Gefrusteter Nadal lässt Zukunft offen

Sport / 18.01.2023 • 19:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der gezeichnete Grand-Slam-Rekordchampion bei seinem Abgang.GEPA
Der gezeichnete Grand-Slam-Rekordchampion bei seinem Abgang.GEPA

Titelverteidiger nach Out in Melbourne „mental zerstört“.

Melbourne Rafael Nadal (36) schnappte sich seine Taschen, pustete einmal kräftig durch und winkte ein letztes Mal ins Publikum – war das sein Abschied für immer? Das Zweitrunden-Drama bei den Australian Open mit dem frühen Aus, der erneuten Verletzung und den Tränen seiner Frau Maria Francisca Perello auf der Tribüne hinterließen beim spanischen Tennisstar deutliche Spuren. Der Kämpfer Nadal zweifelte plötzlich selbst, ob er bei einem längeren Ausfall noch mal das Feuer für ein weiteres Comeback entfachen könnte.

„Ich kann einfach nicht sagen, dass ich im Moment mental nicht zerstört bin, denn dann würde ich lügen“, sagte der entthronte Titelverteidiger in einer bemerkenswerten Pressekonferenz nach der 4:6, 4:6, 5:7-Niederlage in Melbourne gegen den US-Amerikaner Mackenzie Mcdonald. Es sei „ermüdend und frustrierend“, dass „ein großer Teil“ seiner Karriere daraus bestehe, sich nach Verletzungen zurückzukämpfen. Er müsse eine längere Pause wegen der aktuellen Hüftverletzung unbedingt vermeiden, „denn wenn nicht“, betonte der 36-Jährige, „wird es schwer“.

„Nicht jetzt“

Er habe diesen Prozess schon „zu viele Male“ durchgemacht. Generell sei er zwar bereit, es erneut zu tun, „aber es ist zweifelsohne nicht einfach“. Schon die letzten sieben Monate mit schweren Verletzungen und wenig Spielrhythmus seien „hart“ gewesen. „Ich weiß nicht, was in der Zukunft passiert.“ Er wolle jetzt nicht „lügen“ und behaupten, dass „das Leben fantastisch“ sei, er weiterkämpfe und positiv bleibe. „Nicht jetzt“, betonte der 22-malige Grand-Slam-Turniergewinner: „Das ist ein harter Moment. Aber morgen startet ein neuer Tag.“

Die Australian Open sind für ihn aber beendet – so früh wie seit 2016 nicht mehr. Der Weltranglisten-Zweite spielte anfangs schwach, er schimpfte mit der Schiedsrichterin und schlug gefrustet mit der Hand gegen den Schläger. Doch das wahre Drama folgte erst später. Am Ende des zweiten Satzes verletzte er sich bei einem langen Schritt im Hüftbereich. Auf der Tribüne der Rod Laver Arena vergoss seine Frau Tränen in ein Taschentuch, während er selbst eine medizinische Auszeit nahm. Sie half nicht, das Spiel war zum Zeitpunkt seiner Rückkehr auf den Platz bereits verloren.

Aufgeben war aber keine Option für ihn. „Bis zum Ende alles geben, egal wie gut die Chancen stehen, ist die Philosophie des Sports.“ Auch deswegen ist Nadal für Boris Becker „der beste Wettkämpfer, den der Tennissport je hatte“ und „ein Vorbild für alle Spieler“. Doch auch der Eurosport-Experte hat „große Fragezeichen“ bezüglich einer Rückkehr. Sein Vorschlag: „Lasst uns ihn feiern, so lange wir ihn haben.“

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