Fußballer pochen auf Autonomie

Sport / 01.11.2022 • 18:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) löst sich von der Teilgewerkschaft Younion.

Wien Jene 300 Bundesliga-Fußballer, die ÖGB-Mitglieder waren, haben der Gewerkschaft den Rücken gekehrt. Auch David Alaba unterstützt den Schritt. 300 weitere Fußballer haben ihre Mitgliedschaft aufgekündigt, wie der Ex-Fußballer und langjährige Gewerkschafter Gernot Baumgartner mitteilte. Ihre „Vereinigung der Fußballer“ (VdF) löst sich von der Teilgewerkschaft Younion und strebt eine alternative Vertretung an. In der Praxis wechselten die Fußballer zum Verein „Die Spielervereinigung“, der im Frühjahr 2022 gegründet wurde. „Die Zusammenarbeit mit der Teilgewerkschaft Younion wurde immer schwieriger“, sagte Baumgartner. Die VdF, die als Spielervertretung innerhalb der Teilgewerkschaft Younion beim ÖGB angesiedelt ist, kam bisher auf 1200 Spieler. „Es war ein reines Machtspiel“, ergänzte Baumgartner.

Neben diversen Schwierigkeiten, die der VdF gemacht wurden, sorgte vor allem die alljährliche Bruno-Gala für böses Blut. Die Younion kritisierte laut Baumgartner die Kosten von rund 100.000 Euro für diese Veranstaltung. Die restlichen Gelder wurden bisher über Sponsoren aufgetrieben. Nun gelang es der VdF, mit dem Mobilfunker Spusu und dessen Spusu Sport GmbH einen Sponsor aufzutreiben, der für die kommenden Jahre die Veranstaltung garantiert.

Die Rechte an der Veranstaltung liegen bei der VdF. Der Verein hat die Rechte an der Gala der Younion übertragen und diese wiederum an die Gewerkschaftstochter VSW Sport GmbH. „Die Gewerkschaft hätte sich das Geld für die Gala gespart, wäre aber genauso wie bisher bei der Bruno Gala dabei gewesen“, so Baumgartner. Allerdings forderte die VdF mehr Mitspracherecht und eine gewisse Autonomie, um die Interessen der Fußballer vertreten zu können. „Wir hatten kein Mitspracherecht bei Personalentscheidungen, bei der Verwendung der Mitgliedsbeiträge und wurden stattdessen in der Arbeit behindert“, sagte Baumgartner. Zuletzt wurde der Vorsitzende Gernot Zirngast freigestellt und der Generalsekretär Gernot Baumgartner vom Dienst freigestellt und gekündigt.

Diskussion um Kollektivvertrag

Mit der Unterstützung der Spieler strebt der Verein „Die Spielervereinigung“, der bald in „Die SpielerInnenvereinigung“ umbenannt werden soll, an, als Vertretung der Spieler auch die Kollektivvertragsverhandlungen führen zu können. Der aktuelle Kollektivvertrag läuft bis 2027 und kann wegen der Kündigungsfristen nicht vor 2024 abgeändert werden. „Offensichtlich fürchtet die Younion jetzt, dass auch andere Berufsgruppen abspringen und ihre eigene Vertretung gründen“, sagte Baumgartner.

Aufgrund der schwierigen Zusammenarbeit und der bisher erfolglosen Verhandlungen mit Younion sah sich die VdF gezwungen, den Vertrag mit der Teilgewerkschaft über die Bruno Gala fristgerecht zu kündigen und die Veranstaltung nächstes Jahr mit dem Sponsor selber durchzuführen.

Von den anderen Aktivitäten der VdF sollen die Starcamps – Fußballcamps für Kinder – in das Sponsoring von Spusu einbezogen werden. Und das VdF Proficamp für vereinslose Spieler wird weiterhin in Kooperation mit dem Arbeitsmarktservice (AMS) durchgeführt und bietet Profi-Spielern ohne Vertrag die Möglichkeit, weiter zu trainieren und damit für Vereine attraktiver zu sein.

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