegen Klagenfurt wirkte selbst ein Miroslav Klose („Die Jungs kriegen es nicht umgesetzt“) ratlos. Als Spieler gestählt in vier WM-Turnieren und Rekorde aufstellend, sucht der Trainer Klose nach einem Ausweg aus der Ergebniskrise. Fünf Punkte nach neun Spielen, neun Tore geschossen und 21 erhalten – die ersten 100 Tage endeten gestern wenig zufriedenstellend. Klar, so hatte er es sich nicht vorgestellt. Nicht die tägliche Arbeit, vielmehr den Output ansprechend.

Dabei war es ein medialer Paukenschlag, als der Cashpoint SCR Altach am 18. Juni die Verpflichtung von Miroslav Klose als neuen Trainer bekannt gab. Selbst der Bild-Zeitung war der Altacher Coup eine Schlagzeile „Riesen Klose-Überraschung. Das ist eine dicke Überraschung“ wert. Klose, der WM-Torschützenkönig, steht für Offensivdenken, für Tore, für Fußball arbeiten, Teamgeist und Bescheidenheit. Attribute, die der 44-Jährige bei seiner ersten Station als Proficoach vermitteln will. Allein die Startphase hat gezeigt, dass die Mannschaft zwar gewillt ist, seine Vorstellungen umzusetzen, doch bei vielen der Kopf den Körper lähmt und so nur ansatzweise das Bollwerk bzw. die Power zu sehen war. Die Ursachen sind vielschichtig.

Fehler Kaderplanung Die altersbedingte bzw. provozierte Ausdünnung an Führungsspielern in den vergangenen Jahren konnte nicht erst in diesem Sommer nie adäquat aufgefangen werden. Möglicherweise wurden Abgänge wie Aigner, Kobras und Netzer sogar unterschätzt. Nun fehlt es im Team an Typen, mit denen sich die Fans identifizieren können. „Ich höre nicht einen, der mal seinen Mitspieler positiv unterstützt“, ist selbst der Chefcoach ob der Ruhe am Platz erstaunt. Zumal die Diskrepanz zwischen Training und Match noch zu oft zu groß ist.

Der „Rucksack“ Die Vorsaison hat ihre Spuren hinterlassen. Ob im Herbst, als ein Chaos herrschte, das Tuch zwischen Trainer und Mannschaft zerschnittten war. Und dann zehrte der Abstiegskampf an den Nerven. „Selbst im Urlaub sind bei mir die Bilder vom Wattens-Spiel noch abgelaufen“, gesteht mit Emanuel Schreiner (33) ein Routinier, der schon vieles erlebt hat.

Die Suche Mit dem ersten Saisonsieg, dem 3:2 über die Wiener Austria, schien Klose seine Stammformation gefunden zu haben. Allein die Spieler belehrten ihn eines Besseren. Der Coach sah sich gezwungen zu rotieren, insgesamt kamen allein in den neun Ligaspielen 24 Akteure zum Einsatz – vom Torhüter, Tino Casali (26) startete und Jakob Odehnal (21) erbte, bis hin zum Mittelstürmer. Weil Atdhe Nuhiu (33) zuletzt nicht mehr erste Wahl war, probierte es Klose öfters mit einer falschen Neun.

Der Kompromiss Alles brauche seine Zeit, vielleicht sei er zu ungeduldig gewesen. Klose macht sich viele Gedanken, ist weit davon entfernt, Selbstkritik („Wir müssen in kleineren Schritte denken“) vermissen zu lassen. Sein offensives Denken hat er im taktischen Bereich vorerst dem Aspekt „mehr Sicherheit“ hintangestellt.

Die Forderung Der Teamgedanke steht über allem. Das erfordert auf dem Platz die Räume machen, sich gegenseitig aushelfen. Auch Handlungsschnelligkeit fordert der Coach ein, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive.

Neue Spieler Es wird Transfers brauchen, es werden Spieler kommen. Das steht schon fest, denn parallel zur Suche nach einem neuen Sportchef laufen Gespräche mit Spielern für die Winter- und auch für die kommende Sommertransferzeit.

Es waren also durchaus stürmische erste 100 Tage für den ehemaligen DFB-Teamstürmer. Klose selbst wirkt wie der Fels in der Brandung. Ruhig, besonnen und doch klar wirkt er, wenn er betont: „Nein, ich gehe nicht von Bord.“

Michael Benvenuti, Stv. Geschäftsführer beim Mineralheilbad St. Margrethen, Trainer Miroslav Klose, Spieler Felix Strauss und Vorarlberg-LIVE-Moderator Pascal Pletsch.VN
Michael Benvenuti, Stv. Geschäftsführer beim Mineralheilbad St. Margrethen, Trainer Miroslav Klose, Spieler Felix Strauss und Vorarlberg-LIVE-Moderator Pascal Pletsch.VN

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