Deshalb kann Seattle die Überraschung gelingen

Sport / 10.11.2022 • 12:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Geno Smith, Quarterback der Seattle Seahawks, zelebriert einen Touchdown. <span class="copyright">US-Today</span>
Geno Smith, Quarterback der Seattle Seahawks, zelebriert einen Touchdown. US-Today

Die National Football League kommt nach Deutschland. Martin Pfanner über das Gastspiel von Superstar Tom Brady mit Tampa vs Seattle in München.

München „Man darf sich von Seattle 2022 nichts erwarten“, „Geno Smith ist der Hauptgrund, warum die Saison zum Scheitern verurteilt ist“ oder „Man hatte einen Superstar und jetzt steht man mit leeren Händen da. Das ist ein Desaster“. Diese und mehr Zitate stammen allesamt aus Saisonvorschauen bzw. den Händen von US-Experten. Und belegen nicht nur, dass die NFL immer zu überraschen weiß, sondern vor allem, dass niemand mit Seattle gerechnet hätte.

Geno Smith ist der neue Anführer der Seahawks. <span class="copyright">ap</span>
Geno Smith ist der neue Anführer der Seahawks. ap

Was war passiert?

Seattle hatte sich im Sommer dazu entschieden, Star-Quarterback Russell Wilson zu den Denver Broncos zu traden. Der 33-Jährige hatte 2013 großen Anteil daran, dass die Seahawks erstmals Super Bowl-Champion wurden. Aber insbesondere die letzten Jahre befand sich das Team aus dem Nordwesten der USA im sportlichen Niemandsland: zu gut, um einen totalen Umbruch einzuleiten, zu weit von der Spitze entfernt, um tatsächlich für den Titel infrage zu kommen.
Dass Wilson im Tausch für Spieler und wertvolle Draft-Picks nach Denver transferiert wurde, werteten viele Beobachter als Zeichen für einen Neuaufbau. Zumal Wilson-Ersatzmann Geno Smith als „journeyman“ eingestuft wurde: viel gereist, für (zu) viele Teams gespielt, aber nirgendwo als Nummer eins zum Zug gekommen.

Quarterback Geno Smith. <span class="copyright">ap</span>
Quarterback Geno Smith. ap

Seither strafen Geno Smith und die Seahawks alle Kritiker Lügen. Aus dem „Hauptgrund, warum die Saison zum Scheitern verurteilt ist“ avancierte ein Spielmacher, der die Potenziale abruft, die ihm bei seinem Ligaeintritt 2013 attestiert wurden. Headcoach Pete Caroll – mit 71 Jahren der älteste unter den 32 Cheftrainern – schaffte es entgegen der Erwartungen rasch eine kohärente Einheit aus vielen jungen und unerfahrenen Spielern zu formen, General Manager John Schneider half mit de facto durchwegs richtigen Personalentscheidungen. Beide waren nicht zuletzt durch den aggressiven Umgangston der US-Medien, der vor allem wenn es sportlich nicht läuft brutal sein kann, hochoffiziell angezählt.

Pete Caroll ist der älteste Headcoach in der NFL.<span class="copyright"> Seattle Times</span>
Pete Caroll ist der älteste Headcoach in der NFL. Seattle Times

Populär in Deutschland

So kommen Carroll, Schneider und Seattle mit breiter Brust nach Deutschland und finden als nominelles Auswärtsteam fast 8500 km Luftlinie von zu Hause entfernt doch einen kleinen Heimvorteil vor. Denn Seattles Erfolgslauf der letzten Dekade koinzidiert mit dem Beginn der Free-TV-Übertragungen in Deutschland und damit einhergehender Popularität, die „German Seahawkers“ sind der größte NFL-Fanclub im deutschsprachigen Raum. Spielmacher Geno Smith reist übrigens mit einer Bilanz von sechs Siegen aus neun Spielen in München an. Russell Wilson und die Broncos konnten 2022 bisher gerade mal drei Partien gewinnen.

Tipp: Das erste Spiel der National Football League (NFL) auf deutschem Boden wird am 13. November (15.30 Uhr) von Pro Sieben und DAZN live übertragen.

Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet u.a. für PULS 24 und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.
Martin Pfanner ist selbstständiger Journalist, TV-Kommentator und Sendungsproduzent. Er arbeitet u.a. für PULS 24 und das Streaming-Portal DAZN. American Football und Eishockey sind seine großen Passionen.

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.