Deshalb soll der Feuerwehrmann den Weltmeister ablösen

Sport / 20.03.2023 • 22:20 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Das letzte Foto: Miroslav Klose (links) und sein Cotrainer Slaven Skeledzic verlassen den Campus. <span class="copyright">Hartinger</span>
Das letzte Foto: Miroslav Klose (links) und sein Cotrainer Slaven Skeledzic verlassen den Campus. Hartinger

Der Cashpoint trennt sich nach dem Ende des Grunddurchgangs von Cheftrainer Miroslav Klose. Folgt nun ein alter Bekannter?

Altach „Endlich mal schön zu sagen, dass ich unheimlich stolz auf die Mannschaft bin.“ Die Worte von Miroslav Klose werden seinen Spielern in Erinnerung bleiben.

Denn es sollten die letzten des 44-jährigen Deutschen nach einem Spiel sein. Nur 19 Stunden nach seinem Sager in Salzburg war Klose als Cheftrainer des Cashpoint SCR Altach Geschichte. Nach einem intensiven Montagvormittag wurden die Spieler gegen 15 Uhr von Sportdirektor Georg Festetics über die Entlassung von Klose informiert.

Immer respektvoll: Miroslav Klose verabschiedet sich. <span class="copyright">gepa</span>
Immer respektvoll: Miroslav Klose verabschiedet sich. gepa

„Es war keine leichte Entscheidung“, sagte der 38-Jährige im Gespräch mit den VN. Letztendlich sei der Tabellenplatz mit ausschlaggebend für die Trennung gewesen. Seitens des Vereins habe man die Situation sehr genau analysiert, so Festetics, der zudem betonte: „Am Ende ist nichts Größer als der Verein. Unser Handeln muss ganz im Dienste des Klubs sein. Und da waren wir uns einig, dass die Mannschaft einen frischen Impuls benötigt.“

„Es ist Teil meiner Aufgabe, dass ich für diese Situationen Lösungen bei der Hand habe.“

Georg Festetics, Sportdirektor Cashpoint SCR Altach

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Letzter Sieg im Oktober 2022

Der Blick auf die sportliche Bilanz von Klose zeigt, dass der letzte Sieg schon einige Zeit zurückliegt. Seit dem 23. Oktober 2022 wartet der Cashpoint SCR Altach auf einen vollen Erfolg. Seither gab es sechs Niederlagen bei nur drei Remis und fünf Spiele ohne Torerfolg. „Es ist meine Aufgabe, immer eine Lösung bei der Hand zu haben. Es gibt ja im Fußballgeschäft immer drei Szenarien: Ein Trainer wird verabschiedet, ein Trainer geht von selbst oder ein Trainer wird von einem anderen Klub umworben.“ Deshalb habe er in den vergangenen Wochen den Trainermarkt durchforstet und nach Möglichkeiten Ausschau gehalten. „Unter Druck verhandeln zu müssen, bringt den Klub nicht weiter. Es ist Teil meiner Arbeit, für Eventualitäten gewappnet zu sein.“ Deshalb werde spätestens am Mittwoch der „Neue“ präsentiert.

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Einer mit Altach-Vergangenheit

Dieser Neue dürfte wohl Klaus Schmidt heißen. Wenngleich 55-Jährige für die VN telefonisch nicht erreichbar war und in Altach niemand den Namen bestätigen wollte, die Spur führt zum Steirer. Zumal dieser zuletzt bei der Admira und in Hartberg erfolgreich als Feuerwehrmann fungierte. Als Cotrainer soll er den Ex-Nationalspieler Joachim Standfest (42) mitnehmen. Mit diesem arbeitete Schmidt bei der Admira. Derzeit ist Standfest U-18-Trainer bei AKA Austria Wien.
Zudem passt das Duo in das Trainerprofil. Laut Festetics suche man nach einem deutschsprachigen Trainer, der „die Lust verspürt, in Altach zu arbeiten“, der „ins Konzept des Vereins passt“ und der „leistbar ist“. Einen Zusatz konnte er sich nicht verkneifen: „Nein, Qualirunden-Erfahrung ist kein Kriterium“, so Festetics, der diesbezüglich auf Ludovic Magnin in der Vorsaison verwies. Doch Schmidt hätte diesen Vorteil.

Es fehlt an Konstanz

Altach Als „Kind des Vereins“ leitete Adi Hütter (53) nach dem Bundesliga-Abstieg des Cashpoint SCR Altach im Jahre 2009 die erfolgreiche Wiederauferstehung ein. Zwar ist dem heute international renommierten Coach das große Ziel Rückkehr in die Bundesliga verwehrt geblieben, doch Hütter ist einer von nur zwei Trainern, die in den vergangenen 14 Jahren mehr als 1000 Tage im Rheindorf auf dem Trainerstuhl saßen. Viele Kollegen konnten den Vergleich der Erfolge von Hütter und später Damir Canadi nicht standhalten und mussten ihren Platz meist vorzeitig räumen. Canadi war auch der erste, der zweites Mal nach Altach zurückkehrte. Nun könnte es mit Klaus Schmidt bald einen zweiten Trainer geben. Der Steirer bestritt mit den Altachern die erfolgreichste Europacupsaison. Nur wenige Minuten trennten ihn und seine Mannschaft im Sommer 2017 vor dem Einzug in die Gruppenphase der Europa League. Die Trennung im Mai 2018 war sehr emotional, die Rückkehr könnte es auch werden.

Fühlte sich einst in Altach wohl: Klaus Schmidt. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Fühlte sich einst in Altach wohl: Klaus Schmidt. VN/Stiplovsek

Gerade in emotionaler Hinsicht hatte sich der SCR Altach im vergangenen Frühjahr eine besondere Zeit erlebt. Denn dem Schweizer Ludovic Magnin war es gelungen aus einem Team mit verlorenem Selbstbewusstsein ein verschworener Haufen zu formen. Am Ende stand ein Klassenerhalt in letzter Minute und eine Explosion der Gefühle in der Cashpoint Arena. Doch Altach schaffte es nicht, diese Glücksgefühle in die neue Saison zu retten. Vieles davon ist über den Sommer verschwunden, was sich letztendlich auch in den Ergebnissen niederschlug. Mit einem Punkteschnitt von 0,83 pro Spiel verabschiedet sich Klose und Altach sucht nach der Konstanz auf dem Trainerstuhl.

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