Deshalb gab es Anzeigen nach dem Derby

Sport / 14.11.2022 • 23:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Nach gut einer Stunde Spielzeit hüllten die im Altach-Sektor gezündeten Rauchbomben eine Spielhälfte des Reichshofstadions in Nebel, sodass SR Gerhard Grobelnik die Partie für einige Minuten unterbrach. <span class="copyright">gepa</span>
Nach gut einer Stunde Spielzeit hüllten die im Altach-Sektor gezündeten Rauchbomben eine Spielhälfte des Reichshofstadions in Nebel, sodass SR Gerhard Grobelnik die Partie für einige Minuten unterbrach. gepa

Bezirkspolizeikommando Dornbirn zieht erste Bilanz nach Vorfällen rund um das Fußballderby in Lustenau.

Lustenau, Dornbirn, Altach Das emotionsgeladene Derby vom Samstag zwischen der Austria und dem SCR Altach beschäftigt die Polizei noch Tage danach. Nun geht es um die Aufarbeitung der Vorfälle. So wurden auf dem Gästesektor zahlreiche Stühle beschädigt und auch ausgerissen, wie Christian Ertl, Kommandant des Bezirkspolizeikommandos Dornbirn und am Samstag Einsatzleiter der Exekutive vor Ort, den VN auf Anfrage am Montag bestätigte.
Für die Verantwortlichen beider Klubs war es ein „emotionales Derby ohne große Vorfälle“. VFV-Präsident Horst Lumper, dessen Sitzplatz auf der Haupttribüne sich nahe den SCRA-Fans befand, warnte jedoch vor „schlechter Vorbildwirkung“, zumal im Vorfeld der Partie die Klubs mit dem Verband mit der Aktion „#teamplay“ ein Zeichen gesetzt hatten.

“Eine 28-jährige Person, die auf der Tribüne einen Stuhl ausriss und ihn quasi als Trophäe mitnehmen wollte, wurde kurz in Gewahrsam genommen.”

Christian Ertl über erste Maßnahmen während des Derbys

Tribünenstuhl als “Trophäe”

Ertl berichtete, dass es kurz nach dem Spiel zu einer Festnahme kam: „Da war eine 28-jährige Person unter den Altach-Fans, die auf der Tribüne einen Stuhl ausriss und ihn quasi als Trophäe mitnehmen wollte. Wir haben ihn nach dem Spiel kurzfristig festgenommen und befragt. Er wird unter anderem wegen Sachbeschädigung angezeigt.“

Die Sitze im Gästesektor erfüllen ihren Zweck nicht mehr. <span class="copyright">VN-Stiplovsek</span>
Die Sitze im Gästesektor erfüllen ihren Zweck nicht mehr. VN-Stiplovsek

Anzeigen gegen unbekannt

Noch zwei weitere Stühle seien ausgerissen und anschließend sogar auf das Spielfeld geworfen worden. Hier würden Anzeigen gegen unbekannt erstattet, sagt der Bezirkspolizeikommandant. Anzeigen würde es auch bezüglich anderer Sachbeschädigungen und Vorfälle geben. Derzeit würden etwa die WC-Anlagen auf etwaige Sachbeschädigungen inspiziert.
Während es sich beim „Trophäensammler“ um die bisher einzigr identifizierte Person handelt, der ein Vergehen nachgewiesen werden könne, erhoffe man sich auch hinsichtlich der anderen Vorfälle Ergebnisse. Dies vor allem durch die Auswertungen der Aufnahmen von Kameras der Videoüberwachung im Reichshofstadion. „Die gehen wir nun in Ruhe durch“, so Ertl. Ebenso stehe ein Pkw von auswärts, vollbesetzt mit Altach-Fans der „Grasshoppers“ aus Zürich, im Fokus der Polizei. Ertl: „Wir können nicht ausschließen, dass auch sie Unruhe stifteten.“

Verwaltungsübertretungen

Doch nicht nur Sachbeschädigungen, sondern auch verwaltungsrechtliche Übertretungen nach dem Pyrotechnikgesetz seien Thema für die Polizei. So kam es während des Spiels zum rechtswidrigen Abfeuern eines bengalischen Feuerwerks im Stadion. Diesbezügliche Übertretungen habe es aber auch außerhalb gegeben. „Austria-Fans haben im Bereich der Schützengartenstraße und der L 203 Rauchbomben gezündet. Auch hier wird es Anzeigen geben“, sagt Ertl, der im Nachhinein betrachtet von einer erfolgreichen Überwachungsfunktion seitens des polizeilichen Großaufgebotes spricht: „Immerhin war die Stimmung extrem aufgeheizt.“ Dass dabei keine Personen zu Schaden kamen, sei erfreulich. Das betonten sowohl Bernd Bösch, Vorstandssprecher der Austria, als auch SCRA-Geschäftsführer Christoph Längle.

Aufarbeitung läuft

Der Zugang hinsichtlich der Aufarbeitung ist bei den Klubs verständlicherweise ein unterschiedlicher. Laut Bösch habe es schon im Vorfeld des Rapid-Spiels eine Sicherheitsbegehung des Gästesektors durch die Polizei gegeben, wo auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, dass Sitze herausgerissen werden könnten. Man habe nach dem Errichten des Sektors zwar die Hälfte aller Sitze (175) abmontiert, die anderen aber aufgrund der in den Lizenzbestimmungen geforderten Sitzplatzanzahl gelassen. Zusätzlich seien Stehstufen eingearbeitet worden. Ungute Fanaktionen seien letztendlich nie auszuschließen, doch er habe auch in den Gesprächen mit dem Bezirkskommandanten eine positive Resonanz nach dem Derby erhalten. „Weil es keine direkte Konfrontation gegeben hat“, so Bösch.

Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch wollte die Geschehnisse, wie auch . . .
Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch wollte die Geschehnisse, wie auch . . .

Seitens der Bundesliga könnte für die Austria jedoch die bedingte Geldstrafe aus dem ersten Derby in Höhe von 2500 Euro schlagend werden. 5000 Euro hatte die Pyroshow die Lustenauer gekostet, 2500 Euro davon waren unbedingt zu zahlen. Zumal das Match in Altach aufgrund des Nebels aus dem grün-weißen Sektor erst mit mehr als drei Minuten Verspätung angepfiffen werden konnte. In Lustenau nun sorgte die Altacher Fangruppierung für eine von drei Spielunterbrechungen am Wochenende in der Bundesliga. Damit dürfte der Verein nicht mehr so günstig wie zuletzt im Heimderby davonkommen, als man von der Liga mit einer Geldstrafe von 1730 Euro belegt wurde.

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. . . Altachs Geschäftsführer Christoph Längle nicht überbewerten.

Außendarstellung missfällt

„Das momentane Bild unserer Außendarstellung missfällt mir total. Mir ist die Marke SCR Altach sehr wichtig“, sagte Längle. Nicht zuletzt deshalb werde es klubintern eine Aussprache mit den eigenen Fans geben. Allerdings, so betonte Längle, der im Stadion die Vorfälle im SCRA-Sektor hautnah miterlebte, seien die letzten Rauchbomben in grün-weißer Farbe gewesen. Und deshalb ist er sich sicher: „Solche werden von unseren Fans niemals gezündet.“ Zudem sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass der Gästefanblock direkt an den Familiensektor grenze und zwischen dem Maschendrahtzaun und den ersten Sitzplätzen kein Freiraum eingehalten werde. Längle ortet diesbezüglich ein Problem der Stadion-Infrastruktur in Lustenau. VN-gs-cha

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