Elend im Eishockeyverband

Sport / 23.11.2022 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Reinhard Pierer legt das Präsidentenamt zurück, weil sich keine Mitstreiter finden lassen. <span class="copyright">Lerch</span>
Reinhard Pierer legt das Präsidentenamt zurück, weil sich keine Mitstreiter finden lassen. Lerch

Präsident Reinhard Pierer tritt zurück, es ist kein ernsthafter Nachfolger in Sicht.

Hohenems Der Vorarlberger Eishockeyverband sucht – wieder einmal – einen neuen Präsidenten. Reinhard Pierer, seit Juni 2021 Vorsitzender des Landesverbandes, legt das Amt zurück, weil er zu wenig Mitstreiter gefunden hat. „Es war zum Beispiel das wichtige Referat des Wettspielreferenten nicht zu besetzen, obwohl mir die Vorarlberger Klubs bei meiner Wahl Unterstützung versprochen hatten.“

Niemand will das Amt

Rückblick ins Jahr 2020: Präsident Thomas Schwark verlor bei der Jahreshauptversammlung bei einem Stimmverhältnis von vier zu vier das Vertrauen des Vorstands. Die großen Vereine Dornbirn, Lustenau, Feldkirch und der Bregenzerwald sahen sich von Schwark und seinen Mitstreitern in ihren Anliegen nicht ausreichend und adäquat vertreten. Dem führungslosen Verband drohte daraufhin von der Bezirkshauptmannschaft die Streichung aus dem Vereinsregister. Werner Alfare, Ex-Präsident und Ehrenmitglied, schaltete sich ein, nahm mit den Vereinen Kontakt auf und organisierte eine Wahl. Online wurde ein neuer Vorstand bestellt, damit war der Vereinsbehörde Genüge getan.
Ein Neuwahlszenario steht nun morgen in der Geschäftsstelle des ASVÖ in Hohenems neuerlich auf dem Programm. Ohne Noch-Präsident Pierer, der geschäftlich in Innerösterreich unterwegs ist: „Die Vorstandssitzung war eigentlich für Dienstag anberaumt, eine Terminkollision beim ASVÖ machte die Verschiebung notwendig.“
Das Interesse an der Führung des Verbandes ist überschaubar. „Wir haben keine Ressourcen frei“, erklärt Michael Lampert, Geschäftsführer der Pioneers Vorarlberg. Mit den Pioneers und als VEU – Präsident ist dort Pierer – verfügt man über zwei Stimmen bei der Wahl. „Wir schauen uns an, was bei der Sitzung passiert. Bisher waren wir immer aktiv dabei, aber einige Klubs haben ihre Unterstützung vermissen lassen. Wir werden uns da etwas überlegen müssen.“
„Es ist ein Elend“, gibt Herbert Oberscheider, Präsident des EHC Lustenau, zu. „Wir sind bei allen Vorstandssitzungen mit Werner Alfare oder Philipp Winzig präsent, werden aber kein Amt übernehmen.“ Er sieht Klubs wie Hohenems, aber auch jene aus den Hobbyligen wie Hard oder Montafon gefordert: „Sie sind direkt betroffen.“

Das Werkl muss laufen

Der Vorarlberger Eishockeyverband ist ein autonom geführter Landesverband, erklärt Alfare. „Andere Bundesländer werden vom ÖEHV von Wien aus diktiert. Wir führen eigene Meisterschaften und Bewerbe durch, die Mitgliedsvereine bezahlen an den VEHV, der wieder 20 Prozent der Beiträge an den ÖEHV abliefern muss. Das wurde bisher so toleriert. In Wien wird aber auch erwartet, dass das Werkl läuft.“
Sollte sich kein neuer Präsident finden, der Vorstand nicht funktionieren, würde wohl der Österreichische Eishockeyverband den VEHV unter Kuratel stellen. Und wohl auch in den Spielbetrieb der bisher nicht anmelde- und zahlungswilligen Klubs in den vier Landesklassen eingreifen. So könnte das Szenario eintreten, dass der ÖEHV den Schiedsrichtern die Spielleitung der heimischen Hobbyteams untersagt. Alfare: „Bisher konnte alles innerhalb des Landes unkompliziert abgehandelt werden. Funktioniert das nicht mehr, werden wir uns dem Diktat des österreichischen Verbandes unterwerfen müssen.“

Neue Rahmenbedingungen


„Wir sollten auf jeden Fall einen Präsidenten haben, der unsere Stimmen in Österreich vertritt“, hat für Oberscheider das Amt Bedeutung. „Es braucht einen Kandidaten, aber es wartet sehr viel Arbeit auf ihn.“ Für den Unternehmer müssen zudem die Rahmenbedingungen geändert werden: „Die müssen neu aufgestellt werden, wie z. B. das Budget. Mit einer Landesförderung von 15.000 Euro kommt der Verband nirgends hin.“

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