„Maradona ist unser Fußballgott“

Sport / 16.12.2022 • 18:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Aufgewachsen in der Stadt Tres Arroyos, 400 km südlich von Bueonos Aires.VN
Aufgewachsen in der Stadt Tres Arroyos, 400 km südlich von Bueonos Aires.VN

2014 wurde im Patagonia das WM-Finale groß übertragen, 2022 wird – weil abergläubisch – privat geschaut.

Gaissau Trockene Steppen, Graslandschaften und Wüsten prägen Patagonien, den südlichsten Teil Argentiniens. „Patagonia“ in Vorarlberg liegt in der Rheinstraße in Gaißau und ist seit April 2000 als Steakhaus weit über die Grenzen hinaus bekannt. Der Besitzer ist Gustavo Juan Cerdeyra, ein gebürtiger Argentinier. Mit Jahresbeginn 2000 ist der heute 67-Jährige nach Vorarlberg gekommen.

Und heute sagt er mit Überzeugung: „Ich bin schon mehr Österreicher als Argentinier.“ Am Sonntag wird er dies für eine gewisse Zeit verdrängen, dann nämlich fiebert er mit den Kickern seines Geburtslandes im WM-Finale mit. „Dabei bin ich nicht einmal großer Fußballfan“, sagt er. Vielmehr sei er ein großer Motorsportfan. Und noch während er davon spricht, fällt der Name des großen argentinischen Formel-1-Piloten, des fünffachen Weltmeisters Juan Manuel Fangio, der 1995 in Buenos Aires verstarb. „Ja“, erzählt er, „in der Hauptstadt wird am Sonntag die Zeit stillstehen. Fußball ist derzeit alles, was die Menschen haben. Und was sie verbindet, Arm und Reich.“ Er, der 1979 das südamerikanische Land in Richtung Europa verließ, weiß, wie sehr ein ganzes Land nach dem „dritten Stern“ dürstet. Zumal die letzten beiden Endspiel (1990 bzw. 2014) – jeweils gegen Deutschland – verloren gingen. „2014 hatten wir hier im Lokal eine große Leinwand“, erzählt der aus Tres Arroyos 400 km südlich von Buenos Aires stammende Argentinier. Deshalb verzichtet er am Sonntag auf großen Schnick-Schnack und hofft auf ein gutes Ende. „Wir halten alle zu Argentinien“, ruft ein Kellner, ein gebürtiger Mexikaner, im Vorbeigehen. Verständlich, haben Messi und Co. in Katar doch Mexiko mit 2:0 besiegt.

Maradona oder Messi?

Bleibt noch die Glaubensfrage: Wer ist der größte Fußballer Argentiniens? Diego Maradona oder Lionel Messi? Die Antwort kommt prompt und überrascht nicht wirklich: „Diego ist ein Gott bei uns. Diego Maradona ist eben Diego Maradona. Er ist ein Mann des Volkes. Er hat sich immer unter das Volk gemischt. Er hat die Sprache der Menschen auf der Straße gesprochen. Auch wenn nicht immer alles korrekt war.“ Und Messi? „Lionel Messi ist eben Lionel Messi. Für ihn würde ich mich sehr freuen.“ Und was ist sein Tipp für Sonntag? „Argentinien wird gewinnen. Ich glaube, das Elfmeterschießen entscheidet. Oder Messi macht vorher eben etwas Besonderes.“

Kulinarisch bietet das „Patagonia“ Besonderes. Stolz ist Cerdeyra, dessen Gattin ebenso wie sein Sohn – er führt inzwischen das Lokal – im Restaurant stehen, darauf, dass „sein Kind“ seit 2017 stets von Restaurantführer Falstaff ausgezeichnet wird. Schon in Poppelsdorf („Als Bonn noch deutsche Hauptstadt war“) hatte sein Steakhaus einen guten Ruf. Im „El Tarascon“, das noch heute existiert, lernte er auch die Besitzerin jenes Hauses in Gaißau kennen, in dem er nach seiner zwischenzeitlichen Rückkehr nach Argentinien („1994 kehrte ich von Deutschland nach Argentinien zurück, ehe ich nach Österreich kam“), Anfang 2000 das Lokal eröffnete. „Es war nicht leicht, aber die Menschen hier haben mir so sehr geholfen“, ist er voll des Lobes für seine neue Heimat. Das kenne er aus Argentinien nicht. Auch deshalb reist er nur noch selten nach Argentinien. „Den Bruder meiner Frau besuchen wir immer wieder. Aber es ist gefährlich geworden.“ Lieber zieht es Gustavo Juan Cerdeyra ins warme Spanien, wenn der Winter die Gegend rund um den Alten Rhein zum Erstarren bringt.

Doch vorerst wollen zwei Tage vor dem großen Finale die ersten Gäste bedient werden, die bereits ab 16.30 Uhr ins Lokal strömen. Sie alle werden persönlich auf herzliche Weise vom Chef begrüßt. Zumal Cerdeyras Küche Qualität verspricht. Bezieht er sein Steakfleisch doch direkt aus Argentinien, vom Schlachthof Urien Loza. „Der Beste in Argentinien“, sagt er und hofft, dass Messi und Co. am Sonntag die weltbesten Kicker sind.

„Diego Maradona ist Dieg0 Maradona – in Argentinien ist er der Fußballgott.“

Fiebert dem WM-Finale entgegegen: Patagonia-Chef Gustavo Juan Cerdeyra, im Dress der Argentinier, ist bereit.vn
Fiebert dem WM-Finale entgegegen: Patagonia-Chef Gustavo Juan Cerdeyra, im Dress der Argentinier, ist bereit.vn
„Maradona ist unser Fußballgott“

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