„Dann kann man mich schimpfen!“

Sport / 20.02.2023 • 23:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Patrick Ortlieb richtet den Blick nach vorne, in Richtung Ski-WM 2025 in Saalbach-Hinterglemm. GEPA
Patrick Ortlieb richtet den Blick nach vorne, in Richtung Ski-WM 2025 in Saalbach-Hinterglemm. GEPA

Für Patrick Ortlieb zählen die Medaillen, nicht die Farbe – bei der Heim-WM in Saalbach in zwei Jahren gilt es.

Lech Wie lesen Sie den Medaillenspiegel: Nach den Erfolgen in Gold oder nach dem amerikanischen System? Patrick Ortlieb, Finanzchef und alpiner Vorstand im Österreichischen Skiverband, muss nicht lange nachdenken: „Für mich zählen die Anzahl der Medaillen. Du kannst immer alles schönreden. Ob Gold, Silber oder Blech, da ist immer der Glücksfaktor dabei, den niemand beeinflussen kann. In Summe sind es die sieben Medaillen – und das Blech lassen wir außen vor.“

Neuaufbau für die WM 2025

Der Abfahrts-Olympiasieger aus Lech, Verfechter des Leistungsprinzips, sieht es grundsätzlich nicht tragisch, dass der ÖSV erstmals seit 1987 ohne Gold nach Hause gefahren ist. „Vier Hundertstel da, drei dort, du fährst wegen diesen Hundertstel nicht besser Ski. Selbstverständlich hätte ich drei Mal Gold lieber, aber es ist keine Dramatik da“, findet der 55-Jährige Lecher. „Die Erwartungshaltungen waren nicht sehr hoch, das haben wir im Vorfeld gewusst. Mit dem Wechsel der Trainer wollen wir einen Neuaufbau mit dem Endziel Weltmeisterschaft in Saalbach. Wenn wir 2025 dann nix machen kann, man mich schimpfen.“
Ortlieb war mit der Leistung des Damen-Speedteams zufrieden, mit jener der schnellen Herren tut er sich schwerer: „Da haben wir uns doch am meisten erhofft. Wenn man die Medaillen von Vincent Kriechmayr anschaut, die er vorher geholt hat: Da war Glück dabei, und genau das hat uns diesmal gefehlt. Bei den Technikern waren die ersten Läufe sowohl im Riesentorlauf als auch im Slalom ein Hammer. In der Kombi lief es über meinen Erwartungen, Ricarda und Raphael Haaser fuhren top. Bei den Damen-Technikerinnen war die Ergebniserwartung von vornherein nicht hoch. Wenn man sich die Ergebnisse über die Saison ansieht, hat sich da bei der WM nicht viel geändert. Das ist aber nicht von letztes Jahr auf heuer passiert, da muss man grundsätzlich komplett neu aufbauen.“
Um die Damen auf Vordermann zu bringen, ist eine massive Umstellung im Trainingsaufbau geplant. „Die Sportliche Leitung hat uns da schon Konzepte vorgelegt. Komplett überarbeitet wird das Nachwuchskonzept. Es sollen massiv mehr und bestens organisierte Trainingsmöglichkeiten für Schwerpunktschulen und Landesverbände mit unseren Skigebietspartnern angeboten werden.“ Im Frühjahr wolle man die Zeit besser nutzen: „Bis in den Juni hinein werden diese Trainings organisiert, im Gegensatz zu anderen Nationen hat es die bisher nicht gegeben. Wir haben eine Skihalle gemietet, die können alle Verbände in Anspruch nehmen. Walter Hlebayna macht das in Vorarlberg für seine Bezirke schon seit Jahren vor. Wir werden diese Sachen, die funktionieren, weiterziehen.“ Passé wären kostspielige Trainingsschauplätze wie Zermatt, Saas Fee oder Übersee. Mittelfristig gibt es Trainerbestellungen zu beschließen. „Wenn das Weltcupfinale vorbei ist, startet die nächste Saison in voller Besetzung.“ Über die Trainer und Betreuer entscheide allein die Sportliche Leitung, betont Ortlieb: „Wir vom Präsidium und der Managementgruppe sind für die Sportliche Leitung verantwortlich, die wird nicht infrage gestellt, in keiner Disziplin.“

Mit mentaler Stärke zur Medaille

Ortliebs Tochter Nina brachte mit Silber in der Abfahrt, vier Hundertstel fehlten auf Gold, die einzige WM-Medaille ins Ländle. „Ihre Stärken sind bekannt“, sagt der Papa, Ehrenpräsident im VSV. „Man hat gewusst, dass Nina nervenstark ist, wenn es draufankommt. Ihr größtes Handicap sind die ständigen Verletzungen. Die muss sie in den Griff bekommen. Katharina Liensberger hat sich bei der WM nicht erfangen, ein Nachjassen ist sinnlos.“
Den Zwist zwischen den Verbänden und FIS-Boss Johan Eliasch sieht Ortlieb entspannt. „Der Präsident will den Weltcupkalender etwas revolutionieren, dort Rennen fahren, wo es etwas zu verdienen gibt. Es wird nicht gelingen, dem Johan etwas madig zu machen, da beißt man sich bei ihm die Zähne aus.“

Vater Patrick freut sich mit Tochter Nina über Silber in der WM-Abfahrt.  APA
Vater Patrick freut sich mit Tochter Nina über Silber in der WM-Abfahrt. APA

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