„Soll in der Küche bleiben“

Sport / 11.01.2023 • 22:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Bild aus besseren Zeiten: Patrick Ortlieb (l.) 2016 mit Peter Schröcksnadel in St. Christoph.Gepa
Ein Bild aus besseren Zeiten: Patrick Ortlieb (l.) 2016 mit Peter Schröcksnadel in St. Christoph.Gepa

Patrick Ortlieb reagiert entspannt auf Angriffe von Ex-ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel.

Lech/Innsbruck Es waren deutliche Worte, die der langjährige ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel in Richtung Patrick Ortlieb richtete. „Ich wollte einst selbst, dass er mein Nachfolger wird. Aber er kann es offenbar nicht“, sagte Schröcksnadel in der „Kleinen Zeitung“.

Der inzwischen 81-Jährige legte nach und forderte den aktuellen ÖSV-Finanzreferenten aus der Ferne zum Rücktritt auf. „Ich habe gelesen, dass er im Hotel in der Küche aushelfen muss. Wie soll so jemand, der den eigenen Betrieb nicht im Griff hat, den Verband führen? Am besten für den ÖSV wäre es, wenn Patrick Ortlieb in der Küche bleibt und all seine Funktionen im Verband zurücklegt. Sonst macht er ihn kaputt“, wurde Schröcksnadel untergriffig.

Damit ist alles gesagt

Patrick Ortlieb wollte sich nicht auf das Niveau seines langjährigen Weggefährten einlassen. Der Lecher, der sich gestern Vormittag in St. Anton – dort macht ab heute der Damen-Weltcup Station – ein Bild von der Beschaffenheit der Speed-Strecken machte, sagte im VN-Telefonat: „Das ist für mich nicht zu kommentieren. Ich bin auch nicht nachtragend, egal was gesagt wird.“ Auf die deftigen Worte von Schröcksnadel, dass er seinen Betrieb nicht im Griff habe, angesprochen, erwiderte der Olympiasieger von 1992 lediglich: „Es ist nicht verwerflich zu arbeiten. Damit ist alles gesagt.“

Die Auseinandersetzung zwischen Schröcksnadel und Ortlieb hat sich in den vergangenen Monaten hochgeschaukelt. Im Oktober hatte Schröcksnadel Ortlieb attackiert, weil dessen Tochter Lara einen Job im Marketing der FIS angenommen hatte, für den Tiroler eine „unvereinbare Konstellation“. Ortlieb verwies auf das normale Angestelltenverhältnis seiner Tochter und ärgerte sich im VN-Gespräch über die Berichterstattung. Auf einen direkten Angriff auf Schröcksnadel verzichtete der 55-Jährige bereits damals.

Beschämend

Allerdings zeigte sich der Finanzreferent kurz vor Weihnachten mit der Situation im Verband unzufrieden. Bei „Servus TV“ sprach Ortlieb davon, dass „es schon fast beschämend sei, was wir übernommen haben und nun versuchen, wieder aufzubauen.“ Seinen Vorgängern wollte er aber damals keinen direkten Vorwurf machen. Die Athleten seien „zu sehr verwöhnt, zu wenig gierig und hungrig“. Er sprach auch von zu vielen Trainern beziehungsweise einem zu großen ÖSV-Weltcuptross – der Tenor: Der ÖSV sei ein Verband mit aufgeblähten Strukturen. Dagegen wehrten sich anschließend zahlreiche Athleten und Trainer. „Es ist nicht angenehm als Athlet“, kommentierte damals Ramona Siebenhofer Ortliebs Schelte. VN-EMJ

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