„Es reicht mir einfach“

Sport / 29.12.2022 • 21:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bei der Besichtigung war Matthias Mayer noch dabei.gepa/3
Bei der Besichtigung war Matthias Mayer noch dabei.gepa/3

Spontan-Rücktritt: Olympiasieger Matthias Mayer (32) hat nicht mehr den Biss.

Bormio So überraschend für alle der Rücktritt des dreifachen Ski-Olympiasiegers Matthias Mayer gekommen war, so gut passt die Art und Weise zu dem 32-Jährigen. Der Kärntner hatte sich in Bormio mit Magen-Darm-Problemen von der Abfahrt abgemeldet, am Tag danach gab er nach der Pistenbesichtigung vor dem Super-G sein Karriereende bekannt. „Ich habe heute meine letzte Besichtigung gemacht und das reicht mir. Ich habe nicht mehr so den Biss“, sagte Mayer. „Ich habe die letzten Tage ein bisschen nachgedacht und muss sagen: Für mich ist die Zeit gekommen, dass ich zurücktrete aus dem alpinen Ski-Weltcup. Es war letztes Jahr eine gewaltige Saison mit der dritten Goldmedaille. Ich bin heuer gut reingestartet, ich bin zufrieden, aber es reicht einfach“, betonte Mayer und sorgte für einen Paukenschlag. „Der Sport ist etwas extrem Gutes, auf jeden Fall etwas Wichtiges für die Menschheit – so soll es weitergehen, aber für mich ist es okay.“

Mayers schlichte Verlautbarung im Früh-TV mutete unspektakulär an, reiht sich in die gewohnt schnörkellosen Medien-Auftritten des Kärntners ein. „Ich will nicht sagen, dass das jetzt ein großer Entschluss war. Ich habe mir immer schon ein bisserl gedacht, dass ich es spontan machen könnte. Heute hat der Zeitpunkt ganz gut gepasst“, erklärte er dann. Er höre auf sein Gefühl, betonte der elffache Weltcupsieger, der vor allem durch seine drei Olympia-Goldenen tief in Österreichs Skigeschichte verankert bleiben wird, obwohl ihm eine Medaille bei allen seinen fünf Weltmeisterschaften verwehrt geblieben ist. „Ich habe den Skisport irrsinnig geliebt, ich habe es gern gemacht, bin aber jetzt zufrieden, dass es so ist.“ Körperliche Beschwerden habe er nicht, betonte der 32-Jährige. „Ich bin topfit, natürlich könnte ich noch lange weiterfahren, aber es reicht mir einfach.“

Bei einem kleinen Blick zurück auf seine Bilderbuchkarriere, meinte Mayer: „Die letzten zehn Jahre waren natürlich sehr speziell, das ist ganz klar – die Olympiasiege, die Weltcuprennen. Aber mit dem Team unterwegs sein, im Mannschaftsgefüge zu leben, die Menschlichkeit, die da einfach drinnen war, das war unglaublich. Das hat mich sehr gefreut, jetzt freue ich mich aber auf die Zukunft.“

Mayer ist noch vor Feuz weg

Noch vor wenigen Wochen hatte er von Rücktrittsgedanken nach Olympia-Gold in Peking 2022 gesprochen. Er habe diese aber wieder verworfen. Denn „das Feuer brennt nach wie vor sehr“, hatte Mayer damals angefügt. „Ich könnte es mir nicht vorstellen, dass ich daheim sitze und mir das vorm Fernseher anschaue. Mir taugt es, dass ich da bin und ich freue mich auf das Wochenende“.

Umso überraschender kam nun der Rücktritt. Und der alpine Abfahrtssport verliert nach Beat Feuz binnen weniger Tage einen zweiten Superstar. Der Schweizer hört nach den Kitzbühel-Rennen im Jänner auf. Mayer ließ bis zuletzt auch seine Familie sowie den Verband samt Teamkollegen im Unklaren über die Entscheidung. „Ich habe eigentlich noch keinem was gesagt gehabt, also ich bin runtergefahren, es sind alle bei der Besichtigung. Ich habe jetzt meinen Rücktritt bekannt gegeben, mir reicht‘s!“

Gut gelaunt bei der Nummernauslosung.
Gut gelaunt bei der Nummernauslosung.
Im Zielraum dann die Rücktrittserklärung.
Im Zielraum dann die Rücktrittserklärung.

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