„Wir wollen jedes Rennen gewinnen, bei dem wir starten“

Sport / 18.01.2023 • 22:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Beim ÖSV war Christian Mitter drei Jahre Cheftrainer der Frauen.Gepa
Beim ÖSV war Christian Mitter drei Jahre Cheftrainer der Frauen.Gepa

Norwegens Coach Christian Mitter spricht über Erfolge.

Kitzbühel Das norwegische Herrenteam dominiert derzeit den Weltcup. Christian Mitter kennt als Technikcoach der Norweger das Erfolgsgeheimnis. Im Sommer wechselte der Steirer von den ÖSV-Herren in den hohen Norden.

Sie haben Aleksander Aamodt Kilde bereits in jungen Jahren betreut und kennen ihn wie kaum ein anderer. Der 30-Jährige hat bereits sechs Saisonsiege – was zeichnet ihn aus?

Mitter Aleksander habe ich schon in meiner Zeit im Skigymnasium in Norwegen betreut, ich bin mit ihm so wie mit Sebastian Foss Solevaag den ganzen Weg mitgegangen. Zwei Jahre Gymnasium, zwei Jahre Europacup , vier Jahre Cheftrainer, das ist jetzt also das elfte Jahr. Was das Wichtigste bei Aleksander ist: Wir haben immer geschaut, dass er auch im Riesentorlauf dranbleibt. Wir wollten ihm ein Paket mitgeben, damit er auch schwierige Rennen gewinnen kann. Und damit er im Riesentorlauf konkurrenzfähig bleibt – als Neunter in Adelboden hat er auch gezeigt, dass er das auch ist. Aleksander hatte schon in frühen Jahren enorm viele Skitage, hat brutale konditionelle Fähigkeiten aufgebaut. Und er ruft das ab, was er kann. Das hat er schon immer gekonnt.

Norwegens Ski-Herren sind das Maß aller Dinge, konnten heuer bereits elf Weltcup-Rennen gewinnen, zuletzt gab es gleich vier Erfolge hintereinande. Was macht die Norweger derzeit so stark?

Mitter Das Entscheidende ist: Es treffen jetzt wieder zwei Generationen aufeinander. Dann kommt so etwas heraus wie das, was wir jetzt erleben. Diese Sache hatten wir schon im Jahr 2016, als Kjetil Jansrud und Aksel Lund Svindal in Hochform waren und Henrik Kristoffersen und Kilde quasi mitgezogen haben. Jetzt sind die beiden die Siegläufer und ziehen Atle Lie McGrath oder Lucas Braathen mit. Aus so einer Dynamik heraus gibt es so gute Resultate.

Der Zusammenhalt im norwegischen Team wird schon seit Jahren gelobt, das heißt, Kilde konnte auch Braathen mitziehen?

Mitter Ja, das ist auch dieses Mal wieder so gegangen. 2016 haben wir das erlebt, jetzt haben wir gut sechs Jahre später wieder eine Überlappung einer so guten Zeit. Wenn Aleksander zu uns in die Technik-mannschaft kommt, läuft das harmonisch. Das war früher so, das ist jetzt noch so.

Trotz des kleinen Kaders ist sogar die Herren-Teamwertung in Reichweite. Momentan ist man Zweiter hinter der Schweiz – und noch vor Österreich.

Mitter Auf die Teamwertung schauen wir schon mit einem Auge hin. Das ist uns wichtig, das zeigt die mannschaftliche Stärke. Wir wollen alles gewinnen, jedes Rennen, wo wir uns hinstellen.

Wie war die Rückkehr heuer nach dem ÖSV-Ende?

Mitter Es war relativ fließend. Wir haben schon bei Olympia Gespräche geführt. Ich habe mehr als ein Jahrzehnt in Norwegen gearbeitet, das war daher meine erste Adresse.

Wie blicken Sie auf die Zeit als ÖSV-Rennsportleiter der Damen zurück?

Mitter Es war eine schöne und wertvolle Zeit. Ich habe mit sehr guten Damen gearbeitet, die sehr zielstrebig waren. Es war richtig cool zu sehen, wie stark diese Frauen sind, die noch so viel um Anerkennung kämpfen müssen.

Und die ÖSV-Technikkrise?

Mitter Das ist ganz schwierig zu beurteilen. Im Prinzip stecken Sie in einer schwierigen Phase. Sie können mehr. Das weiß ich.

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