Baurs unerwartete Rückkehr

Sport / 10.01.2023 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Peking kam Magdalena Baur nur im Training zum Einsatz. Am Wochenende schob sie den Bob von Katrin Beierl an.Privat
In Peking kam Magdalena Baur nur im Training zum Einsatz. Am Wochenende schob sie den Bob von Katrin Beierl an.Privat

Nach dem Schlaganfall von Pilotin Katrin Beierl ist die Lauteracherin zurück im Eiskanal.

Regensburg/Innsbruck Vor elf Monaten erlebte Magdalena Baur die Olympischen Spiele hautnah. Als Ersatzfahrerin des österreichischen Zweierbobs kam die Lauteracherin zwar nicht zum Einsatz, doch in Peking machte Baur das gesamte Programm mit. Seither hat sich das Leben der 28-Jährigen grundlegend verändert. Sie lebt inzwischen mit ihrem Freund, den sie bei den Olympischen Spielen kennengelernt hat, in Regensburg. Mit dem Bobsport hatte sie beinahe schon abgeschlossen. Denn ihre Bobpilotin Katrin Beierl erlitt im August im Urlaub in Peru einen Schlaganfall. „Als ich das erfahren habe, war es natürlich ein Schock. Die Motivation zu trainieren war im Anschluss gleich null“, erinnert sich Baur.

Da ihr Freund Cheftrainer des Deutschen Skeletonverbandes ist, begleitete sie ihn im November zum Trainingslehrgang nach Innsbruck. Nach der Ankunft in der Tiroler Landeshauptstadt meldete sie sich bei einigen Bekannten, unter anderem auch bei Beierl. Die gebürtige Niederösterreicherin zeigte sich erfreut, denn nach ihrer Reha wollte sie just an diesem Wochenende zum ersten Mal wieder in einen Bob steigen und frage Baur, ob sie als Anschieberin dabeisein würde.

Damit war die alte Paarung wieder vereint und die ersten Trainingsläufe waren vor allem für Beierl spannend. Nach ihrem Schlaganfall hat die 29-Jährige noch mit den Folgen zu kämpfen. „Die Sicht am linken Auge ist schon noch beeinträchtigt. Ein gewisser Teil flimmert, was unheimlich nervig ist, aber man erkennt trotzdem Dinge. Die komplett fehlenden Teile sind großteils wieder da“, sagt Beierl.

Nur mit Beierl

Der erste gemeinsame Wettbewerb endete am Wochenende beim Austria Tirol Cup in Innsbruck-Igls gleich mit einem Sieg für Beierl/Baur. Doch angesichts der Gegnerinnen weiß Beierl den Triumph richtig einzuordnen: „Das war nur gegen die Nachwuchspilotin von uns.“

Die aktuelle Verfassung sei weit von jener im Vorjahr entfernt, bestätigt auch Baur: „Wir sind beide im Vergleich zu früher nicht trainiert“, bilanziert Baur und lacht. Ob der Auftritt in Igls eine einmalige Rückkehr bleiben wird, oder Beierl und Baur wieder in Richtung Weltcup angreifen werden, steht aktuell noch nicht fest und hängt vor allem vom Gesundheitszustand Beierls ab. Denn die Arbeit eines Bobfahrers ende nicht mit der Zieldurchfahrt, sondern nähme vor allem mit der Vor- und Nachbereitung des Schlittens viel Zeit in Anspruch. „Derzeit ist noch vieles unklar. Es wird sich zeigen, ob Kati diesen Stress und Aufwand aushält“, sagt Baur.

Zu einer anderen Bobpilotin wird Baur ebenso wenig wechseln wie in den Monobob. „Es gibt zwar derzeit in Österreich eine Nachwuchspilotin, aber bei deren Saisonhöhepunkt, den Juniorenweltmeisterschaften, dürfte ich nicht starten. Das würde keinen Sinn machen“, fasst die Lauteracherin zusammen, die in Regensburg in einer Physiotherapiepraxis als Trainingstherapeutin arbeitet. Sollte es kommenden Winter mit Beierl weitergehen, wird sie vor allem auch an ihrem eigenen Training arbeiten. VN-EMJ

„Nach dem Schock durch Katis Schlaganfall war die Motivation zu trainieren gleich null.“

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