Blauer Helm und niedrige Startnummer

Sport / 07.12.2022 • 20:46 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Strolz wurde zu Österreichs Aufsteiger des Jahres gewählt.
Strolz wurde zu Österreichs Aufsteiger des Jahres gewählt.

Einiges ist neu bei Johannes Strolz in der Saison eins nach Olympiagold, allein sich selbst ist der Warther treu geblieben.

Warth 264 Tage werden es am Sonntag sein, wenn Johannes Strolz nach seiner sensationellen Olympiasaison im Weltcup wieder am Start steht. Bei den österreichischen Titelkämpfen am Hochjoch hatte der 30-Jährige mit Platz zwei im Slalom sein Wintermärchen ausklingen lassen. „Man merkt langsam, dass es wieder Rennen braucht, um den nächsten Schritt zu machen“, sagt Strolz, der nach den Trainingstagen in Hippach/Zillertal noch einmal zu Hause ausspannte, um gestärkt die Reise nach Val d‘Isere anzutreten.

Ihr letzter Weltcupslalom war am 20. März in Courchevel. An welchen Schrauben musste gedreht werden, um wieder den Rennrhythmus zu finden.

Strolz Eine gute Frage. Für mich ist immer wichtig, die Trainingssteuerung so zu legen, dass ich im Rennen voll leistungsfähig bin. Dazu ist der Kopf ganz wichtig. Es gilt hellhöriger zu werden, den Fokus richtig zu legen und keine Zweifel aufkommen zu lassen. Zudem waren die letzten Einheiten auf Schnee wettkampfspezifischer. Die Kurssetzungen waren bewusst schwieriger, die Lauflänge jenen im Weltcup angeglichen. Zudem wurde der Rennmodus geprobt. Heißt konkret: Lauf besichtigen, sich mental vorbereiten und Vollgas geben.

Wenn Sie das Bewusstsein im Kopf so betonen: Haben Sie da eine spezielle Methode für sich entwickelt?

Strolz Ich habe mich vor ein paar Jahren intensiv mit Simon Nussbaumer (Anm. Sportpsychologe im Olympiazentrum Vorarlberg) hingesetzt und die eine und andere Methode entwickelt. Er hat mir ein gutes Rüstzeug mitgegeben, das ich anwenden kann. Zudem spielt die Erfahrung eine wichtige Rolle.

Viel Neues brachte der Herbst: Neue Sponsoren – BTV, Rauch, ein eigener Servicemann. Wie sehr hat sich schon alles eingespielt?

Strolz Ich habe mich schnell auf die eigentliche Sache, auf das Skifahren, konzentrieren können. Weil ich gesehen haben, wie professionell Benedikt Auinger, mein neuer Servicemann arbeitet. Er gibt 100 Prozent und mir gefällt, wie er die Dinge angeht. Jetzt braucht es die Rennen, um die letzten Schritte zu machen. Training ist das eine, natürlich sehr lehrreich, aber am meisten lernt man in den Wettkämpfen. Ich denke, wir werden aus den ersten Rennen in Val d‘Isere (11. Dezember) und Madonna (22. Dezember) viel für den Jänner mitnehmen können. Um dann auch die nächsten Schritte zu setzen.

Wie ist der teaminterne Vergleich im Training gelaufen?

Strolz Ich war doch recht zufrieden, bin auch ein paar Bestzeiten gefahren. Vor allem Manuel Feller und Fabio Gstrein waren in den letzten Trainings sehr schnell. Einzelne Passagen, das habe ich gesehen, gehen sicher noch bessern. Insofern bin ich froh, so starke Konkurrenz im Team zu haben. Zeitlich bin ich dabei, das ist ein gutes zeichen. Aber Rennen ist Rennen und Training ist Training.

Was wäre so eine Passage, in der noch was möglich ist?

Strolz In flachen und mittelsteilen Streckenabschnitten habe ich mich schon sehr gut gefühlt. Bei steilen Toren oder weiteren Torabständen sollte ich beim Schwungansatz geduldiger sein, um den Schwung voll durchziehen und den Ski schnell freigeben zu können. Bei engen Toren ist das Niveau schon sehr gut.

Was ändert sich für alle Skifans, wenn sie Johannes Strolz nun als Olympiasieger am Start sehen?

Strolz Sie werden ihn früher sehen als in der Vorsaison (lacht). Es ist etwas anderes, mit Nummer acht bis 15 zu fahren, als bislang mit 39 im Starthaus zu stehen. Der Helm ist blau und nicht mehr rot, das ist dem neuen Kopfsponsor geschuldet. Ansonsten hoffe ich wenig. Ich möchte voll attackieren und Gas geben.

Was erwarten Sie von der Konkurrenz?

Strolz Außerhalb unseres Teams habe ich relativ wenig mitbekommen. Es gab einige Materialwechsel und das wird spannend zu sehen sein, wie es sich auswirken wird

Wie laufen Ihre Planungen in Richtung Riesentorlauf?

Strolz Eigentlich habe ich wenig trainiert. Ich wollte mich auf den Slalom konzentrieren und habe dafür die Zeit genützt. Der Fokus liegt nun auf den ersten beiden Slaloms. Danach sieht man weiter.

Wie sehen Sie die weiteren Vorarlberger?

Strolz Ich hoffe, dass Christian (Anm. Hirschbühl) bald wieder zur alten Stärke findet. Patrick Feurstein wird im Riesentorlauf sicher den nächsten Schritt machen. Dahinter warten einige talentierte Läufer wie Lukas Feurstein, dem ich nicht nur im Riesentorlauf sondern auch im Speedbereich einiges zutrauen. Ein Thomas Dorner ist im Riesentorlauf und Slalom hoch einzuschätzen. Sehr gute Slalomschwünge habe ich zudem von Jakob Greber gesehen.

Wie gehen Sie die letzten Tage vor dem Start an?

Strolz Bei allem Fokus, Wille und Ehrgeiz, für Renntag braucht es notwendige Lockerheit. Es gilt, die berühmte goldene Mitte zwischen Perfektionismus und passieren lassen zu finden.

Wie ordnen Sie die Erfolge der Olympiasaison ein: Hilfreich oder als zusätzlichen Druck?

Strolz In erster Linie sehr hilfreich, weil ich weiß, dass das, was ich tue, auch passt. Ich weiß, dass ich vorne mitfahren kann, wenn ich meine Sachen umsetze. Das gibt viel Selbstsicherheit und Selbstvertrauen und man muss nicht alles über den Haufen werfen, wenn nicht gleich alles klappt. Die Erwartungshaltung ist natürlich eine andere, aber der Druck ist extern. Meine Aufgabe ist und bleibt dieselbe, ich probiere alles so gut wie möglich zu meistern.

Womit wäre Johannes Strolz zum Auftakt zufrieden?

Strolz Wenn ich wirklich mit Herzblut attackiere, alles in die Läufe investiere und gut Ski fahre. Die Latte ist nach den Ergebnissen der Vorsaison hoch. Zudem ist die Dichte an Topläufern im Slalom enorm. Für was es schlussendlich reichen wird, man wird sehen. Wenn ich alles so umsetze, wie gerne hätte, sollte es sich in einem guten Ergebnis widerspiegeln.

Gerade in den engen Torpassagen fühlt sich Johannes Strolz pudelwohl. Jetzt gilt es, die Trainingsergebnisse umzusetzen.gepa/2
Gerade in den engen Torpassagen fühlt sich Johannes Strolz pudelwohl. Jetzt gilt es, die Trainingsergebnisse umzusetzen.gepa/2
In Peking ging der Stern von Johannes Strolz auf. GepA
In Peking ging der Stern von Johannes Strolz auf. GepA
Froh, dass er wieder loslegen kann: Olympiasieger Johannes Strolz.gepa
Froh, dass er wieder loslegen kann: Olympiasieger Johannes Strolz.gepa

SKi-weltcup Herren

Val d’Isere

Samstag

Riesentorlauf 9.30 Uhr/12.30 Uhr

ÖSV-Team: Brennsteiner, Feller, Lukas Feurstein, Patrick Feurstein, Haaser, Leitinger, Raschner, Schwarz

Sonntag

Slalom 9.30 Uhr/12.30 Uhr

ÖSV-Team: Feller, Gstrein, Matt, Pertl, Raschner, Rueland, Schwarz, Strolz

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