„Spieler pfeifen aus dem letzten Loch“

Sport / 17.11.2022 • 18:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Hollands Virgil van Dijk absolvierte bis zur WM die meisten Spielminuten.reuters
Hollands Virgil van Dijk absolvierte bis zur WM die meisten Spielminuten.reuters

WM in Katar löst aus sportmedizinischer Sicht Kritik aus.

Doha, Wien Erstmals wird eine Weltmeisterschaft im Spätherbst und Winter gespielt, weil die Temperaturen im Gastgeberland Mitte Juni bis Mitte Juli mörderisch gewesen wären. Das bedeutet gleichzeitig für die Spieler vieler teilnehmender Nationen eine enorme Zusatzbelastung. „Die Spieler pfeifen körperlich aus dem letzten Loch“, sagte Austria Wiens Teamarzt Markus Hofbauer.

„In jeder Sportart – das ist nicht nur fußballspezifisch – ist die Regeneration ein wesentlicher Faktor“, erläuterte Hofbauers Rapid-Pendant Lukas Brandner. Der Grund: „Ein Muskel schützt. Wenn ein Muskel aber müde ist, reagiert er zu langsam oder ist zu schwach“, erklärte Brandner. Dadurch verliert er seine Schutzfunktion und es entstehen klassische Fußballverletzungen wie Kreuzbandrisse, Meniskusschäden und Verletzungen im Sprunggelenk. Nicht umsonst schlug die internationale Spielergewerkschaft FIFPRO Alarm. Spieler, die zur WM nach Katar fahren, hätten durch den dichten Spielplan ein erhöhtes Risiko für Verletzungen und Stress. Vor allem der Mangel an Regeneration wurde dabei genannt. Beispielsweise nimmt die englische Premier League nur acht Tage nach dem Ende der WM am 18. Dezember am berühmten Boxing Day (26. Dezember) den Spielbetrieb wieder auf. 2018 und 2014 hatten die Spieler 26 bzw. 34 Tage Pause.

Unglaubliche 84 Spiele

In dem Bericht analysierte die FIFPRO auch die bisherige Belastung der Spieler zwischen Juli 2021 und Oktober 2022: Demnach haben Mitglieder des portugiesischen Nationalteams kumuliert die meisten Einsatzminuten aller 32 Teilnehmermannschaften zu verkraften. Bei den Spielern bekam der niederländische Kapitän und Abwehrchef von Liverpool, Virgil van Dijk, in der genannten Zeitspanne die meisten Einsatzminuten zusammen, nämlich 7597. Das sind, wenn man die Nachspielzeiten nicht mitrechnet, statistisch gesehen mehr als 84 Spiele. Auch Portugals Joao Cancelo (Manchester City), Senegals Sadio Mané (Liverpool/Bayern), Deutschlands Antonio Rüdiger (Chelsea/Real) und Englands Teamkapitän und Goalgetter Harry Kane (Tottenham Hotspur) kamen auf mehr als 7200 Einsatzminuten, übertrafen somit die Grenze von 80 Spielen.

Zu der exorbitanten körperlichen Herausforderung vor, während und nach der WM kommt gerade für Teilnehmer aus Europa auch noch das heiße Klima in Katar.

„In jeder Sportart, nicht nur im Fußball, ist die Regeneration ein wesentlicher Faktor.“

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