Die Austria muss die Balance wiederfinden

Sport / 03.10.2022 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieter Alge (56) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.
Dieter Alge (56) ist Fußballtrainer mit Erfahrung im Profi-, Amateur- und Nachwuchsbereich.

VN-Fußballexperte Dieter Alge analysiert die Niederlage der Lustenauer Austria gegen Wolfsberg.

Der Wille, die Leidenschaft konnte den Kickern von Austria Lustenau bei der 1:3-Heimniederlage gegen den Wolfsberger AC nicht nachgesagt werden. Auf dem tiefen Terrain bot der Aufsteiger phasenweise guten Fußball. Doch die Defizite im Spiel gegen den WAC waren augenscheinlich. Es fehlte die Kompaktheit, die Distanzen stimmten nicht immer und das aggressive Spiel gegen den Ball wurde oft vermisst. Dies machte sich bemerkbar, da die Kärntner in der Offensive mit Thierno Ballo, Maurice Malone und Thai Baribo großen Druck auf Austrias Abwehr machten.

Austria-Trainer Markus Mader schickte wie gewohnt sein Team in einer 4-2-3-1-Grundordnung auf das Spielfeld. Stefano Surdanovic agierte als Solospitze, die offensive Dreierreihe dahinter bildeten Bryan Teixeira, Torsten Rhein und Yadaly Diaby. Auf der Doppelsechs agierten Cem Türkmen und Pius Grabher vor der Abwehr. WAC-Coach Robin Dutt ließ seine Elf in einem 3-5-2 (Offensiv) bzw. 5-3-2 (Defensiv) spielen. Dieses System sollte sich von Beginn an bewähren, denn die Austria hatte bereits in der Startphase wenig Zugriff auf den Gegner. Vor allem im Mittelfeld fehlte mir die Kompaktheit. Der WAC hatte zu viele Räume zum Spielen. Die Passlinien wurden nicht gut zugestellt, zudem wurde nicht schnell genug verschoben. So auch bei der frühen 1:0-Führung der Gäste durch Ballo. WAC-Verteidiger Simon Piesinger fand durch vier (!) Austrianer die Lücke zu seinem Angreifer. Austria-Innenverteidiger Matthias Maak rückte dabei zu wenig aggressiv nach vorne und so konnte Ballo ohne Gegendruck das frühe 1:0 erzielen. Für mich wirkten die Wolfsberger vor allem in ihrer Spielanlage vor der Pause reifer als der Gastgeber. In der Offensive überzeugte die Dutt-Elf mit gutem Kombinationsspiel. Die Austria versuchte ihr Glück meist über Teixeira. Dadurch war das Austria-Angriffsspiel für den WAC leicht ausrechenbar. Über die rechte Seite agierte Diaby an diesem Tag recht unglücklich. Dennoch gab es durch Surdanovic (40.) kurz vor der Halbzeit den Ausgleich. Dieser machte nochmals Hoffnung bei den Grün-Weißen.


Die Austria kam mit zwei frischen Spielern aus der Kabine und hatte erneut gute Ballbesitzphasen. Die große Chance auf das 2:1 hatte der eingewechselte Yuliwes Bellache. Für mich die spielentscheidende Aktion. Denn danach nahmen die Kärntner das Spielgeschehen wieder in die Hand und erzielten die neuerliche Führung. Bei diesem Treffer zeigte Baribo seine individuelle Klasse, doch auch hier hätte Austrias Abwehrchef Maak den Ball aggressiver blockieren müssen. Die Mader-Elf fand in weiterer Folge kein Rezept, die WAC-Angreifer in den Griff zu bekommen. Und Grabher und Co. gelang bis auf eine Möglichkeit in der Offensive kaum mehr etwas. Hier hätte ich mir ein Zeichen von der Betreuerbank erwartet. Der Dreifachtausch in der 85. Minute kam zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt hatten die Wolfsberger bereits auf 3:1 erhöht.

Mein Fazit: Am Ende war es ein verdienter Sieg für den WAC, der die Schwächen der Austria im Defensivverhalten effizient ausnutzen konnte. Auf diesem Niveau werden mangelnde Aggressivität und Stellungsfehler eiskalt bestraft. Die Austria muss schnellstmöglich die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive finden, nur dann kehrt auch die Kompaktheit wieder zurück.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.